Hier ein wichtiger Hinweis, fuer alle, die mehr ueberMali wissen wollen, als mein - doch sehr persoenliches - Tagebuch bietet:

http://mali-infos.blog.de/

Eine Semi-Professionelle Seite mit viel Engagement und Liebe gemacht und mit Infos in Deutsch und Franzoesisch. Viel Spass beim Lesen!

Vielleicht mal ein wenig zu meiner häuslichen Situation: Das Haus ist wunderschön, ruhig und obwohl noch einige Arbeiten ausstehen, kann man sich gut darin aufhalten. Abends sitzen Hamidou ich gerne auf dem Dach und schauen dem Sonnenuntergang zu, außer den Kühen, die von der Weide heimkehren und später den Sternen und dem Mond gibt es eigentlich nichts zu sehen, aber die Ruhe ist wirklich wohltuend.

Zum Haushalt selbst gehören wieder Yaiben, die schon beim letzten Mal für mich gearbeitet hat und deren Französisch sich sehr verbessert hat, hat sie doch die letzten 3 Jahre für meine Vorgängerin, eine Französin, gearbeitet; 2 junge Männer, Abou und Clement, die als Tag- und Nachtwächter angestellt sind und seit einigen Tagen noch ein Katerchen, das ich von einer Kollegin übernommen habe, die ausgereist ist. Er kümmert sich um die Mäuse, die sich Nächtens in der Küche vergnügen. Seit er hier ist, hat er jeden Tag eine gefangen, nur die gestern, die war schlau und ist durch die Eingangstür entwischt. Der Kater muss sich noch einleben und darf deshalb noch nicht raus.

Yaiben hat auch ihre Kochkünste erweitert und sie überrascht mich jeden Tag mit neuen Kreationen. Da kann man sich schnell dran gewöhnen. Bei dem vielen Staub in der Luft und im Haus bin ich froh, dass ich Hilfe habe, am Wochenende versuche ich der Situation selbst Herr zu werden, aber man muss sich echt ranhalten.

Derzeit ist es sehr kühl, ich hoffe die Autos kommen bald an (sie sind schon an der Grenze nach Mali und der Kollege, der den Nissan kauft, freut sich auch schon) darin habe ich jedenfalls noch Hausrat und vor allem wärmere Kleidung und ein Federbett – derzeit behelfe ich mich mit einem alten Schlafsack, der von damals noch hier geblieben ist. Ohne den wäre ich völlig aufgeschmissen, ich weiß  gar nicht, wie ich vergessen konnte, wie kühl es des Nachts hier im Dezember/Januar sein kann.

Am Haus selbst stehen noch Klempnerarbeiten und ein upgrade der Solaranlage aus, ab April werde ich dann ganz darin wohnen können – in schah allah! Die Solaranlage ist ein wenig eigenwillig, unterdimensioniert und nun auch noch mit dem vielen Staub in der Luft, verabschiedet sich die Beleuchtung meist schon nach kurzer Zeit. Wir werden diese Anlage verkaufen und dann entsprechend der Hausgröße eine angepasste beschaffen. Zum Glück haben wir grade am Wochenende den Experten hier vor Ort angetroffen, er hat auch die Krankenhäuser in Bandiagara und Mopti ausgestattet.

Hier läuft es nämlich so: Wenn EDM (Energie du Mali, rwe von Mali) nicht liefern kann, wird die Versorgung wichtiger Einrichtungen über Solarenergie gesichert. Dabei wäre es umgekehrt, also mit einem Einspeisegesetz, viel sinnvoller und würde auch Einkommensmöglichkeiten kreieren. Aber diese Idee kannte der Fachmann auch noch nicht.

Die GTZ hat in Mopti ein Ausbildungszentrum für Solarfachleute aufgebaut, man kann also hoffen. Es gibt auch zunehmend ein Angebot an Panels und Anlagen, kommt alles vor allem aus China. Es heißt, diese Anlagen seien an die große Hitze, die hier ab Februar herrscht, besser angepasst, als die aus Europa. Scheint mir vor allem ein technisches Problem zu sein.

Die Entführungsgeschichte ist noch immer nicht beendet, sicher haben Interessierte auch in Deutschland in den Medien davon gelesen (sehr nahe dran und informativ ist france 24 sowie maliblog).

Es stimmt nicht ganz, was ich neulich geschrieben habe, 2009 hat es bereits innerhalb von Mali die Entführung einer Europäerin gegeben. Immerhin hat das malische Militär jetzt die Kidnapper von Hombouri gefasst. Sie hatten Unmengen von Waffen und haben die beiden Geiseln offenbar an Al Quaida Maghreb weiter gegeben – also wohl „verkauft“. Von dort gibt es inzwischen Bekennerbriefe, die über internationale Nachrichtenagenturen verbreitet wurden. Sie haben eine üble Show abgezogen, mit Bildern etc., es geht vor allem gegen die USA und Frankreich und Mali wird der „Kollaboration mit antiislamistischen Kräften“ geziehen.

Die MalierInnen vor Ort sind außerordentlich wütend über diese Entwicklung, sie leiden unter dem Ausfall der Touristensaison. Die eigentlich sehr besonnenen Menschen hier können es nicht fassen, dass ihr Land erst eine Missernte hat, dann die Nahrungsmittelpreise sich fast verdoppeln und nun auch noch ihr Tourismus ruiniert wird.

Sie sind sehr verärgert, als der Präsident eine Delegation von Libyen Rückkehrern empfängt. Gedacht als „Reintegrationsmaßnahme“ in die malische Zivilgesellschaft, gab es stattdessen helle Empörung in der Bevölkerung. Die jungen Guides hier aus Bandiagara haben einen Marsch in Mopti organisiert, um ihrem Unmut über die Aktionen der Verbrecher Ausdruck zu verleihen und die Regierung aufzufordern, der Region zu helfen.

Wir konnten zum Glück aus Bamako zurück kehren, aber weiterhin ist Vorsicht angesagt. Meine Arbeitsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt, aber da ich am Anfang meines Vertrages bin, ist vieles derzeit vor allem Aktenstudium und kennen lernen der Strukturen im Rathaus selbst. Da das nur 2,5 km vom Wohnhaus entfernt ist und jede/r mich hier kennt, die Gendarmerie abends noch mal vorbei schaut und alle ein Auge auf „ihre“ Tubabs haben, fühle ich mich hier sicherer als in Bamako, wo man im Großstadtgetriebe doch eher unter geht. Spätestens im Januar muss ich allerdings wieder hin, um mein Visum zu verlängern.

Mein Kollege CAMARA erklärt mir jeden Tag Neues, so ein kleines Rathaus ist eine Welt für sich und doch auch wieder dem öffentlichen Dienst bei uns in Deutschland ähnlich.

Es gibt 3 „Ämter“: Standesamt, wo alle Angelegenheiten, die mit offiziellen Papieren zu tun haben, erledigt werden, also Geburts-, Heirats- und Schulabschlussurkunden (letztere haben in den letzten Tagen viel Publikum angezogen, da war die ganze Eingangshalle voller junger Leute, die ihre Dokumente abholen wollen), die Kämmerei, wo 2 Mitarbeiter sich um die bescheidenen Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde kümmern und das „Büro Kommunal“, vergleichbar mit einer Stabsstelle für die politische Administration, Kreistagsbüro oder Oberbürgermeisterbüro. Dann natürlich noch die Hausverwaltung, die sich um den Garten, die Wasserversorgung und Reinigungsarbeiten kümmert.

Es gibt 1 Bürgermeister und 3 Stellvertreter, davon eine Frau. Im Gemeinderat sitzen 17 gewählte Ratsmitglieder, (davon 4 Frauen) die sich auf (mindestens) 7 Parteien verteilen – Koalitionen gibt es nur in Sachfragen, soviel habe ich bisher verstanden.

Ein Hauptanliegen ist es, für bestimmte Themen technische und finanzielle Unterstützung zu suchen und zu finden. So hat in den letzten beiden Jahren ein Pilotprojekt zum Umweltschutz in Kooperation mit GIZ und einer US-Organisation dazu beigetragen, das Stadtbild sauberer zu machen. Nun steht die Schaffung einer langfristigen Deponie an. Alle 3 – 4 Monate findet ein Stadtreingungstag statt, bei dem in Zusammenarbeit  mit den Bezirksvertretungen (8 Chefs de Quartier) der Müll eingesammelt und entsorgt wird. Zur Belohnung gibt es Limo für die, die mitmachen. In zwei Stadtteilen wurden nun auch Mülleimer verteilt, die gegen kleines Geld monatlich geleert werden.

Das ist schon ein großer Fortschritt, das normale „Entsorgungsverhalten“ ist eigentlich, den Müll über die Hausmauer zu werfen. Solange es kein Plastik gab und zum Teil auch in den Dörfern noch heute, war das relativ unproblematisch, die freilaufenden Nutztiere haben alles gefressen. Aber die schwarzen Plastiktüten und allerlei sonstiges Verpackungsmaterial ist dafür ungeeignet. Also fliegt das alles durch den Ort, wenn es, wie in den letzten beiden Tagen, sehr windig ist und ohnehin schon viel Staub und Dreck in der Luft ist. Ich habe mir nun ab Januar auch so einen Eimer bestellt.

Eine neu Idee ist es, die öffentlichen Brunnen in das Thema Umweltschutz mit einzubeziehen, es gibt derer 10 bis 12 und etliche von ihnen sind ebenerdig und offen. Da müssen Deckel drauf, denn es kann ein Kind oder ein Tier hineinfallen. Zu Beginn der Regenzeit werden jedes Jahr viele Menschen krank, weil sich das gute Brunnenwasser mit dem Regenwasser, das dann alles Mögliche enthält (eben auch Müll, Tierkot etc.) vermischt. Die meisten Haushalte erhalten ihr Wasser in Kanistern aus diesen Brunnen. Jeden Morgen und jeden Abend sind Kinder und Jugendliche mit Handwagen unterwegs, um das Wasser aus dem Brunnen zu holen und in die Haushalte zu liefern.

 

 Es ist diesmal schon sehr anders als vor 5 Jahren. Die wirtschaftliche Krise, die auch hier nicht spurlos vorbei geht, ist stark spürbar. Z. B. der Reispreis: 2008 lag der Preis noch bei 7.500 FCFA (ca 12 €), als ich im Januar 2011 hier war, habe ich für einige Leute Reis gekauft. Die 50 kg kosteten da 12.500 FCFA (ca 20 €), im Juli 2011 waren es schon 17.500 FCFA (ca. 20 €) und jetzt liegt der Preis bei 20.000 – 22.000 FCFA (ca 30 €).

Nicht dass in der Zeit die Einkommen (durchschnittlich etwa 30.000 FCFA, ca. 45 €) gestiegen wären, im Gegenteil. Etliche Projekte werden eingestellt oder personell heruntergefahren. Mit der kritischen Sicherheitslage bleiben nicht allein die Touristen weg, was für viele den Totalverlust ihrer Existenzgrundlage bedeutet, sondern auch europäische Projektpartner, die sonst regelmäßig zu Projektbesuchen kamen.

Jugendaustausch, auch ein wichtiges Instrument zum Kennenlernen anderer Lebensweisen, findet nicht mehr statt. Das waren ja nicht nur die Reisekosten, sondern auch die kleinen Cafes, Restaurants, Souvenirshops und Kunsthandwerker leben von diesen Gästen. Von Hotels, Campements und sonstigen Herbergen gar nicht zu sprechen. Die jungen Männer, die sich in den letzten Jahren als Guides (Fremdenführer) haben ausbilden lassen, z.T. viel in Sprachunterricht und „gute Manieren“ investiert haben – auch solche Schulungen gibt es nicht umsonst – hocken nun den ganzen Tag gegenüber vom Hotel la Falaise und trinken Tee, was sollen sie sonst tun?

Was den Reispreis betrifft, habe ich ein wenig im internet recherchiert und festgestellt, dass die weltweite Steigerung des Preises bei 42 % liegt. Das ist üppig, vor allem wenn man bedenkt, dass das ja gerade in den armen Ländern ein Grundnahrungsmittel ist.

Natürlich kann jeder hier verstehen, dass Eltern und LehrerInnen derzeit nicht mehr mit ihren Kindern und Schulklassen nach Mali reisen. Die Sicherheitslage ist insgesamt ein großes Thema geworden, denn auch die „kleinen Verbrechen“ werden häufiger. Hier in Bandiagara kriegt man die Kleinkriminellen (noch) schnell – die Leute haben sich im Blick.

Die Tage hat jemand versucht, auf offener Straße einen Mercedes zu stehlen. Der Besitzer war grad mal schnell was einkaufen, hatte – wie hier bisher üblich – die Tür offen und den Schlüssel stecken lassen. Der Dieb versuchte, ins Auto zu kommen und wegzufahren, wurde aber von Passanten, die ihn beobachteten, daran gehindert und vom Autobesitzer gleich persönlich zur Polizei gefahren … Das ist für hiesige Verhältnisse eine neue „Qualität, auch dass man überhaupt darüber spricht. Üblich ist dann auch oft, dass die Verbrecher von „auswärts“ kommen – nicht selten stimmt das sogar. Aus Burkina, aus Cote d’Ivor oder von noch weiter her.

Es ist förmlich spürbar, wie diese aus über 20 Ethnien bestehende Gesellschaft in Fremdenfeindlichkeit und Misstrauen abgleitet.

Der Zorn richtet sich auch gegen die Regierung, die aus Sicht der Bevölkerung sich zu wenig darum kümmert und zu wenig Mittel bereit stellt, um die Polizei adäquat auszustatten.

 

 

Bandiagara

Was für eine Woche! Am Montag habe ich angefangen zu arbeiten, es musste ja jetzt zügig die Planung für 2012 angegangen werden. Ein sehr freundlicher Empfang im Rathaus, mein Vorgänger kam extra aus Sevare, wo er jetzt arbeitet, um mir alles zu zeigen und die Beschäftigten im Rathaus haben sich zu einem kurzen Treffen versammelt, bei ich durch den Bürgermeister Hussein SAYE, vorgestellt wurde. Auch alle KollegInnen stellten sich vor, es tagte auch grade das Wahlvorbereitungskomitee, so dass ich auch gleich Parteivertreter kennen lernen konnte. Durch meinen Kollegen Hamidou CAMARA - „EFK“ – Einheimische Fachkraft – wurde mir vieles weiter erklärt.

Dann kam der Donnerstag mit der Schreckensnachricht, dass in Hombouri, ca. 350 km von hier, eine Entführung stattgefunden haben soll. Wir können es erst nicht glauben, denn das gab es – gegen EuropäerInnen – in Mali noch nie. In den Nachbarländern durchaus und Mali war dann gern gesehener Vermittler, aber hier, im eigenen Land – alle sind erschüttert und fürchten nicht zuletzt auch um die Touristensaison, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes und vor allem des Dogonlandes.

Als ob das noch nicht reicht, kommt dann am gestrigen Freitag die Nachricht, dass es in Timbuktu eine weitere Entführung gab und dabei sogar ein Mensch erschossen wurde. Jetzt herrscht blankes Entsetzen bei allen, MalierInnen wie Deutschen, denn der zu Tode gekommene ist ein Deutscher, der wohl zufällig zu der Touristengruppe hinzu kam, als die Verbrecher sie bedrohten und verschleppten. Das wohl auch noch in der Mittagszeit im Restaurant, also keineswegs am Rande einer einsamen Piste, wie man vermuten wuerde. Das schuert besonders die Sorge im Land, dass der soziale Zusammenhalt, der es bisher so friedlich und stabil hielt, zerbrechen koennte.

Für die MalierInnen ist klar, die Europaer und Amerikaner werden nicht mehr kommen, die Saison ist gelaufen. Es macht sich Empoerung gegenueber “Dem Norden” (dort liegt Timbuktu) breit und etliche fordern ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskraefte.

Wir EuropäerInnen müssen uns Gedanken um unsere Sicherheit machen. Ein erstes Treffen mit den Verantwortlichen hier am Ort zeigt, dass auch ihnen die Brisanz der Situation bewusst ist. Timbuktu ist zwar weit, aber das heißt nicht, dass sich nicht auch hier Banditen einfinden könnten. Wir folgen dem Rat der deutschen Botschaft in Bamako sowie den Hinweisen der GIZ und vereinbaren Vorsicht, enge Kommunikation und das Vermeiden von Reisen in abgelegene Gebiete. Da wir in Bandiagara bekannt und wohlgelitten sind, können wir uns kaum vorstellen, wegen Verbrechern - welcher Motivation auch immer - diesen Ort verlassen zu müssen.

Bandiagara

Na, das war ja eine Reise – so richtig zum wieder ins afrikanische Leben eintauchen! Eigentlich wollte ich ja mit meinem ganzen Gepäck einen Inlandsflug nehmen, aber die kleinen Maschinen waren bis zum 28.11. ausgebucht, so lange wollte und ich konnte ich nicht warten. Meine Recherchen, was andere Flugmöglichkeiten betrifft, brachten die Möglichkeit eines  Laer-Jets zu Tage, für eine Summe, nach der ich die GIZ wirklich nur im Scherz fragen konnte – aber sie wären nach meinen Wünschen am 17.11. geflogen.

Also blieb der Bus. Den Kauf des Tickets nutze ich, um malischen Bekannten von Freunden aus Deutschland noch Sachen zu übergeben, im Gegenzug helfen sie mir beim Ticketkauf und fahren mich zu Annes Haus zurück.

Also gestern Morgen um 7.00 h sollte es losgehen. Natürlich ist es 8.00 h, bis alles verstaut ist und alle ihre Plätze haben. Aus Sicherheitsgründen wird vor der Abfahrt noch mal kontrolliert, ob die, die da im Bus sind, auch die sind, die angemeldet waren. Dann geht’s los – mit Bittar Transport – welches sich im Laufe des Tages als Bitter oder Bizzar-Transport entpuppen sollte.

Nach 3,5 Stunden sind wir in Segou, der wunderschönen alten Königsstadt am Niger – und werden höflich aber bestimmt gebeten, den Bus zu verlassen, es komme ein neuer Wagen. Also alles Gepäck raus und abwarten. Da kommt er auch schon, der neue Bus. Alle und alles wieder einladen und los geht’s – etwa bis zum Ortsende. Hier hält er wieder und wir werden aufgefordert, den Bus zu verlassen – kommt doch der vorherige Wagen wieder um die Ecke?!?

Alle und alles wieder einladen und los geht’s.

Immerhin, weitere 3 Stunden, ich finde, dass die Geräusche beim Schalten nicht besonders Vertrauens erweckend sind, aber naja, das Gefährt kommt voran. Bei jedem Stopp stürmen HändlerInnen den Bus, es gibt Obst, Gemüse, Backwaren, Wasser, Cola, Tee, Drogerieartikel … eigentlich alles, was man auf Reisen so braucht. Ich versorge mich mit Sesamkeksen und frischem Wasser – Vorsicht, die Flasche muß wirklich verschlossen sein, sonst kriege ich Probleme, es dauert mindestens 6 Monate, bis ich das hiesige Trinkwasser trinken kann.

3 Stunden spaeter; also von San aus, rufe ich frohen Mutes Hamidou an, um ihm zu sagen, dass wir in ca. 3 Stunden in Sevare sein werden, wo er mich dann abholen will.

Tja, am Ortsrand …. Ich brauche es nicht näher beschreiben, aber diesmal dauert es länger. Aufgrund des Nachtfahrverbots kann mir mein Kollege in Sevare kein Auto schicken - bis das in San ist, ist es garantiert dunkel - also endlich geht es weiter und ich rufe Hamidou an, er soll in Bandiagara bleiben, auch fuer ihn ist es gefaehrlich, bei Nacht zu fahren. Dann rufe ich Jutta an, die in Sevare eine Bed & Breakfast Pension hat, und frage, ob sie ein Zimmer und ein Abendessen für mich hat. Zum Glück klappt beides und ich bin heilfroh, als Jutta mich in Empfang nimmt und es Steak mit Fritten gibt.

Heute Morgen bin ich dann mit meinem Kollegen hierher gefahren, wir haben die Gelegenheit gleich zum „dienstlichen Austausch“ genutzt, denn er ist mein Vorgänger auf der Stelle im Rathaus.

Hamidou erwartet mich am Haus, das er hat putzen lassen, alles ist bestens vorbereitet und ich freue mich, dass ich endlich angekommen bin.

 

Düsseldorf

Nun ist es also so weit, die beiden Umzüge sind überstanden, alles ist gepackt und vorbereitet und ich treffe mich mit meiner Schwester am Flughafen in Düsseldorf. Das ist gut, sie kümmert sich ums Gepäck, ich bringe den Leihwagen zurück, schon ist das Ckeck-in erledigt – natürlich nicht, ohne für das Übergepäck zu zahlen. Ich mache mich zügig auf zum Gate, denn ich weiß um die vielen Sicherheitschecks, die mir nun bevorstehen. Aber es geht ganz fix – und bald sitze ich im Flugzeug nach Paris.

Dort angekommen erwartet mich wieder der weite Weg durch den Airport Charles de Gaulle. Sie haben inzwischen viel an der Ausschilderung und an den Transportwegen gearbeitet. Ich kann also einen Shuttle Bus und einen automatischen Zug nutzen, um ans andere Ende des Flughafens zu gelangen. Natürlich haben sie wieder mal das Gate gewechselt, was daran auffällt, dass nur wenige Menschen dort sitzen, wo es ursprünglich losgehen sollte. Also noch mal quer durch die Halle – jetzt ist es aber wirklich so weit. Viel Handgepäck und Gedrängel, aber diesmal heben wir pünktlich ab.

Ich durchsuche das Unterhaltungsprogramm und entscheide  mich für den Film AVATAR, den wollte ich eh immer mal sehen, das verkürzt die 6 Stunden Flug doch gewaltig und bringt mich auch wieder in die französische Sprache.

Tja und dann sind wir Bamako, die warme, staubige, nach Flugbenzin und Müllverbrennung riechende Wüstenluft empfängt mich – auf eine gewisse Art das Gefühl, nach Hause zu kommen …. Meine Freundin Anne hat in Absprache mit der GIZ einen Fahrer zum Flughafen geschickt, der mich und eine weitere Kollegin, die aus dem Heimaturlaub zurück kommt, abholt und zu ihr bringt, denn wir werden bei ihr wohnen.

04.05.2008 Haan

So, das wäre geschafft, der Umzug ist überstanden, aber ich bin schon ganz schön erschüttert, wie viele Sachen ich doch so hatte/habe – da kommen die mit einem großen LKW und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass der mit meinen Sachen voll werden könnte – aber irgendwie sieht es dann doch so aus, obwohl natürlich nicht bis unters Dach. An zwei Stationen holten wir das Umzugsgut ab und – weil ich ja geglaubt hatte, ich würde einfach das meiste wieder in die alte Wohnung räumen, mussten noch 10 Kartons im Keller gepackt werden …. Aber die Jungs von der Firma waren geduldig und freuten sich mit mir über die Begrüßung durch Regina und Gerd, die uns mit von Jonas gebackenen Schokotorte, Kaffee und Kuchen verwöhnen, ein Einstieg, der gleich die Motivation bei allen steigen ließ.
Leider wollte der alte Sektretärschrank keinesfalls in den ersten Stock getragen werden – also bleibt er erst mal im Lädchen, das zur Wohnung gehört. Die meisten Kisten stehen auf der Terrasse und auch mit den Regalen war ich mir noch so gar nicht sicher, wo die nun eigentlich hin sollen … hab das Haus ja vor 4 Tagen erstmals live gesehen.
Zum Glück ist mein Bett schon aufgebaut, so dass ich mich erst mal ausruhen kann.

Bochum

Tja, da habe ich also erst mal 18 Stunden am Stück geschlafen, der Flug war ja insgesamt ok, war auch nett bis Paris mit Ben, aber dann kommt ja immer der Augenblick, wo jeder sehen muss, wo er/sie bleibt.
Martin holte mich in Düsseldorf ab, blitzschnell war ich durch alle Kontrollen, das Gepäck sofort zur Stelle – ja doch, Glas, Stahl, Beton, genau so hatte ich das doch alles in Erinnerung – und aber vor allem Wiedersehensfreude mit dem alten Freund.
In Bochum erst mal ein wenig auspacken, witzigerweise ist Uli, der zum Zeitpunkt meiner Ausreise grade nach Neuseeland auswanderte, gerade zu Besuch und wohnt auch bei Martin und Andrea – allerdings ist er nur auf Urlaub und kehrt nach ein paar Wochen wieder zurück – er war ja damals „richtig“ ausgewandert.
Morgens kommt Margret zum Frühstück und dann geht es auf nach Haan, das neue Haus besichtigen … ich bin schon ein wenig aufgeregt, schließlich habe ich es noch nicht in Natur gesehen. Aber Gerd und Regina sind da – mit Sekt und Selters und nach einer ersten Besichtigung bin ich rundum begeistert: Es ist wunderschön, liebevoll saniert und Rik hat mit seinen aktuellen Streicharbeiten auch ganze Arbeit geleistet. Es werden Schlüssel übergeben, Verabredungen getroffen – nächsten Freitag kann ich einziehen.
Dann geht’s weiter zu meiner Schwester, wo meine Eltern und mein Neffe schon warten – große Wiedersehensfreude! Die Eltern sind wirklich froh, dass ich wieder zurück bin, war ja auch ein Grund zu gehen, mit ihnen auch Zeit verbringen zu können.
Natürlich friere ich ständig, es ist um die 20 Grad, alle sind glücklich ob des schönen warmen Wetters – nur bei mir will sich diese Freude nicht so ganz einstellen, habe ich Bamako doch bei 38 Grad verlassen – kurz vor Mitternacht.
Ich rufe in Mali an, um wissen zu lassen, dass ich gut angekommen bin und bitte alle lieb von mir gegrüßt werden sollen – ist schon irgendwie komisch ….

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