September 2005


Heute ist der malische Nationalfeiertag, der Tag der Unabhängigkeit im Jahr 1960. Wir verbringen ihn morgens im Gästehaus mit fernsehen, Ms. YaYa hatte uns ans Herz gelegt, auf jeden Fall die Parade anzuschauen. Wir hatten am Vortag zufällig die Vorbereitungen für die Ankunft des senegalischen Präsidenten im Hotel L’Amitee (es gibt dort einen schönen Pool, der Eintritt kostet 5.000 CFA, ca. 10 €, ein Handtuch auf dem Markt 3.500 CFA, schon irgendwie dekadent) mitbekommen, nun konnten wir ihn auf der Ehrentribüne im TV sehen. Dann sind wir nach in die Manding Berge nach Sibi gefahren, das liegt ca. 40 km westlich von Bamako. Auf dem Weg dorthin gab es kein Dorf, wo nicht gefeiert wurde, einmal wurden wir vom Bürgermeister begrüßt, die Kinder waren begeistert von Meinhards Digitalkamera… Im nächsten Dorf gab es Tänze und Theaterstücke über den Weg in die Befreiung und schließlich kletterten wir auf einen hohen Felsen, um die Mittagsruhe auf dem Land und den Blick über den Busch zu geniessen.

16.09.2005 - 30.09.2005
Es beginnt die VIP-Zeit (nicht zu verwechseln mit “Very Important Person”, sondern “Vorbereitung im Partnerland”). Dabei handelt es sich um eine Einführung in die Sektoren, in denen der Deutsche Entwicklungsdienst (ded) in Mali tätig ist (Unterstützung der Zivilgesellschaft, Demokratieförderung und ländliche Entwicklung) und vor allem aus Französischunterricht, den ich bekanntermaßen dringend brauche.
Diese Zeit wird auch genutzt, um uns mit den Landessitten vertraut zu machen: das Grüßen der Menschen auf der Straße ist unerlässlich und macht auch viel Spaß: Ca va - wie geht’s, gut geht’s, und die Familie? Und die Gesundheit? Läuft alles gut? - Ca va bien, merci!
Es geht um die Struktur des Landes, die Korruptionsbekämpfung, die Dezentralisierung, die der malischen Regierung sehr wichtig sind; das Bildungswesen, das sich deutlich von unserem, aber auch dem französischen, unterscheidet und unter einem Mangel an Lehrkräften für alle Fächer leidet, davon abgesehen, dass die meisten Kommunen kein Geld haben, um wenigstens eine Grundschule (dafür sind sie zuständig) zu bauen und einzurichten, geschweige denn, dauerhaft eine Lehrkraft einzustellen. Dennoch ist es gelungen, den Anteil der AnalphabetInnen auf ca. 65 % zu reduzieren und es kommt auch immer öfter vor, dass Mädchen und junge Frauen eine Schulbildung und gar die Möglichkeit eines Studiums erhalten. Dies ist allerdings nur in Bamako möglich, wo besonders die medizinische Fakultät Westafrika-weit sehr hoch angesehen ist.
Ein Vormittag ist den verschiedenen Religionen, Ethnien (14 bei ca. 12 Mio. EinwohnerInnen) und Sprachen gewidmet.
An einem anderen Tag lernen wir die Heiratssitten, eines der beliebtesten Themen in Mali, kennen, derer gibt es 3: Traditionell (polygam), zivil (Standesamt) und religiös (muslimisch - ca. 80 % der Bevölkerung oder christlich ca. 15 %), lässt sich auch alles kombinieren und wieder auflösen.
Dann auch die Gepflogenheiten bei Gesprächen, wo Höflichkeit eine große Rolle spielt, diese sich aber anders äußert als bei uns: so ist es nicht üblich, sich beim Gespräch direkt in die Augen zu schauen, eher blickt man zur Seite, insbesondere, wenn Männer und Frauen miteinander sprechen. Das ist für Weiße gewöhnungsbedürftig, aber umgekehrt ist auch unser üblicherweise als höflich geltender direkter Blick für die malischen PartnerInnen eine Herausforderung. Auch “direktes Intervenieren”, bei uns bekannt als “effektives auf den Punkt kommen” gilt als eher unhöflich. Eine Kostprobe davon konnte ich bei den ersten Sitzungen mit Projektpartnern erleben. Da geht es erst mal um alles Mögliche, bevor das eigentliche Thema auf den Tisch kommt - eine gute Übung in Geduld. Dann aber auch wieder: Kein Problem, wenn das mit dem Französisch noch mühsam ist, das Angebot, es einfach zu versuchen und der gemeinsame Lacher der Erleichterung, wenn dann endlich klar ist, was ich eigentlich sagen will….
Bamako hat ca. 1,2 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner, gleichwohl geht es eher gemächlich zu. Zwei Brücken überqueren den Niger, der hier ca. 3 km breit ist, die neue Brücke gibt es erst seit 10 Jahren. Im Westen der Stadt liegt auf den dortigen felsigen Hügeln das Regierungsviertel und die Universitätsklinik - dahinter ist die Stadt dann schnell zu Ende und es beginnt eine Art Steppe. Das konnte ich erkunden, als ich meine Freundin Reinhild im nahe gelegenen Kati besuchte, sie ist für ein Sabbatjahr hier und möchte Deutsch und Französisch an einem Gymnasium in Bamako unterrichten.

Bochum
Endlich ist es so weit, es geht los - die Wohnung ist aufgelöst und übergeben, das Auto verkauft und weggefahren, meine Familie, Freunde und Freundinnen verabschiedet, alles was jetzt nicht fertig ist, wirds hier für die nächste Zeit auch nicht werden. Dafür wirds anderes geben und darauf freu ich mich - auch wenn so ein gewisses Grimmen in der Magengegend nicht geleugnet werden kann - aber das ist wohl eher normal. Ohne die Hilfe von vielen Leuten hier hätte ich es nicht geschafft, Euch allen vielen Dank für den schönen und entspannten Abschied.
Ich fliege gegen Mittag von Düsseldorf nach Paris und bin so gegen 20.00 Uhr in Bamako. Die Ortszeit ist 2 Stunden hinter der hiesigen zurück, ich gewinne also 2 Stunden unterwegs….

Nach 6 Stunden Flug abends in Bamako zu landen, bedeutet: auf der Flugzeugtreppe stehen, einatmen und denken: Ja, so riecht Afrika - angekommen! Eine Mischung aus Sonnenglut, Staub und Kerosin.
Es sind ca. 30 Grad, Vollmond und in der Halle des Flughafens herrscht reges Treiben - alles strebt zum Ausgang, wo das gesamte Gepäck erst mal durch ein Röntgengerät geschoben und hinterher wieder eingesammelt wird. Herr Daraspe, Landesdirektor des ded holt meinen Kollegen Meinhardt und mich schon dort ab, draussen wartet auch Christof … es ist natürlich ein Wiedersehen!
Im Gästehaus begrüßt uns Birgit, eine Kollegin aus Bandiagara und macht uns mit den Gepflogenheiten des Hauses vertraut.