Bandiagara
Meine Hauptaufgabe hier in Bandiagara wird die Gestaltung und Umsetzung des PAOA (Programme d’Appui aux ONG et Associations) sein. Dazu arbeite ich mit 2 ONG (Nichtregierungsorganisationen) zusammen: GAAS Mali (Groupe d’Animation Action au Sahel) und PASIB (Partenaire d’appui au service des initiatives de la base au Mali). Beide setzen bestimmte Programmteile um, so habe ich im Laufe der Woche die malischen KollegInnen von GAAS Mali kennengelernt. Sie arbeiten u.a. zu den Bereichen Jugend (Motivation von Eltern und Kindern zum Schulbesuch), Gesundheit (Hygienelehre, AIDS, Familienplanung), Bildung (Alphabetisierung besonders von Frauen, Fortbildungen zur Verbesserung der Einkommenssituation, z.B. Buchführungskurse) und Ernährungssicherung (z.B. Getreideboutique, neue Anbaumethoden, bessere Bewässerung). PASIB ist ein Dienstleister, der vor allem im Bereich Aus- und Weiterbildung und Schulung von MultiplikatorInnen tätig ist. Das Büro von PASIB liegt in Sévaré, ca. 50 km entfernt - diese Entfernung zum Arbeitsort ist mir ja vertraut, allerdings ist die Strecke sehr anders …. Die Verfahren der Projektentwicklung, Planung und Überwachung sind den unseren ähnlich, die Themen jedoch “fundamental” anders.
Die Armut ist sehr groß, aber die Menschen sind freundlich, nett und höflich - Bettelei ist verpönt und mit dem ded Auto unterwegs finden sich immer hilfsbereite Personen um den Weg zu zeigen. Die Orientierung fällt mir hier ungleich schwerer als in Bamako, denn es gibt keine großen Werbetafeln oder Hochhäuser oder große Magazine. Einzig und gut geeignet zur Orientierung in Bandiagara ist der Zustand der carrés, also der Pisten zwischen den Häusern. Sie sind sehr breit, werden gerne von Eseln, Hühnern, Enten und (in dem christlichen Ortsteil, in dem ich wohnen werde) von Schweinen bevölkert. Das kann auch beim Mondscheinspaziergang aufregend sein, wo es plötzlich unter/neben mir grunzt und ich erst mal die Taschenlampe suche, um festzustellen, dass in einem Loch in der Piste zwei Ferkel liegen …. Auch werde ich in der ersten Nacht durch lautes Schnarchen von draußen zuweilen geweckt, erweist sich am nächsten morgen als Schwein der Nachbarn ….
Das sind auch schon die einzigen Geräusche, morgens die Hähne - vor Sonnenaufgang natürlich auch der Muhedzin, Klar, dann schillernde Vögel und viele viele kleine Eidechsen, die genaugenommen, “schnaksen” und eben alle die anderen Geräusche, die dort besonders bewusst werden, wo ein Auto oder Moped nur äußerst selten zu hören ist. Dann gibt es in der näheren Umgebung noch 2 Hirsebierbars, da ist nicht jeden Abend was los, aber wenn, dann mit Musik und viel Gelächter und das hat dann auch wieder was….
Derzeit ist die Versorgungslage sehr gut, die Regenzeit ist grade vorüber, Gemüse wächst und gedeiht, dafür gibt es im Hochwasser nicht so viele große Fische, wie wir gestern auf dem Markt in Mopti erfahren haben.
Überhaupt Mopti, auch eine alte Hafenstadt am Rande des Pays de Dogon, ca. 60 km von Bandiagara - mitten im Nigerdelta, dem größten Binnendelta der Welt. Dort also wieder riesige Wasserflächen, Piroggen, Pinassen, vereinzelt größere Schiffe - eine wunderschöne Promenade und ein lebhafter Markt, für den nach der Arbeit leider viel zu wenig Zeit bleibt. Das wird also mal ein Wochenendausflug, wenn es mich nach Wasser gelüstet.
Weniger gut ist die Ernte in diesem Jahr ausgefallen. Die Hirse steht traurig gelb verfärbt auf den Feldern, dann hat es doch noch mal geregnet, aber dabei die Erdnussernte, die schon zum Trocknen auf den Dächern lag, versaut; für die Hirse war es definitiv zu spät - die heiße Zeit (April - Juli) könnte hier für viele Menschen sehr schwierig werden.