Zum Kennenlernen des Projektlebens kann ich mich an den Suivis von Projekten hier im Raum Bamako beteiligen. Heute geht es in zwei verschiedene Stadtteile von Bamako - zuerst zum Projet d’appui à la promotion d’activités génératrice de revenus (atelier de teinture) au profit des femmes de Niamakoro - Sinebougou - Bamako, eine Initiative, die sich die Gründung eines Zentrums für Stofffärberei zum Ziel gesetzt hat, um die Einkommenssituation von Frauen zu verbessern. Ca. 30 Frauen haben sich im Innenhof eines großen Hauses versammelt, kleine Kinder wuseln zwischen ihnen herum und Ms Douda, der malische Homologe sowie meine Kollegin Katharina und ich werden von der Präsidentin der Organisation, Mme Doucouré Lall Samaké, begrüßt. Dann wird diskutiert, wie das Projekt läuft, ob die Organisation gut gestaltet ist und ob die Einnahmen den Hoffnungen entsprechen. Es geht u.a. darum, dass die Frauen gemeinsam bessere Preise für den Einkauf von Rohstoffen erzielen können und dementsprechend der Gewinn beim Verkauf der gefärbten Stoffe als höher erhofft wird.
Außerdem gibt es noch ein Tontien-System, das sind Kleinstkredite, die ohne Einschalten von Banken untereinander vergeben werden. Jede Frau, die der Association beitreten möchte, bringt einen Betrag von mindestens 2.000 FCFA (ca. 3 €) mit ein und hat damit Anspruch auf einen Kleinstkredit von maximal 10.000 FCFA, sofern das Geld grade in der Kasse ist. Es muss in einem bestimmten zeitlichen Rahmen zurückgezahlt werden, da sonst das Ganze gar nicht funktionieren kann. … Es gibt natürlich auch interne wie externe Schwierigkeiten, so u.a. die Konkurrenz einer ähnlich arbeitenden Gruppe, die aber bisher nur wenig Erfahrung mit dem Färben von Stoffen hat … aber auch mit der Perspektive, ein Ausbildungs- und Produktionszentrum einzurichten, ist es nicht so einfach: dazu bedarf es weiterer Unterstützung und die ist derzeit zumindest nicht sicher. ….
Nachmittags dann ein Gespräch mit einer kleineren Frauengruppe “Renforcement des capacités des femmes pour la production d’encens”, die Duftstoffe für die Verbesserung der Luft in den Häusern herstellt. Das Trefffen findet in Baco-Djicoroni, einem Stadtteil von Bamako, statt.
Die beiden verantwortlichen Kontaktpersonen, Mme Binto Diarra und Mme Hawa Ouattara begrüßen uns und berichten über den Stand der Dinge. Es sind 7 Frauen gekommen, der Altersdurchschnitt ist höher als bei der morgendliche Gruppe, die Wurzeln ihrer Initiative liegen im Aufstand Anfang der 90er Jahre, als Mali sich - nicht zuletzt durch aktives Engagement von Frauen - vom Militärregime befreite (Beim Marsch auf das Regierungsviertel 1991 gingen Frauen und Kinder voran, in der Hoffnung, dass die Soldaten nicht auf sie schießen würden - trügerisch, wie solche Hoffnungen sind, dennoch hätte es sicher bei anderem Vorgehen noch mehr Blutvergießen gegeben - heute erinnert ein Mahnmal gegenüber der alten Brücke an diesen 22. März 1991, sozusagen die 2. Befreiung).
Für diese Gruppe ist die Unterstützung wichtig, um die Produktion weiter zu entwickeln und die Vertriebswege zu verbessern. Mit einem Glas voll Weihrauch/Duftmischung als Geschenk und vielen Stichpunkten für den Bericht machen wir uns auf den Heimweg.