Januar 2006


Bandiagara
Wieder eine Tour von Bamako nach Bandiagara - und 4 Tage Evaluation in Sévaré liegen hinter mir, das war dann wie ichs kenne: Morgens 50 km, abends 50 km, nur dass es keine Autobahn gibt, sondern eine GTZ-Piste, die wirklich eine hervorragende Qualität hat, sogar die Kühe auf den Schildern erinnern daran.
Evaluation bedeutet, dass die Nichtregierungsorganisationen, die Unterstützung durch die Entwicklungshilfe erhalten haben, über die Erfolge, aber auch über ihre Schwierigkeiten und Probleme berichten.
Das ist gar nicht immer so einfach, weil halt in den Projekten selbst viele Leute weder lesen noch schreiben können und auch viel in Dogon gemacht wird, Französisch ist letztlich hier eben auch eine Fremdsprache. Die Evaluation erfolgt daher mit VertreterInnen der einheimischen Organisationen (ONG), die die Projekte an der Basis begleiten und dabei helfen, die Verbindung zwischen den Bedürfnissen dort (also z.B. Verbesserung des Einkommens für kleine Frauenkooperativen oder neue Anbau- und Lagermethoden für landwirtschaftliche Produkte etc.) in Einklang mit den Nord-Programmen zu bringen und die dabei helfen, dass die Projekte wirklich Nachhaltigkeit entwickeln.
Das bedeutet hier, dass z.B. kleine “Sparkassen” von den Projektmitgliedern gebildet werden, in die Rücklagen eingezahlt werden, die dann, nach Wegfall der Fördermittel, für die Fortsetzung des Projektes und dessen Weiterentwicklung verwendet werden können. Der Erfolg von solchen Vorhaben hängt nun aber auch oft von Faktoren ab, auf die niemand Einfluss hat: Wenn Trockengemüse produziert und verkauft werden soll, die Ernte aber derart schlecht ist, dass die Basisgemüse dafür nicht vorhanden sind, dann nützt das ganze Geld nichts …
Es bewährt sich, dass die Projekte meist mit Alphabethisierungskursen verbunden sind, die können dann stattfinden, wenn nicht grade die potentiellen TeilnehmerInnen unterwegs sind, um Nahrungsmittel zu beschaffen …. Die Kurse werden deshalb eher längerfristig angelegt, also so mal block weise 3 Tage alle 2 Wochen oder eben auch jeden Abend 2 Stunden - bei Kursen für Frauen wird meist eine Kinderbetreuung dazu organisiert, das heißt dann, dass ein junges Mädchen aus dem Dorf in der Zeit des Kurses auf die Kinder aufpasst. Mali hat in der Alphabetisierung in den letzten Jahren viel geschafft, aber die Rate der Analphabeten liegt noch immer um die 60 %.

Bamako
Bamako - wenn eine, so wie ich jetzt, vom Land kommt, ein Moloch, eine Hektik, ein Smog und eine Geschwindigkeit, die schwindelig macht.
Jetzt kommt noch das Weltsozialforum - Teil Afrika dazu. Das letzte Sozialforum in Porto Allegro hatte eine solche Größenordnung erreicht, dass in diesem Jahr an drei Orten - ziemlich zeitgleich - getagt werden soll: in Bamako für Afrika, in Carracas für Lateinamerika und in Carrachi für Asien (www.weltsozialforum.de) .
Nach Bamako sind ca. 20.000 Menschen vom ganzen afrikanischen Kontinent und aus aller Welt gekommen, ca. 300 Gruppen, Organisationen und Initiativen haben ca. 600 Veranstaltungen vorbereitet. Die Themen reichen von Ernährung über Umweltfragen, soziale Absicherung, die es ja in Afrika eigentlich gar nicht gibt, zu Frauenfragen und vor allem Fragen der Landwirtschaft und des Handels. Die Konferenz von Hong Kong, wo Afrika durch England und Deutschland mal wieder abgehängt wurde, ist ein wichtiges Thema und auch Kriegstreiberei und die Konflikte um Land und Ressourcen in Afrika und weltweit spielen eine Rolle. Es ist kaum möglich, sich um alles zu kümmern, ich stelle mir ein halbwegs überschaubares Programm zusammen, von dem ich weiß, dass ich auch nur die Hälfte schaffen werde. Es gibt allein 7 Veranstaltungsorte und die Entfernungen sind eben auch beachtlich.
Angesprochen hat mich die Veranstaltung zum Zugang zu Boden zu Wasser, wo sich vor allem die Bauern und ihre Vereinigungen aus vielen afrikanischen Ländern ausgetauscht haben. Hier wurde deutlich, dass es nach wie vor alte “Landlords” gibt, dass sie aber nach und nach durch die moderne Agroindustrie für den Export abgelöst werden, was wiederum für viele Kleinbauern existenzielle Bedrohungen bringt. Das “Landlord-Prinzip” ist noch mit dem gesellschaftlichen Anspruch von “Schutz” und einer gewissen Art von “Fürsorge” verbunden, z.B. darf ein Teil der Erträge behalten werden, weil ja klar ist, dass Bauern, die hungern, nicht richtig arbeiten können - eine Frage, an der die Agroindustrie überhaupt nicht mehr interessiert ist, denn sie hat mit dem Land, in dem sie agiert, nichts zu tun und die Menschen sind dann eben auch egal …Ich lerne hier den Unterschied von “Ernährungssicherung” (es wird angebaut was für den Export angesagt ist und wer Glück hat, erzielt damit ein kleines Einkommen - die Zwischenhändler und weltweiten Konzerne natürlich satte Gewinne) und Ernährungssouveränität (Es wird angebaut, was im Land vermarktet und verbraucht werden kann und in prekären Situationen, z.B. am Ende der Trockenzeit, noch immer zur Ernährung der Bevölkerung vorhanden ist und von Hilfslieferungen unabhängiger macht) kennen.
Dass auch das Landlordmodell letztlich ausgedient hat, bedarf keiner Diskussion mehr, es geht darum, denjenigen, die das Land bestellen, auch ihre Rechte an den Erträgen zuzugestehen - damit ist der Bogen zur Globalisierung immer wieder gespannt. Es werden Modelle von Landreformen in diesem Sinne aus verschiedenen afrikanischen Ländern vorgestellt, dabei zeigt sich auch, dass Bildung - und zwar Grundbildung, Lesen und Schreiben, nach wie vor vielerorts noch nicht genug verankert ist. Denn ohne diese Grundfähigkeiten werden die Bauern, selbst wenn sie ihr eigenes Land bebauen, anschließend von den (Zwischen-)Händlern mit Dumpingpreisen und falschen Versprechungen ausgenommen.
Besonders anschaulich ist der Effekt der Agroindustrialisierung in Afrika in dem Film “Darwins Alptraum”, der abends dann im Freiluftkino in Hippodrome gezeigt wurde, es gibt ihn auch in Deutschland gelegentlich in Programmkinos zu sehen.
Dann war der Palast der Kultur für die Frauenveranstaltungen reserviert - ein Tribunal von über 8 Stunden Dauer zeigt die nach wie vor weltweit alltägliche Missachtung ihrer Rechte. Hier hat mir besonders eine Rednerin aus Äthiopien imponiert, die dazu aufrief, nicht einfach alle alten Bräuche über Bord zu werfen, sondern sich Gedanken über eine Integration von für Frauen hilfreichen Traditionen zu machen, z.B. hat in manchen Gegenden in Äthiopien eine Frau das Recht, sich unter den ihrem Haus nächsten stehenden Baum zu setzen, wenn der Mann ihr Gewalt antut. Jede/r im Dorf weiß dann, dass in dieser Familie Gewalt herrscht und in aller Regel finden sich dann FreundInnen und Verwandte, die intervenieren, um die Situation zu verändern -
Dennoch, mit Landflucht und Verstädterung sind auch hier neue Wege gefragt und die Frauen berichten weiter von den verschiedenen und vielfältigen Problemen, die sich für unser Verständnis so ganz anders anhören, als die Diskussionen, die wir in Westeuropa.
Völlig überlaufen war die Veranstaltung zu gentechnisch verändertem Saatgut - eine Diskussion, die vom Norden gerne mit der Ernährungssicherung verknüpft wird, tatsächlich aber der Profitmaximierung dient, denn dieses Saatgut ist in aller Regel steril, kann also nicht aus der diesjährigen Ernte für das nächste Jahr verwendet werden, sondern muss immer wieder nachgekauft werden - was Abhängigkeiten schafft und die Böden ausmergelt.
Weniger gefragt waren theoretische Veranstaltungen - die “1001 Möglichkeit der Demokratisierung” hatte grade mal die beiden Veranstalter (ein Belgier und ein Franzose) und 2 BesucherInnen - auch sind manche Veranstaltungen ausgefallen, weil dann doch der Flug zu teuer war oder sonstige Gründe die InitiatorInnen verhindert haben.
Schließlich gab es noch eine Demonstration, die Teilnehmenden wollten zur Französischen Botschaft ziehen, aber ein starkes malisches Polizeiaufgebot - in krachneuen Uniformen noch vom Frankreich-Afrika-Gipfel und mit wirklich martialischer Ausrüstung (einschließlich Panzerfahrzeug), hatte den Zugang schon weiträumig abgeriegelt. Nach einiger Diskussion mit der Polizeiführung zog die Demonstration dann durch die Stadt, wie ich später erfahren habe, hat die französische Botschaft noch eine Delegation der DemonstrantInnen empfangen, um den Forderungskatalog vor allem nach einer Öffnung der “Festung Europa” entgegenzunehmen.
Aus Deutschland waren lediglich die Friedrich Ebert Stiftung und die Rosa Luxemburg Stiftung mit jeweils 2 Veranstaltungen vertreten. Der ded hatte mit seinen Partnerorganisationen einen Infostand gestaltet, den ich dann Sonntags morgens betreut habe - eine “unserer” ONG arbeitet sehr aktiv und (erschreckend) anschaulich zum Thema Frauenbeschneidung (Genitalverstümmelung), da gab es viele Nachfragen nach dem Material und den Wunsch, das mal in größerem Umfang zu drucken, auch eine Aufklärungsbroschüre aus der ONG zum Thema Sida/AIDS , wurde rege nachgefragt.
Am Ende sind wir alle geschafft, eine dicke Tasche mit Infos für Bandiagara wandert in mein Auto und ich freu mich auf das ruhige Häuschen auf dem Lande.

17.01.2006, Bandiagara
Morgen geht’s mal wieder nach Bamako, zum Reisefieber gesellt sich eine lange to-do-Liste, abends kommt M. Coulibaly, der Direktor von GAAS Mali, und bringt noch Papiere für die Antenne (Zweigstelle) in Bamako, KollegInnen schauen vorbei und haben noch Geschenke und Einkaufswünsche - und als das alles vorbei ist und ich mir grade mit meiner Nachbarin ein Bier auf der Terrasse gönne, bevor ich meine Sachen packe, rauscht ein riesiger 4 x 4 Pick-Up in meinen Hof, hält vor der Terrasse, ein stattlicher Herr im großen Boubou steigt heraus, schaut sich um und sagt, dass er in diesem Campement ein Zimmer habe. Der Fahrer, in ein indigoblaues Tuch gehüllt, fragt, ob das das ded Büro sei - wir schauen uns an und können kaum sprechen vor Lachen - es ist unter uns ded-Kolleginnen stehende Redewendung, dass “mein” Haus das “Campement” ist, wegen des riesigen Hofes, auf dem eine große polygame Familie glücklich werden könnte und Guindo ja auch inzwischen schon 3 Hühnerhäuser gebaut hat, aber eröffnet ist es nun doch noch lange nicht!
Nach einigen Hin und Her stellt sich heraus, dass der Herr im Hotel Falaise unterkommen wollte, dieses aber ausgebucht ist und der Besitzer, Papanappo, ihn daraufhin in sein Privathaus eingeladen hat, welches sich der Beschreibung nach dort befinden müsste, wo halt eben “mein” Haus steht - wir schauen uns an: Pappanappo wohnt hier in der Gegend, das ist neu! Wir raten den beiden bitte vorsichtig vom Grundstück (meine kleinen Bäume da!) und zurück zum Hotel Falaise zu fahren, inzwischen sind auch noch einige NachbarInnen hinzugekommen, die wissen dann auch, dass Pappanappo so ziemlich gegenüber, aber eben ein Carree weiter wohnt! Wir haben noch lange und viel gelacht und festgestellt, dass, wenn ich die potentiellen Gäste immer gleich wieder wegschicke, das nie was wird mit dem Campement …..

Heute geht’s nach Djénné, eine ONG besuchen, die vielleicht in das Unterstützungsprogramm aufgenommen wird. Das sind mal wieder 100 km Fahrt, hinter der Kreuzung, wo es nach Djénné abgeht, wird die Piste schlechter und schlechter und endet schließlich an einem Seitenarm des Niger, der diese kleine, vollständig in Lehmbauweise erstellte Stadt umschließt. Durch eine Fahrrinne quält sich die altertümliche Fähre, die heute viel zu tun hat - es ist Markttag in Djénné, da sind nicht nur die HändlerInnen, sondern auch viele TouristInnen unterwegs. Schließlich gibt es hier die größte Moschee der Welt, die ganz aus Lehm gebaut ist. Ich frage meinen malischen Kollegen, wie das denn in der Regenzeit ist - naja, dann löst sich halt die oberste Lehmschicht ab, manchmal auch das ganze Haus auf und wenns dann aufhört zu regnen, wird neu gebaut bzw. “verputzt”.
Die Moschee ist vor einigen Jahren in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen worden, weshalb der Tourismus inzwischen eine wichtige Einnahmequelle geworden ist.
Bei der ONG wird diskutiert, in welchen Sektoren sie aktiv sind, welchen Bedarf an Unterstützung sie haben, wie sie sich organisiert haben und und und, nach 3 Stunden werden wir zum Mittagessen eingeladen, bis das geliefert wird, machen wir einen Spaziergang über den üppigen, urigen Markt, der aber auch im Staub versinkt, so dass das Tonic im Campement eine Wohltat ist.
Naja, und dann geht’s auch schon wieder zurück, denn 2 bis 3 Stunden Fahrt sind schon angesagt und wir wollen auf jeden Fall vor Einbruch der Dunkelheit zurück sein

Bandiagara hat zwar zwei Markttage in der Woche, aber es gibt dort viele Dinge einfach nicht. Djeiba, meine Haushaltshilfe, die mich zweimal in der Woche beim Kampf gegen den Wüstenstaub unterstützt, moniert schon seit Wochen, dass sie einen richtigen Wischer und Putzmittel braucht. Die Butter- und Käsevorräte gehen zur Neige und so fahre ich mit meiner Kollegin zur “Versorgungsfahrt” ins 50 km entfernte Sévaré.
Wir kaufen Farbe für ihr Haus, Zaun für meine Hühnerställe und diverse Haushaltsartikel ein. Erstmal ist aber ein Besuch bei Jutta angesagt. Sie hat seit 7 Jahren ein Restaurant und seit 5 Jahren ein wunderschönes Gästehaus dort - eine Junggebliebene 60igerin, die Land und Leute supergut kennt und uns noch Tipps geben kann, was es wo günstig gibt. Ihre website ist übrigens lesens- und sehenswert www.mankate.de besonders die Sammlung der Kamelbilder hat es mir angetan.
Tja und dann auf zum “Miniprix”, dem Supermarkt von Sévaré, den ich mir natürlich wie den in Bamako vorstelle (europäisiert und klimatisiert, mit Kühltheke etc) aber Bamako ist weit und so suchen wir in der Boutique, die das hier ist, unsere Sachen zusammen, draußen steht der große Kühlschrank mit Butter und Käse und sogar Joghurt - was wollen wir mehr. Und dann entdecken wir auch noch aus chinesischer Produktion Fleischspieße mit Holzgriffen, die müssen mit, damit wir uns beim Brouchette grillen nicht wieder wie bei der Silvesterfeier die Finger verbrennen. Vorm Eingang finde ich dann noch eine Auswahl an Wisch- und Haushaltsgeräten und die Flasche Ajax, die hinter dem Taschenrechner, der die Kasse darstellt, hervorlugt, macht den Einkauf dann komplett.
Zurück über die Piste, 40 Minuten für 50 km, das ist für hiesige Verhältnisse Rekordzeit!

Die ganze Woche war mit dem Studium von Papieren ausgefüllt. Die Richtlinien für die Projekte und auch für die Unterstützung von Organisationen haben sich geändert, also muss ich mich damit vertraut machen, wie soll ich sonst den AntragstellerInnen etwas raten?
Es steht dann noch die Erfolgsanalyse der bisher gelaufenen Projekte aus - wenn wir bei uns zu Hause unsere Aktivitäten so gründlich evaluieren würden, dann sähe sicher einiges ganz anders aus!

10.01.2006
Tja und da ist er da, er Tag der Féte! Ruhig wie ein Sonntag, aber mit dem Duft von gegrilltem Hammel in der Luft, alle sind festlich gekleidet und besuchen ihre Verwandten, NachbarInnen und FreundInnen.
Mit einem Kollegen und dessen Besucherin entschließe ich mich zu einem Ausflug nach Songho, ca. 15 km Richtung Sévaré gelegen und nicht zuletzt Fundort von alten Telem-Malereien, die nach wie vor alle 3 Jahre von den Alten des Dorfes erneuert werden.
Das Dorf ist propper, sauber und ein freundlicher Guide - Daoudou - bringt uns auf die Felsen, zwischen denen das Dorf in der Ebene liegt.
Hier oben ist der Platz für die Beschneidung der Jungen, als Touristinnen haben wir Zugang, den schwarzen Frauen ist das Betreten streng verboten.
Die Zeremonie mit den Jungen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren findet alle 3 Jahre statt. Sie werden dann auf diesen Felsen geleitet, wer weint, bekommt die große Schlange gezeigt, die im Vorfeld schon als Orakel dient (sie bekommt ein Huhn, frisst sie es, ist der Zeitpunkt für die Zeremonie gut, lässt sie es leben, wird noch etwas abgewartet), also jedenfalls wird den weinenden Jungs gesagt, dass die Schlange sie frisst, wenn sie nicht sofort zu weinen aufhören … dann findet die Beschneidung jedes einzelnen Jungen statt, die Gruppe bleibt dann noch 3 Wochen auf dem Felsen, wo die Alten des Dorfes dann auf der anderen Seite in einer Art Grotte sitzen und sie mit der Geschichte und den Geschichten des Dorfes vertraut machen.
5 Familien leben in dem Dorf, ihre Symbole und wichtige Stationen ihrer Geschichte finden sich in den Malereien wieder - auch hier haben die Schlange und der Kaiman eine besondere Bedeutung (ich kanns ja nicht lassen, aber ich fühle mich an die Kunstwerke der Ureinwohner in Australien erinnert - sie können nichts voneinander wissen, aber die Ähnlichkeiten sind erstaunlich).
Dann rasten wir noch auf dem Felsen, mit Blick auf das Dorf, den gegenüberliegenden Felsen und die weite Ebene ringsum, es ist eine Landschaft, die mich immer wieder beeindruckt.
Zurück in Bandiagara hat die bonne heure angefangen, die Stunde vor Sonnenuntergang, wenn alles in rotes Licht getaucht ist und eine ganz besondere Stimmung einkehrt. Jetzt ist offenbar der ganze Ort unterwegs, ich wage ob meiner noch immer problematischen Sprachkenntnisse in diesem Jahr noch keine der Einladungen in eine Familie anzunehmen. Aber Guindo ist in seinem Dorf gewesen und bringt mir Eier und Papayas mit, die Innereien und das gebratene Rippchen eines Schafes lehne ich herzlich dankend ab, das ist auch ok, kurz danach wird nebenan gegrillt, er teilt sich das Essen mit dem Guardian von nebenan, Luc freut sich riesig.

Jetzt ist es hier so, wie bei uns vor Weihnachten: Alle sagen: Après la féte!
Ich habe auch rausgekriegt, wie das mit dem Festtagsbraten geht: Also, Du lebst in Bandiagara oder Sangha; eine gute Gegend um Schafe zu zuechten. Zu Tabaski moechtest Du aber zu Deiner Grande-Familie nach Bamako, Gao, Segou oder Sikasso reisen, was ziemlich lange dauern kann. Eines Deiner schoensten Schafe soll auch dorthin, denn in den Staedten kann man die Tiere nicht so gut halten.
Einige Tage vor der eigenen Abreise gehst Du mit dem Schaf zum Gare Routiére (Busbahnhof), steckst es in einen Sack (der Kopf guckt oben raus), es wird mit den anderen Schafen zusammen auf dem Dach verladen (im Gegensatz zu den Passagieren im Innenraum haben sie echt viel frische Luft!), tja und dann darf man halt nicht vergessen, den Namen auf den Sack zu schreiben, denn wenn klar ist; in welchem Bus das Tier ankommt, wird in der Stadt angerufen und dann kommt dort jemand von der Familie hin und holt den “Braten” ab …. In aller Regel leben die Schafe, wenn sie ankommen, das muessen sie auch, denn sie werden am Tag der Féte rituell geschlachtet und es gibt ein grosses Festessen fuer alle.

Heute geht es nach Mopti, wo zwei Projekte besucht werden:
Eine Assoziation von jungen Schreinern hat mit Unterstützung aus der Entwicklungshilfe eine moderne Schreinerei eingerichtet. Darunter muss man sich eine Wellblechhütte (immerhin glänzendes neues Wellblech) vorstellen, in der es eine Kreissäge und einen elektrischen Hobel gibt. Aber wenn die umliegenden Betriebe betrachtet werden, dann ist das tatsächlich die am modernsten ausgestattete Werkstatt. Neben Auftragsarbeiten für Baustellen und Möbelproduktion, stellen sie auch ihre Maschinen für die anderen Schreiner zur Verfügung und bilden zusätzlich junge Leute aus, die sonst auf der Straße leben müssten, weil sie ohne Ausbildung keine Arbeit bekommen (auch nicht tageweise). Dazu arbeiten sie mit einem örtlichen Sozialprojekt zusammen. Nach einer Demonstration, dass die Maschinen wirklich laufen, geht es um die Perspektiven des Projektes und natürlich darf das Erinnerungsphoto fehlen.
Nachmittags besuchen wir eine Näherei, die Präsidentin, die Schatzmeisterin und der Ausbilder sowie einige Näherinnen begrüßen uns in einem schlichten Raum wo es 1 (immerhin) elektrische und 5 Tretnähmaschinen gibt, die mit Unterstützung einer privaten Initiative aus Deutschland angeschafft werden konnten.
Sie haben ihr Projekt so angelegt, dass sie junge Frauen in bisher 2 Stufen ausbilden: Zur einfachen Näherin in Stufte 1, zur “Designerin” in Stufe 2, wo dann schon eigene Modelle entwickelt werden. Eine dritte Stufe, wo neue Modelle entwickelt und die Schulung um Kenntnisse in Betriebsführung, Buchführung und Finanzfragen erweitert wird, ist als Fortsetzung des Projektes geplant.
Zum Schluss werden uns die aktuellen Boubous (traditionelle Bekleidung für Männer) und Kleider gezeigt, ich finde ein wunderschönes zweiteiliges Kleid, das ich zur Begeisterung der Anwesenden gleich mal überziehe - blitzschnell ist der Rock gefertigt und ich soll es als Geschenk der Assoziation mitnehmen. Das geht natürlich nicht und ich bezahle wenigstens den Preis für den Stoff …. Jetzt kann das Tabaski Fest kommen, mein Kollege Sekou verkauft Tickets für den Abend im “Nachtclub”, der sich ganz in der Nähe meines Hauses befindet. Bevor ich mich also in dieser Nacht mit Reggae Musik beschallen lasse, gehe ich dann wohl lieber gleich hin ….

Eine Grundschule in Sévaré mit angeschlossenem Kindergarten, ist mit dem was wir so kennen, nicht zu vergleichen - und das, obwohl dies eine private Initiative von Eltern ist, die eine staatliche Anerkennung hat und dafür sorgt, dass z.B. nicht 90, sondern maximal 40 Kinder in einer Klasse/Gruppe sind. Und sie haben auch bei der Ausstattung auf gute, der Größe der Kinder angepasste, Möbel Wert gelegt, weil sie um die Haltungsschäden wissen, die die ausgeleierten Bänke von annodunnemal in den staatlichen Schulen zur Folge haben.
Die Kleinen springen auf, wenn wir in den Raum kommen “Bonjour Madame” schallt es im Chor. Im Kindergarten, der mehr eine Art Vorschule ist, hatte ich wenigstens ein Bild an der Wand oder ein wenig Spielzeug erwartet - nichts dergleichen. Diese Dinge sind hier derart teuer (das war mir schon in Bamako aufgefallen), dass sie niemand für den allgemeinen Gebrauch zur Verfügung stellen würde, wenn er sie denn hätte …. So fand sich z.B. die Pralinenschachtel mit den Neujahrspralinen, die ich, als sie leer war, morgens achtlos in die Mülltonne geworfen hatte, am Nachmittag von einigen begeisterten Kindern umgeben, als schillerndes Spielzeug auf der Piste vor meinem Haus wieder ….
Sollte es also in Deutschland Kellerräume oder Dachböden mit Spielsachen geben, die jetzt nach Weihnachten “aussortiert werden”, bitte eine e-mail an mich, im Februar reisen Freundinnen, die vielleicht etwas mitnehmen können, hierher. Sehr schön sind auch (reine) Bilderbücher, in die Sprachenvielfalt hier noch Deutsch einzubringen, ist vielleicht doch ein wenig übertrieben! Danke im voraus.

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