Februar 2006


Offenbar ist Yoga doch geeignet, die körperliche Fitness zu erhalten - mit Margret, Conny und Sibiri gönne ich mir ein Wochenende an der Falaise. 3 Tage wandern, erst mal eine abenteuerliche Fahrt nach Sangha - ich bin glücklich, gefahren zu werden, endlich kann ich mir mal die Landschaft anschauen und auch wenn das Getriebe kracht und der Motor scheppert - wir kommen gut an und Sibiri Traoré, unser Guide, drängt uns gleich zum Abstieg, denn es wird heiß werden … also mitsamt dem Gepäck die Schlucht hinunter, eine Gruppe junger Männer begleitet uns und reicht jeweils hilfreich die Hand, wenns denn doch sehr steil wird. Wir bestehen drauf, unsere Sachen selbst zu tragen, vor allem weil wir nicht die ganze Zeit mit 8 Leuten unterwegs sein wollen …. Klar, dass es ein Trinkgeld für die Jungs gibt, die auch viel Spaß dran haben, dass wir doch recht ungeübt sind.
Oben in Sangha ist Markttag, das bedeutet jede Menge “Gegenverkehr” in der schmalen Schlucht, die wir über 300 m absteigen. Frauen, Kinder, alte und junge Männer, überwiegend in Badelatschen oder barfuss kommen uns entgegen, mit Körben, Wasserkanistern, Cola-Kisten, Teilen von Rindern oder Schafen, Stoffballen oder Aktentaschen auf dem Kopf, Markttag halt!
Unten angekommen brauchen wir erst mal eine (zugegeben Rauch-)Pause, wir habens geschafft, ich bin froh, auch ohne Sport in den letzten Monaten ganz gut beieinander zu sein, es sind noch ca. 3 km bis zum nächsten Dorf - Tereli, wo uns das Mittagessen lockt und wir eine ausgiebige Siesta machen können. Da ist es dann völlig normal, sich auf einem Bett im Schatten auszustrecken und erst mal ein Stündchen zu schlafen, nach Spaghetti mit Sauce und einem malischen Tee, den ein alter Tuareg, der sich dort auch ausruht, mir freundlich anbietet, im Gegenzug gibt’s eine Zigarette ….
Weiter durch die Ebene, riesige Baobab-Bäume bieten stellenweise Schatten. Für das Gepäck hat uns Sibiri eine Charette gechartert und nachdem wir den Tümpel mit den heiligen Krokodilen gebührend gewürdigt haben, nehmen wir schließlich doch das Angebot an, mit auf die Charette zu klettern.
Es ist Abendstimmung, mir fällt so was ein wie “Hejo spann den Wagen an, denn der Wind treibt Regen übers Land …”, was es Anfang der 80er auch als “Hejo leistet Widerstand, gegen die Atomkraft hier im Land…” gab, die Sonne bereitet sich auf ihren täglichen Untergang vor, die Sanddüne zur Linken und die Falaise zur Rechten erglühen in einem unwirklichen Rot - es hat etwas märchenhaftes und das gelassene Tempo lässt es zu, einfach hier und jetzt zu sein ….
Sibiri hat einen kürzeren Weg gewählt, so dass er ohne Charette schon eine ganze Weile vor uns da ist. In Ireli übernachten wir, Moussa betreibt hier ein sauberes Campement mit leckerem Essen. Wir beschließen im Garten statt auf dem Dach zu schlafen, der Abstieg sitzt uns denn doch noch in den Knochen … und eine Dogonleiter (ein Baumstamm mit eingekerbten Stufen) ist dann nicht ganz einfach zu bewältigen. Hier gibt es nun gar keine Beleuchtung mehr, es ist Neumond und wir schlafen unter einem unglaublichen Sternenhimmel ….
Am Morgen klettern wir ins Dorf hoch, geduldig erklärt uns Sibiri, was eine Guinna ist: ein Hof mit Speichern, die runden mit “Zipfel” sind die Speicher der Frauen, an ihrer Zahl kann eine/r ablesen, wie viele Frauen zur Familie gehören. Die eckigen sind für die Männer. Interessant ist die innere Aufteilung: die Speicher der Frauen haben 5 Kammern: Für Gemüse, für Obst, für Zutaten zur Soße, z.B. Zwiebeln, Knoblauch, Gewürze, für Kleidung und für Schmuck. Die Speicher der Männer bestehen aus einem Raum, in dem das Getreide gelagert wird - ohne Getreide, keine gute Nahrung, ohne Sauce keine schmackhafte Nahrung ….
Eine Frau, die jeweils ein bis zwei Tage für die Küche des gesamten Haushaltes verantwortlich ist (was nicht unbedingt bedeutet, dass sie selbst kocht, sie organisiert, dass alle etwas zu Essen bekommen), verbringt den Abend (und auch die Nacht) dieser Tage mit dem Mann, also Polygamie hier bedeutet keineswegs, dass es keine Regeln gibt ….
Mich beeindruckt die Speichereinteilung, hatten wir nicht immer diese Diskussionen über “Multitasking” und die Vielfältigkeit der Fähigkeiten der Frauen … das kann hier so nicht bekannt gewesen sein als man vor ca. 1000 Jahren die ersten dieser Speicher baute …
Ganz oben überm Dorf befindet sich die Togona, das ist eine Art Unterstand, der so niedrig ist, dass man nicht darin stehen kann. Hier werden Gerichtsverhandlungen und Ratssitzungen abgehalten, Dorfangelegenheiten besprochen und wenn grade nichts von alledem ansteht, liegen die alten Männer hier im Schatten und kauen Kola-Nüsse, die ihnen die TouristInnen vorbeibringen. Wir haben natürlich auch welche dabei und dürfen dann auch Fotos machen. Sibiri erläutert uns die Bedeung der Wandmalereien, die zur Togona gehören: Sie erzählen die Sagen und Geschichten der Familien des Dorfes, von der jede ihr eigenes Symbol und Totemtier hat. Nach wie vor werden die Malereien Jahr für Jahr erneuert.
Langsam wird es wieder heiß, Zeit weiter zu ziehen. Moussa, der ein Moped hat, erklärt sich bereit, unser Gepäck in das nächste Dorf unserer Übernachtung zu transportieren. Er fährt zügig und Staub aufwirbelnd an uns vorbei, während wir uns wieder auf den Weg machen.
Unser Ziel ist Noumbouri, es liegt an der Stelle, wo die Sanddüne und die Falaise “zusammentreffen”, eine Passage geht nur mit einem wüstentauglichen Fahrzeug, also steht uns für den dritten Tag noch ein Aufstieg bevor.
Im Campement in Noumbouri kommt - kaum haben wir unser Gepäck abgelegt (die letzten 200 m hoch mussten wir dann schon tragen, ins Dorf kommt kein Moped hoch), der Besitzer mit seinem kleinen Sohn - der Junge hat sich einen Splitter in den Fuß getreten. Aus der Dreckkruste quillt gelber Eiter hervor und ich denke dankbar an meine Freundin Dagmar, die mir am Abend vor der Ausreise noch ein Notfallpäckchen geschenkt hat, das ich morgens, vor der Abfahrt in die Falaise - aus welchem Grund auch immer - noch schnell in den Rucksack gesteckt habe. Jetzt weiß ich warum, in dem Päckchen gibt’s eine Pinzette, genau was jetzt gebraucht wird, um den Splitter zu ziehen. Mutter und Vater halten den Jungen fest, der sich tapfer die Tränen verkneift, dann gibt’s noch Desinfektionstücher und den eindringlichen Rat, auf jeden Fall zur Gesundheitsstation zu gehen, wenn der Fuß jetzt nicht bald abheilt. Wir verbinden das Ganze, Margret stellt eine Socke zur Verfügung, damit nicht wieder Dreck in die Wunde kommt und zur Belohnung für die Tapferkeit gibt’s noch einen Keks.
Wir bekommen zur Stärkung lauwarmes Dolo Bier - vergorene Hirse, die auch wirklich nur lauwarm nach Bier schmeckt und ziemlich knallt - weshalb ich dann doch lieber das bekannte Castell bestelle.
Nach dem Abendessen gibt’s das Angebot, dass eine Frauenassoziation aus dem Dorf traditionelle Tänze - natürlich gegen Entgeld - vorführt, na warum eigentlich nicht, sagen wir uns … und keine Stunde später sitzen wir auf dem Dorfplatz, ca. 30 Frauen sind gekommen, 2 Trommler machen Stimmung, die Dorfjugend - und viele BewohnerInnen sind gekommen, um zuzuschauen und mitzumachen.
Es wird hier anders getanzt, als wir das kennen: Eine - meist alte - Frau singt den Text einer Geschichte, die anderen stehen im Kreis und klatschen dazu, die Trommler beschleunigen an einem bestimmten Punkt das Tempo und dann lösen sich ein oder zwei oder auch mehrere Frauen aus dem Kreis und tanzen auf die Trommler zu, meist nur ganz kurze Zeit (ist nämlich ganz schön schweißtreibend das Ganze) - verbeugen sich zum Schluss vor den Trommlern und treten wieder in die Gruppe zurück, oft mit Kind auf dem Rücken, auf jeden Fall meist zu zweit - wir lassen uns zum Mitmachen verführen, was allgemeine Heiterkeit auslöst und somit insgesamt den Unterhaltungswert des Abends für alle Beteiligten erhöht … Wir verabschieden und bedanken uns bei allen Tänzerinnen mit Handschlag, müssen dann doch noch mal zur Erbauung in die Runde und sind dann auch rechtschaffen müde.
Diesmal schlafen wir doch auf dem Dach, die Falaise direkt über uns und Sterne, Sterne, Sterne …. Die Milchstraße, der Orion, der große Wagen, der kleine Wagen - und über mehr dieses Himmels muss ich erst noch eine Menge lernen.
Der Aufstieg nach Dourou ist dann moderat. Diesmal haben wir das Angebot von drei jungen Männern angenommen, unser Gepäck hoch zu tragen - der Ehrgeiz muss doch vor der Anstrengung weichen - es geht uns nicht ums Geld. Eigentlich haben wir auf dem Weg zum Aufstieg nicht den Eindruck, dass es möglich ist, diese Felswand zu erklimmen - aber es gibt - mal wieder - eine schattige, zum Teil 50 cm schmale Schlucht, durch die wir nach oben kraxeln. Dort eine weite Ebene und noch ca. 5 km bis nach Dourou, wo uns “unser” Auto abholen wird.
In Noumbouri hatten sich noch 2 Frauen erkundigt, ob sie mit uns nach Bandiagara fahren könnten - wir haben zugesagt - wenn denn der Chauffeur nichts dagegen habe - der meinte “das Auto steht zu Ihrer Verfügung”, also mitsamt Kind und Gepäck und uns und einem jungen Mann auf dem Dach, zurück nach Bandiagara! Unterwegs verabschiedet sich der Motor mehrmals, macht aber nichts, eine Gelegenheit, auf den umliegenden Feldern grad noch Gemüse einzukaufen. Und nach ca. 2 Stunden haben wirs dann auch geschafft und bedanken uns bei allen … Besonders bei Sibiri, der wieder mit Ruhe Gelassenheit seine Arbeit als Guide gemacht hat, und seinem Traum vom Besuch in Europa wieder ein Stückchen näher gekommen ist. Er will im April reisen, um Freunde in Frankreich zu besuchen, wir wünschen ihm viel Glück!

Endlich sind meine Freundinnen Margret und Conny aus Deutschland eingetroffen - wir hatten es im Herbst letzten Jahres verabredet, tja und jetzt sind 5 Monate vergangen und sie sind da!
Sie hatten eine abenteuerliche Busfahrt von Bamako hier her - ich einen spannenden Sonntagabend, wo ich dann gegen 18.00 Uhr nach Sévaré fahre weil mir hier am Busbahnhof Sibiri sagte, es käme kein Bus mehr aus Bamako in Bandiagara an …. In Sévaré sieht man mir offenbar an, dass ich hungrig bin und jemanden suche - praktisch jede/r Tubab, der/die aus den Bussen steigt, wird mir vorgestellt - “ist das die Person, die Sie suchen” und “wollen Sie nicht wenigstens einen Joghurt oder einen Apfel kaufen?” ich habe aber keinen Appetit - man achtet halt aufeinander und ich sehe offenbar wirklich besorgt aus - was ich auch bin.
Dabei gibt’s dafür keinen Grund. Zurück im Haus erreicht mich ein Anruf der beiden, ein junger Mann aus Bandiagara, der mit ihnen im Bus sitzt, hat ihnen sein Handy zur Verfügung gestellt, damit sie mich informieren können, dass sie noch vor Djénné sind, was bedeutet, dass es noch 4 bis 5 Stunden dauern kann …
Morgens dann rufen sie mich im Büro an, sie waren um 2.00 Uhr angekommen, grade kein Netz, also hat der freundliche Reisebegleiter sie kurzerhand in einem sauberen und netten Hotel am Busbahnhof untergebracht und ist natürlich morgens wieder aufgetaucht, um ihnen zu helfen, mich hier zu finden …. Ici c’est comme ca!

Vielleicht noch ein paar Sätze zur Vollversammlung (VV) des ded: Das war eine wirklich interessante Veranstaltung, mit der Gelegenheit, nicht nur die anderen Kollegen und Kolleginnen etwas besser kennen zu lernen, sondern auch deren Projekte und Projektplätze. Darüber hinaus hat der ded eine gut ausgebaute und funktionierende Beteiligungsstruktur, wo es dann auch Freude macht, an der Weiterentwicklung der “Geschäftspolitik” mitzuwirken. Prompt werde ich in den Mitwirkungssausschuss gewählt, eine Art Verwaltungsvorstand, wo es immer spannende Informationen gibt, was natürlich auch noch mal zusätzlich Arbeit macht … aber davor scheu ich mich ja bekanntlich nicht.
Die VV fand außerhalb Bamakos statt. Wir 35 Leute vom ded waren in einer öklologischen Hotelanlage, einer Art Ökofarm, untergebracht. Sie wurde von einem mittlerweile verstorbenen Pater mit einem malischen Fischer gemeinsam aufgebaut.
Die Anlage wird jetzt von einer französischen NRO geführt. Es gibt Regen- und Flusswasserreservoirs für die Toiletten und gefiltert auch für die Duschen. Solarenergie für Strom und warmes Wasser (was es übrigens in Mali so gut wie nirgends gibt, wahrscheinlich weil es auch nur während maximal 4 Wochen im Jahr gebraucht wird. Sonst sehnt man sich nach Abkühlung). Ein Ausnahmebeispiel an gelungener Kombination von “tourisme ecosolidarie et développement”. Die Dörfer rundherum leben von der Anlage, weil viele Leute dort Arbeit finden und eben auch Agrarprodukte zugekauft werden.
Außer dem “touristischen Teil” gehört zu der Anlage auch ein riesiger Garten mit eigener Gärtnerei, in dem es Unmengen von Vögeln gibt, dann liegt die Anlage direkt am Fluss Bani, was wunderschöne Abendstimmungen bringt, ein bisschen Wasser ist noch drin im Fluss, auf der anderen Seite gibt’s dann nur Sand und Steppe, eine karge aber erbauliche Landschaft.
Dem Hotel angeschlossen ist außerdem eine Schule, die offenbar auch als Internat geführt wird, denn alles ist doch ziemlich abgelegen. Ein großer Spielplatz und eine Art Kleintierzoo runden dieses angenehme Ambiente ab. Trotz der vielen Sitzungszeiten hatte dieser Aufenthalt auch einen gewissen “Erholungswert” und kann an Mali Reisende weiterempfohlen werden.

Bandiagara
Die e-mails, in denen LeserInnen dieser website sich besorgt erkundigen, warum nichts mehr nachkommt, häufen sich, ich finde sie nach der Tour nach Bamako, wo ich am Auswahlkomitee für die neuen Projekte teilgenommen habe, und nach einer Reise nach Teryia-Bougou, wo die Vollversammlung des ded Mali stattgefunden hat.
Jetzt bin ich froh, wieder in Bandiagara zu sein, Guindo hat den Wasserhahn reparieren lassen und eine Beleuchtung im Hof installiert, die Hühner legen Eier, die Katzen haben sich eingelebt, ich ruh mich mal richtig aus, es ist Wochenende.
Trotzdem hab ich gestern die Gelegenheit genutzt, eine Kollegin nach Ennde zu begleiten, sie hat dort mit den malischen Partnern ein wunderschönes Museum gestaltet, das einen liebevollen und informativen Einblick in Geschichte, Kultur- und Lebensweise der Dogon bietet. Es sind Fragen für wichtige Besuche zu klären, bei einer Töpfereikooperative werden die Utensilien für das kleine Cafe, das dem Museum angegliedert werden soll, bestellt, und nach einem Mittagessen im Campement machen wir uns auf die Rückreise.
Jetzt bin ich wieder richtig da im Dogonland!
Heute sitzen nun hier Yousouf und Katrin auf meiner Terrasse, sie haben während des Forums in Bamako gefilmt und wenn alles gut geht, gibt es bald eine CD, die vom Weltsozialforum in Bamako berichtet.
Aisha hat ihre kleine Tochter vorbeigeschickt mit frischem Gemüse, noch gibt es welches, wir frieren ein was das Zeug hält und hoffen, dass die Stromversorgung stabil bleibt! In dieser Hinsicht ist das hier übliche Trocknen von Gemüse der sicherere Weg. Es wird von Tag zu Tag heißer und langsam Zeit, die Klimaanlage installieren zu lassen.
Die Bäume werfen ihre Blätter ab, bis auf die großen Baobab-Bäume und Flamboyies, erstere treiben jetzt und letztere blühen jetzt, was beeindruckend ist, sie haben keine Blätter, nur feuerrote Blüten, die nach einem Tag dann auch wieder verschwunden sind ….

Teriya Bougou
In Ségou findet seit 3 Tagen das Festival au Niger statt, KünstlerInnen, MusikerInnen, KunsthandwerkerInnen und natürlich zahlreiche TouristInnen sind gekommen. Ich hatte eigentlich vor, Samstags schon hinzufahren, um Amadou & Mariam, ein blindes Paar, das wunderschöne Musik macht (ihr Hit “La Réalité” war im letzten Sommer auch in Deutschland ziemlich populär), life zu sehen, aber mich hatte Bamako mal wieder so gestresst, dass ich jetzt nur auf der Durchreise im Hotel Djoliba etliche meiner KollegInnen treffe, denn wir wollen ja zur Vollversammlung des ded Mali nach Teriya Bougou.Dahin führen ca. 40 km flache Piste, was für uns “DogonländlerInnen” nun wirklich keine echte Herausforderung mehr ist! Aber die Staubschicht, in die wir bei der Ankunft gehüllt sind, ist beachtlich und da Teriya Bougou ein an sich schon spannendes Ökoprojekt ist, von unserer Tagung mal ganz abgesehen, gibt es durch die Solaranlage wunderbares heißes Wasser aus einer funktionierenden Dusche, was ja schon ein Luxus ist - da kann die Tagung dann gerne Sonntags Abends beginnen …..

Bamako Samstag, nach 2 anstrengenden Tagen im Auswahlkomitee muss jetzt noch die Einkaufsliste abgearbeitet werden. Das ist aber mehr ein Vergnügen, das mich in den libanesischen Supermarkt AZAR führt (wo das Katzenfutter so teuer ist, wie in Deutschland Entenleberpastete oder so was), wo es aber so ziemlich alles gibt, was das europäisch geprägte Herz begehrt und wo inzwischen auch mal reiche MalierInnen einkaufen. Da aber letztlich im Verhältnis zu den üblichen Marktpreisen alles hoffnungslos überteuert ist, sucht man dieses Geschäft nur auf, wenn besondere Dinge gesucht werden, z.B. Pastisse, Käse, Sahne - überhaupt Molkereiprodukte (die fallen diesmal aus, weil ich ja noch länger unterwegs bin), ein Flohhalsband (das ich diesmal nicht gefunden habe), Insektenspray oder Tampons. Beim Friseur nebenan ist es übervoll, also fahr ich zurück nach Torokorobougou, dort ist grade Hochzeitsvorbereitung, aber der Herrenfriseur hat Zeit und bittet mich in seinen Salon, er kommt aus Nigeria und wir freuen uns beide, dass wir endlich mal Englisch sprechen dürfen …. Dann weiter zum Grand Marché, rund um die Moschee, Parkplatzprobleme gibt es nicht, da gibt es diese Jungs, die einer einfach ansehen, dass ein Parkplatz gesucht wird, sofort wird gewinkt und eingewiesen, der Wagen ist dann bewacht und klar, dass ein Jeton (100 FCFA) da gelassen wird. Es sind Schuhe zu reparieren und mein Armreif, den mir Oumou geschenkt hat, bedarf der Reinigung - kaum das Auto verlassen, kommt schon ein älterer Herr und sagt: “Ich sehe, Sie haben Schuhe zu reparieren, ich kenne mich damit aus, ich weiß wer das gut macht, nehmen Sie hier Platz, geben Sie mal her ….” Eh ichs mich verseh ist er mit einem Schuh verschwunden, kehrt schnell zurück mit dem Grundstoff für neue Sohlen und verspricht für 4.500 FCFA (ca. 7 €) innerhalb von einer Stunde zu reparieren, ich solle schon mal bezahlen - alle lachen, als ich sage “Bezahlt wird erst, wenn die Arbeit gemacht ist!” - so ist das nämlich hier, es sei denn, es gibt sehr hohe Materialkosten z.B. bei Bauvorhaben oder richtig großen Reparaturen, auch bei Installationen kann es schon vorkommen, dass erstmal ein Vorschuss fürs Material erforderlich ist. Ich finde jedenfalls auch noch jemanden, dem ich meinen Armreif überlassen kann, schlendere über den Artesanne Markt, wo die Kunsthandwerker und Verkäufer heute anderweitig beschäftigt sind: An jeder Ecke des Marktes steht ein TV Gerät und fast die gesamte “Belegschaft” hat sich dort versammelt, um das Spiel Elfenbeinküste gegen Senégal im Rahmen des Afrika-Cup (so was wie der UEFA-Cup, hab ich mir erklären lassen) zu verfolgen, natürlich entdeckt mich mein Freund Bassidy, um mir ein Paar Ohrringe zu verkaufen, aber es zieht auch ihn schnell wieder an den Bildschirm zurück. Die Schuhe hole ich ab, sie sind wie neu, ein Finish aus schwarzer Farbe rundet diesen Eindruck ab und auch der Armreif blinkt wieder in der Sonne. Ich mache mich auf den Weg nach Kati, um Reinhild zu besuchen, da ist heute Cousinen-Treffen, ca. 18 Frauen sitzen im großen Wohnzimmer, Kinder wuseln herum, ich helfe noch ein bisschen beim Vorbereiten des Festessens: Salat, Huhn, Kartoffeln und Melone, ein fröhliches Gelage, bei dem die geschäftliche Seite (die Gruppe ist zugleich ein Sparverein, so wie wir diese Sparkassen in alten Ruhrgebietskneipen kennen, hier heißt das Tontien: Jede/r zahlt bei jeder Begegnung die gleiche Summe ein und bekommt einmal im Jahr, wenn das Treffen bei ihm/ihr ist, die Gesamtsumme zur Verfügung gestellt, die ja vorher praktisch schon eingezahlt wurde) sozusagen nebenbei “abgewickelt” wird. Nachdem die Gäste gegangen sind, sitzen Reinhild und ich noch auf der Terrasse, genießen die Ruhe (inzwischen wurde die Solaranlage verbessert und es dröhnt abends nicht mehr der Generator; wir erinnern uns: Kati ist der Ort nahe bei Bamako, wo es mit der öffentlichen Stromversorgung nicht klappt), werden mit malischem Tee verwöhnt und ich bedauere, dass ich nicht da bleiben kann, aber morgen früh geht’s sehr früh los nach Segou und von dort nach Teryia Bougou.

01.02.2006, Bamako
Diesmal sind die Reisevorbereiten von kleinen “Katastrophen” geprägt: Am Abend vor der Abreise verschwindet “Gefährlich”, der Kater, der zusammen mit seiner Freundin “Theoline” hier eingezogen ist (es ist ein Katzenpärchen mit langjähriger EntwicklungshelferInnenerfahrung, ihre bisherigen Menschen reisen nun aus), macht einen ausführlichen Zug durch die Gemeinde in Bandiagara und wird morgens sich sträubend von meiner Nachbarin, die den Hund aus dem Ausreise Haushalt übernommen hat, zurückgebracht … er ahnte offenbar, dass er jetzt eine Woche Hausarrest kriegt.
In der Nacht endet meine Vor-Abreise-Spülaktion mit einer Dusche, die durch die ganze Küche strahlt, merke: nachts ist Wasser da und ohne Hahn ist der Druck auch prima! Also muss ich den Daumen auf den Wasserhahn halten und Guindo den Haupthahn abstellen, macht nichts, morgens wird eh aus dem Bottich geduscht! Ich lasse Geld für die Reparatur des Wasserkrans da und betone, dass vorher der Haupthahn nicht wieder aufgedreht werden darf ….
Der Tag ist irgendwie nicht wirklich meiner:
Auf der Fahrt nach Bamako, ca. 50 km vor Segou, laufen mir 4 Schafe vors Auto, 2 kehren rechtzeitig nach links um, ein Mutterschaf macht einen Satz nach rechts auf den Seitenstreifen, aber ihr Junges bleibt einfach voll auf meiner Fahrbahn stehen!
Ich habe noch 3 Leute im Auto, die Entscheidung muss sein durchzufahren, ich weiß, ich kann den Wagen nicht halten, wenn ich jetzt in die Eisen gehe, also bleibt das Schaf blutend liegen, ich brauch einige Meter, bis ich zum Stehen komme … die heiße Luft riecht nach Blut, ich brauch eine Zigarette …. Der malische Kollege begutachtet den Wagen, es ist “nichts” passiert. Also brauchen wir den Besitzer des Schafes nicht zu suchen, er haftet hier für Schäden, die durch seine Tiere verursacht werden und ist eigentlich verpflichtet, darauf zu achten, dass sie nicht auf die Straße laufen … Aber das ist ja nicht alles, was mich beschäftigt, ich habe bisher in knapp 30 Jahren Fahrpraxis noch nicht mal einen Igel plattgefahren (glaub ich jedenfalls) - und jetzt das!
Bei der Ankunft im Gästehaus in Bamako versucht ein Kollege mich mit seiner “Bilanz” zu trösten: 10 Schafe, 7 Ziegen, 1 Kuh, in 7 Jahren in verschiedenen Ländern Afrikas - icci est comme ca!
Ich bringe meine MitfahrerInnen nach Hause, liefere Gemüse im Büro ab und freu mich auf eine Dusche und ausruhen, morgen früh fängt ja das Komitee an.
Im Gästehaus ist dann was mit meiner Reservierung schief gegangen - kein Zimmer mehr frei, aber ein kurzer Anruf bei einer Kollegin genügt und ich habe ein freundliches Dach überm Kopf!
So endet der Tag doch noch “versöhnlich”.