Juni 2006


Nun habe ich mir hier doch einen kleinen Fernseher angeschafft, mit der Dachantenne gibt es hier in Bandiagara das ORTM, das ist die malische Fernsehgesellschaft und da dort die Spiele life übertragen werden, schauen Guindo, Luc und Laya Ba immer gerne, während ich im Büro bin. Ich gewöhne mir an, abends die Nachrichten zu gucken, sie sind auf Französisch, das übt und ist im übrigen auch noch interessant. Sonst hätte ich hier bisher nicht mitbekommen, dass 1.300 Traktoren mit Anhängern in Mali angekommen sind und jetzt die Landwirtschaft modernisieren sollen… Der Präsident ATT ist letzten Montag schon wieder durch Bandiagara gefahren, allerdings auf dem Weg nach Bankass, trotzdem Grund genug, sich auf der zentralen Kreuzug zu versammeln.
Schließlich habe ich erstmals eine Ratssitzung in Bandiagara erlebt, irgendwo holt eine ja doch alles wieder ein … und die Themen waren mir auch nicht fremd: Wie kommen wir aus der Schuldenfalle, wie können wir mehr Steuern tatsächlich eintreiben, welche Arbeitsgruppe ist für was zuständig etc. Aber es war spannend und interessant, der Bürgermeister und sein Team sind junge, engagierte Leute, die es in der hiesigen Gesellschaft des Senioritätsprinzips nicht leicht haben.

Wie immer nach Reisen, gab es Montags eine überschwängliche Begrüßung im Büro, alle sind froh, dass alles gut überstanden ist - und außer dass es immer noch nicht geregnet hat, gibt es nicht viel Neues. Ich besuche die Baustelle eines Kleinstaudammes in Sokolo, bereite die Unterlagen von den Tagen in Bamako auf (doppelte Büroführung hat auch ihre “Reize”), bereite Verträge vor und besuche eine Behinderteninitiative hier in Bandiagara. Sie haben für die Frauen einen Frisiersalon eröffnet und suchen jetzt einen Sponsor, um die Männer in einer Schweißerei ausbilden und beschäftigen zu können.
Und dann: geht doch. Pünktlich zum europäischen Sommeranfang, am 21. Juni, setzt hier der Regen ein. Aber was für einer! Erstmal stürmt es, dass die Staubwolken durchs Haus fliegen. Ich rieche den Regen herannahen und weiß meist abends schon, wann ich die Kissen von den Terrassenstühlen nehmen muss.
Schließlich fängt es an zu prasseln (besonders beeindruckend durch das Blechdach) und es blitzt und donnert, dass es taghell wird im Haus - der Strom hat sich eh schon verabschiedet.
Am Morgen dann bietet sich mir ein wunderbarer Anblick: Alles ist wie frisch gewaschen, die Farben leuchten, “mein” Hof ist ein See, in dessen Mitte das DED-Auto steht ….
Guindo, der Wächter, gräbt einen kleinen Kanal, und bis ich zur Arbeit aufbreche, ist zumindest der Wagen “trockengelegt”.
Die zweite Regennacht ist dann eher anstrengend, da strecke ich mich unter dem lärmenden Blechdach grade aus und denke, wie schön, dass ich in einem so schönen Haus wohne - als ich merke, wie meine Füße geduscht werden! Also raus aus dem Bett, Strom natürlich wieder weg, mit Feuerzeug ins Gästezimmer, wo die Plastikplane für die Matratzen lagert, eigentlich als Staubschutz gedacht, wird sie nun übers Moskitonetz gespannt und ich schlafe beim Klang der Wassertropfen über mir ein - bis mich eine feuchte Schulter wieder weckt - das Wasser hat die Plane gefüllt und sich einen Weg nach unten gesucht - und ich suche das Weite und wandere ins Gästezimmer aus ….
Im Büro haben alle Geschichten dieser bewegten Nacht beizusteuern - es ist ein Regen gewesen, wie er hier nicht üblich ist und als ich höre, dass bei einem Kollegen das halbe Dach eingestürzt ist und er und seine Familie die ganze Nacht Wasser geschöpft haben, da bin ich dann doch schnell wieder mit einem stellenweise undichten Blechdach versöhnt.
Am späten Nachmittag dann die Bestätigung des Spruches “die Wüste lebt” - Tausende von Insekten steigen über dem Hof auf, es sieht aus wie Schneetreiben und abends versammeln sie sich rund um die Außenbeleuchtung vom Haus.
Es sind Flugameisen, die sich jetzt paaren und danach sofort eingehen - in dicken Haufen liegen sie nach ca. einer Stunde - dann ist der Spuk vorbei - unter der Lampe - Kurzes Glück! Für die Geckos ein Festschmaus, mancher kriegt das Maul gar nicht voll genug und weiß dann nicht, wie er schlucken soll, keine schlechte Show.
Auch anderes Getier fühlt sich jetzt belebt: Dicke schwarze Käfer, z.T. größer als Maikäfer streben zum Licht, langschwänzige schwarze Fluginsekten bohren sich in den Boden, um ihren Nachwuchs zu sichern, die “Hausfrösche” sind ausgewandert, um sich ihren KollegInnen in den Wasserlöchern beim Konzert anzuschließen - und tagsüber flattern riesige Schmetterlinge und bunt schillernde Vögel durch den Garten.
Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis auch die Moskitos geschlüpft sind, dann heißt es Schutzcreme und langärmlige Kleidung tragen, denn sie sind (gelegentlich) die Überträger der Malaria, die hier zwar mit Medikamenten gut überstanden werden kann, aber nach Schilderungen aller, die das schon mal erleben mussten, wirklich eine sehr unangenehme Krankheit ist. Der beste Schutz ist es, nicht gestochen zu werden - womöglich aber gar nicht so einfach!
Also mal wieder lauter Neuerungen - wie mache ich das Dach wasserfest? Wie bewege ich den Elektriker dazu, den Übergang vom öffentlichen Stromnetz zu meinem Anschluss so zu gestalten, dass nicht dauernd die Sicherung rausfliegt, wenn es regnet? Wie fahre ich sicher durch Schlammlöcher, ohne den Allradantrieb nutzen zu müssen?
Es kommt jetzt darauf an, dass der Regen “wohl dosiert” fällt, erklären mir malische KollegInnen. Hört es jetzt auf zu regnen, verbrennt die Saat - es sind schon nach wenigen Tagen erste grüne Sprosse zu sehen. Sie dürfen aber auch nicht täglich/nächtlich so getränkt werden wie allein in dieser Woche 3 mal, dann ersaufen sie nämlich, was auch die Ernte gefährdet.
Als ich heute Morgen mit dem Fahrrad unterwegs bin, sehe ich viele Menschen mit ihren Rindern vor dem Pflug, mit der Hacke im Feld, mit den Säcken voll Samen über die frisch gepflügten Felder gehen. Tragisch ist es, wenn die kleinen Feldkarrees schon angelegt waren und sich dann bei einem Platzregen die Fläche in einen See verwandelt.
Es riecht wie im Frühling nach feuchter Erde.

Wie immer nach Reisen, gab es Montags eine überschwängliche Begrüßung im Büro, alle sind froh, dass alles gut überstanden ist - und außer dass es immer noch nicht geregnet hat, gibt es nicht viel Neues. Ich besuche die Baustelle eines Kleinstaudammes in Sokolo, bereite die Unterlagen von den Tagen in Bamako auf (doppelte Büroführung hat auch ihre “Reize”), bereite Verträge vor und besuche eine Behinderteninitiative hier in Bandiagara. Sie haben für die Frauen einen Frisiersalon eröffnet und suchen jetzt einen Sponsor, um die Männer in einer Schweißerei ausbilden und beschäftigen zu können.
Und dann: geht doch. Pünktlich zum europäischen Sommeranfang, am 21. Juni, setzt hier der Regen ein. Aber was für einer! Erstmal stürmt es, dass die Staubwolken durchs Haus fliegen. Ich rieche den Regen herannahen und weiß meist abends schon, wann ich die Kissen von den Terrassenstühlen nehmen muss.
Schließlich fängt es an zu prasseln (besonders beeindruckend durch das Blechdach) und es blitzt und donnert, dass es taghell wird im Haus - der Strom hat sich eh schon verabschiedet.
Am Morgen dann bietet sich mir ein wunderbarer Anblick: Alles ist wie frisch gewaschen, die Farben leuchten, “mein” Hof ist ein See, in dessen Mitte das DED-Auto steht ….
Guindo, der Wächter, gräbt einen kleinen Kanal, und bis ich zur Arbeit aufbreche, ist zumindest der Wagen “trockengelegt”.
Die zweite Regennacht ist dann eher anstrengend, da strecke ich mich unter dem lärmenden Blechdach grade aus und denke, wie schön, dass ich in einem so schönen Haus wohne - als ich merke, wie meine Füße geduscht werden! Also raus aus dem Bett, Strom natürlich wieder weg, mit Feuerzeug ins Gästezimmer, wo die Plastikplane für die Matratzen lagert, eigentlich als Staubschutz gedacht, wird sie nun übers Moskitonetz gespannt und ich schlafe beim Klang der Wassertropfen über mir ein - bis mich eine feuchte Schulter wieder weckt - das Wasser hat die Plane gefüllt und sich einen Weg nach unten gesucht - und ich suche das Weite und wandere ins Gästezimmer aus ….
Im Büro haben alle Geschichten dieser bewegten Nacht beizusteuern - es ist ein Regen gewesen, wie er hier nicht üblich ist und als ich höre, dass bei einem Kollegen das halbe Dach eingestürzt ist und er und seine Familie die ganze Nacht Wasser geschöpft haben, da bin ich dann doch schnell wieder mit einem stellenweise undichten Blechdach versöhnt.
Am späten Nachmittag dann die Bestätigung des Spruches “die Wüste lebt” - Tausende von Insekten steigen über dem Hof auf, es sieht aus wie Schneetreiben und abends versammeln sie sich rund um die Außenbeleuchtung vom Haus.
Es sind Flugameisen, die sich jetzt paaren und danach sofort eingehen - in dicken Haufen liegen sie nach ca. einer Stunde - dann ist der Spuk vorbei - unter der Lampe - Kurzes Glück! Für die Geckos ein Festschmaus, mancher kriegt das Maul gar nicht voll genug und weiß dann nicht, wie er schlucken soll, keine schlechte Show.
Auch anderes Getier fühlt sich jetzt belebt: Dicke schwarze Käfer, z.T. größer als Maikäfer streben zum Licht, langschwänzige schwarze Fluginsekten bohren sich in den Boden, um ihren Nachwuchs zu sichern, die “Hausfrösche” sind ausgewandert, um sich ihren KollegInnen in den Wasserlöchern beim Konzert anzuschließen - und tagsüber flattern riesige Schmetterlinge und bunt schillernde Vögel durch den Garten.
Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis auch die Moskitos geschlüpft sind, dann heißt es Schutzcreme und langärmlige Kleidung tragen, denn sie sind (gelegentlich) die Überträger der Malaria, die hier zwar mit Medikamenten gut überstanden werden kann, aber nach Schilderungen aller, die das schon mal erleben mussten, wirklich eine sehr unangenehme Krankheit ist. Der beste Schutz ist es, nicht gestochen zu werden - womöglich aber gar nicht so einfach!
Also mal wieder lauter Neuerungen - wie mache ich das Dach wasserfest? Wie bewege ich den Elektriker dazu, den Übergang vom öffentlichen Stromnetz zu meinem Anschluss so zu gestalten, dass nicht dauernd die Sicherung rausfliegt, wenn es regnet? Wie fahre ich sicher durch Schlammlöcher, ohne den Allradantrieb nutzen zu müssen?
Es kommt jetzt darauf an, dass der Regen “wohl dosiert” fällt, erklären mir malische KollegInnen. Hört es jetzt auf zu regnen, verbrennt die Saat - es sind schon nach wenigen Tagen erste grüne Sprosse zu sehen. Sie dürfen aber auch nicht täglich/nächtlich so getränkt werden wie allein in dieser Woche 3 mal, dann ersaufen sie nämlich, was auch die Ernte gefährdet.
Als ich heute Morgen mit dem Fahrrad unterwegs bin, sehe ich viele Menschen mit ihren Rindern vor dem Pflug, mit der Hacke im Feld, mit den Säcken voll Samen über die frisch gepflügten Felder gehen. Tragisch ist es, wenn die kleinen Feldkarrees schon angelegt waren und sich dann bei einem Platzregen die Fläche in einen See verwandelt.
Es riecht wie im Frühling nach feuchter Erde.

Eine anstrengende Woche mit vielen Terminen und Besprechungen liegt hinter mir - und mal wieder die Tour Bamako - Bandiagara, diesmal sogar mit leichten Schauern - aber hier oben ist es braun und trocken wie vor 2 Wochen. Ein Mal habe es ein bisschen geregnet, berichten die KollegInnen, alle warten jetzt sehnsüchtig. Ansonsten gibt es nicht viel Neues.
Meine Papaya Pflanze vorm Haus hat dank der guten Pflege durch Guindo erste Früchte, es gibt neue Küken und kleine Hasen - eine rosige Ferkelschar zieht die Straße im 7. Quartier rauf und runter - es ist alles wie immer - und irgendwie jetzt dann doch auch “nach Hause kommen”.

Tatsächlich, die Kessellage von Bamako, verbunden mit dem Niger und den täglichen/nächtlichen Regengüssen machen ein völlig anderes Klima aus. Und es ist absolut grün! Mein Bedürfnis nach einem grünen Rasen, das ich kurz vor der Abreise aus Bandiagara verspürte, kann ich hier befriedigen. Ich gönne mir einen Nachmittag am Pool im Hotel Salam, besuche meine Freundin in Kati und bereite die Termine für die nächste Woche vor.
“Natürlich” habe ich das WM-Eröffnungsspiel und das Spiel Deutschland - Polen gesehen, hier hat die Botschaft eine schöne Geste gemacht: Am Palais de la Culture wurde ein Bistro angemietet, in den darin befindlichen Pavillon eine Großbildleinwand installiert, mit “Flag” (eine der beiden malischen Brauereien) ein Sponsoringvertrag gemacht und “Toute le Monde” ist eingeladen, in Gegenwart des Botschafters und seiner Equipe die Deutschland Spiele zu verfolgen.
Spielen andere Mannschaften, werden der Bildschirm und die dazugehörige Anlage in verschiedenen Stadtteilen von Bamako sein - so werden die Gastgeber der WM nochmals Gastgeber im Gastland - viele Malier und Malierinnen kommen gerne dazu und trinken auch das eine oder andere Bier, obwohl sich hier insgesamt die Limonaden größerer Beliebtheit erfreuen, gibt’s natürlich auch im WM Bistro! Nach dem Spiel Discomusik und die MalierInnen drücken ihre Freude über einen Sieg viel anschaulicher aus, als die meisten Deutschen, ist halt eine Mentalitätsfrage! Aber alle haben Spaß dabei und das ist ja wohl die Hauptsache.
Dann kann ich in Bamako auch beobachten, wie die Fußballbegeisterung den Alltag verändert: Durch die Zeitverschiebung beginnen hier die Spiele z.T. um 13.00, 15.00 oder 17.00 Uhr. Je nachdem wer spielt, ist dann die Stadt wie leergefegt, der sonst dichte Verkehr ist selbst in der rush-hour moderat und überall, wo ein Fernseher vor einer Boutique, einer Buvette oder einem Privathaus steht, bilden sich Menschentrauben. Besonders die Spiele mit afrikanischen Mannschaften werden hier natürlich aufmerksam und hoffnungsvoll verfolgt.
Die malische Nationalmannschaft nutzt die Gelegenheit, zusammen mit einer ONG AIDS-Aufklärung zu machen - ein Flugblatt mit allen Spielterminen, Platz zum Eintragen der Ergebnisse und Tipps wie man(n) sich vor AIDS schützt, erfreut sich ob seines nützlichen Aufbaus bei den FußballfreundInnen größter Beliebtheit.
Für mich rücken nicht nur grüne Rasenflächen, die jetzt allenthalben im Fernsehen zu sehen sind, sondern auch Städte wie Stuttgart, München und Berlin wieder mehr ins Bewusstsein, werde ich doch gern gefragt, wie weit ich denn davon weg wohn(t)e, ob ich die Städte kenne, ob das da nett ist ….

Nun habe ich mir ein paar Tage Urlaub gegönnt um mit einer Freundin aus Deutschland nach Teryia Bougou zu fahren. Wir geniessen die Ruhe der Anlage am Bani Fluss, es ist viel mehr Wasser da als noch im Februar, mir ist auf der Fahrt schon aufgefallen, dass es nun mit jedem Kilometer wieder grüner wird. Bei uns auf dem Plateau hat es noch nicht geregnet, aber wenn ich mit KollegInnen in Bamako spreche, erzählen sie von ergiebigem Regen und drückend schwül-warmer Luft und zahlreichen Moskitos. Da wir uns auf dem Weg nach Bamako befinden, sind wir gespannt.