Juli 2006


Mit einer Kollegin besuche ich die Frauengruppe im 4. Quartier von Bandiagara. Ca. 25 Frauen haben sich mit uns im Hotel Falaise getroffen, der Ehemann der Präsidentin ist mitgekommen, um zu übersetzen (obwohl sie ganz gut französisch spricht, wie wir hinterher im „informellen Teil“ feststellen, aber das ist hier halt so). Jedenfalls stellen sich erst mal alle vor, viele Junge, aber auch einige meiner Altersklasse, und das sind hier dann schon richtig alte Frauen (bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 46 Jahren für Männer und 52 Jahren für Frauen, naheliegend). Die Association hat in diesem Jahr erstmals mit Viehmästung begonnen, 20 Kühe und einen Stier haben sie in 3 Monaten so rausgefüttert, dass sie sie anschließend mit einem kleinen Gewinn für jede beteiligte Frau und einem Zuschuss in die Kasse verkaufen konnten. Aber für die Anschaffung von neuen Kühen reicht es nicht und es ist auch nicht die Zeit dafür. Man muss das dann machen, wenn das Fleisch knapp wird, also gegen Ende der Trockenzeit verkaufen, erklären sie, sonst kann man damit nichts verdienen. In der Zeit ohne Kühe wollen sie Gemüse trocknen, aber fehlt es am Trockengerät. Es gibt sehr gute Modelle, die mit Sonnenenergie betrieben werden und durch einen Staubschutz hohe Qualität gewährleisten. Das Problem beim direkten Trocknen in der Sonne – das ist das übliche Verfahren – ist halt der Staub und Sand, der dann vor der Verarbeitung im Haushalt erst mal rausgesiebt werden muss. Damit werden diese Produkte für den „anspruchsvolleren“ Markt von Bamako, Segou, Sikasso oder Gao unattraktiv, denn dort gibt es auch Zugang zu Importprodukten, deren Qualität als durchweg höher gilt (und es erfahrungsgemäß auch ist). Dann brauchen sie für den Aufbau dieser Produktion eine Schneidmaschine, bei Y-AG-TU, einer Frauen ONG aus unserem Programm habe ich ein schönes Modell für Handbetrieb gesehen, das macht vom Strom unabhängig. Und dann muss das Ganze noch verpackt werden, dazu wäre eine Plastikschweißmaschine gut, dann könnte man die Sachen auch nach Bamako verkaufen … davon träumen diese Frauen. Und wenn dann die Zeit wieder für die Kühe reif ist, dann machen sie wieder das. Und damit haben sie ein wenig eigenes Geld und ein wenig Unabhängigkeit und ihren Beitrag zur Familie geleistet.

Wir können nicht unmittelbar helfen, das wird auch nicht erwartet. Aber wir geben Hinweise, wie das Projekt beschrieben sein sollte, wohin sie sich noch wenden können und wir sagen zu, sie weiter zu begleiten.
Anschließend besichtigen wir den „Mastbetrieb“ – ein leeres Grundstück, mit einem Hangar, unter dem die Tiere Schatten finden. Jetzt ist er natürlich leer, alle Kühe sind verkauft. Aber im Herbst – also hier im Frühling, da soll es wieder losgehen.

 21.07.2006

In dieser Woche hatte ich Gelegenheit an einem Seminar über Aidsverhütung teilzunehmen. Es waren VertreterInnen der Dörfer geladen, Animateure und Animatricen und es wurden neue Arbeitsmethoden und Aufklärungsinstrumente diskutiert, um die Bevölkerung zu schützen.
Mali hat eine offiziell relativ geringe Prävalenzrate, allerdings wird eine hohe Dunkelziffer befürchtet. Vor allem Menschen, die viel herumkommen – und das sind hier nicht wenige - sind gefährdet und bringen die Krankheit dann heim in ihre Dörfer: HändlerInnen, LKW-Fahrer, Busfahrer, aber auch LehrerInnen, PolitikerInnen  und Geschäftsleute. Die Polygamie und der gelassene Umgang mit Sex als Handelsware tun ein Übriges. Erfahrene AIDS-Berater beschreiben, dass es grade beim grenzüberschreitenden Handel oft üblich ist, dass z.B. die Stoffhändlerinnen „ihren“ Zöllner haben oder die LKW Fahrer „ihre“ Köchinnen oder Übernachtungsmöglichkeit, wo dann halt in „Naturalien“ bezahlt wird. Da diese Begegnungen naturgemäß sporadisch sind, ist nicht klar, was zwischendurch passiert und das Risiko steigt für beide Seiten. Der Gebrauch von Kondomen wird intensiv beworben, in vielen Boutiquen gibt es sie, aber sie kosten halt auch Geld. Und der Aberglaube, dass dieser Schutz AIDS erst ins Land gebracht habe, ist auch noch weit verbreitet…
Eine besondere Zielgruppe sind die Mütter. Es wird vor allem auch geworben, sich testen zu lassen, denn bei Geburt und über Muttermilch kann AIDS ebenfalls übertragen werden. Die meisten Gesundheitszentren bieten auch AIDS-Tests an. Es wird dann noch eingehend diskutiert, wie eigentlich diejenigen weiter begleitet werden, deren Test negativ ist. Positiv getestete Personen werden – wenn in der Gegend vorhanden – in ein Behandlungsprogramm aufgenommen, in das auch die Familie mit einbezogen wird. Aber wer negativ getestet ist, wiegt sich in Sicherheit und es ist nicht üblich, den Test jährlich zu wiederholen. Auch möchte man diese Klientel gerne als Multiplikatoren und WerberInnen für die Tests gewinnen – nach dem Motto: „Seit ich mich testen ließ, fühle ich mich sicher“ – solche „Agenten“ sind vor allem an Busbahnhöfen, LKW Rastplätzen und in großen Städten tätig. Leider ist ihre Bezahlung miserabel, so dass ihre Motivation oft schon nach kurzer Zeit merklich nachlässt. Ganz schwierig ist es in den Dörfern. Hier müssen die Ältesten und Autoritäten gewonnen werden, um überhaupt über das Thema sprechen zu dürfen. Dann werden getrennte Versammlungen für Frauen, Männer und Jugendliche (auch wieder nach Geschlechtern getrennt) abgehalten. Denn es ist undenkbar, dass ein solch heikles Thema gemeinsam angegangen wird.

Mal wieder 4 Tage in Sévaré – es hat noch immer nicht geregnet, aber am dritten Tag werden plötzlich am frühen Abend im Hotel sämtliche Fenster geschlossen – ich unterbreche meine Französischübungen und schaue raus, eine riesige rote Staubwand nähert sich mit unglaublicher Geschwindigkeit, es wird schlagartig dunkel, obwohl es erst 18.00 Uhr ist – die Hotelbesatzung mit Freunden und Gästen hat im Aufenthaltsraum den Fernseher eingeschaltet und so warten wir die 2,5 Stunden, die Sturm und Gewitter dauern. Anschließend findet sich in der Hotelrezeption eine ca. 15 cm hohe rote „Düne“. Obwohl ich das Fenster geschlossen hatte, ist mein Zimmer mit einer feinen Staubschicht überzogen und ich selbst habe großen Bedarf nach einer Dusche …

Auch in Bandiagara hat es viel geregnet und mein Hof ist jetzt ein grüner Garten. Guindo und Luc hatten gefragt, ob sie auf meinem riesigen Gelände etwas anbauen dürfen, ich hab noch Samen beigesteuert und so sprießen da jetzt Erdnüsse (von denen ich schon immer mal wissen wollte, wo und wie sie wachsen – unterirdisch!), Mais, Hirse, Kürbis, Gurken und Minze.

Der Papayabaum überragt fast das Haus, obwohl er im Dezember erst 20 cm hoch war. Wenn Wasser da ist, wächst hier alles im Überfluss, es kommt halt zu selten und dann wieder oft zu heftig.

Der Regen hat die Müllkippe gegenüber von GAAS Mali in einen mittelgroßen See verwandelt, an dessen Rändern die Kinder spielen und wo die Tiere trinken. Ich glaube, dass viele Menschen derzeit hier Magen-Darm-Probleme haben, hängt mit dem Beginn der Regenzeit zusammen. Es gibt keine Kanalisation, üblich sind offene Löcher oder Tonbehälter auf Höhe des Weges zwischen den Häusern, wohin die Abwässer geleitet werden. Regnet es nun, laufen diese Behältnisse über, das Abwasser vermengt sich mit dem Frischwasser, alles landet letztlich im Brunnen und damit in der Trinkwasserversorgung, die „natürlich“ ohne Kläranlage auskommt. Ich habe das Glück, den Brunnen bei meiner Nachbarin mitnutzen zu können – und ich filtere das Trinkwasser nochmals mit einem Ton-Silber-Ionenfilter (sauteuer die Dinger und nur im Fachhandel in Europa zu haben), daher habe ich bisher keine solchen Probleme. Aber viele – vor allem malische Kollegen und Kolleginnen, hat es inzwischen schon ereilt. Es gibt dann Medikamente (wenn gerade Geld im Haushalt ist), 2 oder 3 Tage Ruhe und dann muss es halt wieder gehen…

Nach dem ersten Regen am 21.06.2006Mit dem Regen beginnt hier die Pflanzzeit, jeden Morgen fahren die Bauern auf Eselskarren und Fahrrädern zu ihren Feldern. Da wird mit dem Stier gepflügt, in großen Gruppen gehackt und da werden die kleinen Parzellen vorbereitet, auf denen hoffentlich bald Hirse, Mais, Erdnüsse und Gemüse sprießen. In Bandiagara regnet es mit schöner Regelmäßigkeit, leider immer vorher mit einem kräftigen Sandsturm verbunden, der alle Versuche, das Haus propper zu halten in Minutenschnelle zu nicht macht. Nur knapp 60 km weiter nordwestlich in Sévaré, dagegen warten alle sehnsüchtig auf Regen. Auf der Fahrt dorthin kann ich jetzt Flüsse, Bäche und kleine Tümpel sehen, in denen sich Kinder vergnügen, Frauen Wäsche waschen und die vielen Tiere ihren Durst löschen. Aber so ca. 15 km vor Sévaré sieht es noch immer aus wie in der Hochzeit der Trockenzeit – Steppe und Staub, laubfreie Bäume. Es gibt hier eine besondere Art von Bäumen, die in der Trockenzeit viel Grün haben, sie sind dann die einzigen Schattenspender. Sobald der Regen beginnt, werfen sie ihre Blätter ab, dafür wird ringsum alles grün. Dann gibt es noch die Flammenbäume, die in der größten Hitze bildschöne leuchtendrote Blüten bekommen – und zwar nur diese Blüten, ansonsten sind sie kahl und leuchten schon von weitem – flammendrot.
Auf der Rückfahrt von Bamako, wohin ich zur Verabschiedung meiner Freundin einen Wochenendtrip gemacht hatte, sind wir zwischen Sán und Sévaré in einen unglaublichen Regenguss geraten, blitzschnell hatten sich Steppe und Piste zu einer Wasserfläche vereinigt, es schüttete, dass man nicht die Hand vor Augen sehen konnte. Aber kurz vor Sévaré – wie abgeschnitten, war der Spuk vorbei.
Vor der Reise nach Bamako hatte ich Gelegenheit an einem Seminar teilzunehmen, wo sich (erstmals) die religiösen Führer der Region trafen, um über das Thema „Frauenbeschneidung“ zu sprechen. Eine überwiegend männlich besetzte Runde von ca. 25 Personen, Muslime, Christen und Animisten. Vorbereitet wurde die Veranstaltung von einer örtlichen ONG, GAAS Mali in Zusammenarbeit mit PLAN Mali und den Centre Djoliba, dem Bildungsträger aus Bamako. Mit einem wirklich hervorragenden und super präsentierten Konzept wurden die Teilnehmer an das heikle Thema herangeführt. Am dritten Tag wurde ein gemeinsamer Arbeitsplan erstellt, dieses Arbeitsfeld braucht viel viel Zeit, denn ein „Brauch“, der so verwurzelt in einer Gesellschaft ist, lässt sich nicht per Beschluss abschaffen. Die malische Regierung arbeitet seit Jahren an einem Gesetzentwurf für ein Verbot, aber es reicht nicht, das festzuschreiben, es kommt auf die Überzeugungsarbeit an der Basis an.

Mit einer Kollegin besuche ich die Frauengruppe im 4. Quartier von Bandiagara. Ca. 25 Frauen haben sich mit uns im Hotel Falaise getroffen, der Ehemann der Präsidentin ist mitgekommen, um zu übersetzen (obwohl sie ganz gut französisch spricht, wie wir hinterher im „informellen Teil“ feststellen, aber das ist hier halt so). Jedenfalls stellen sich erst mal alle vor, viele Junge, aber auch einige meiner Altersklasse, und das sind hier dann schon richtig alte Frauen (bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 46 Jahren für Männer und 52 Jahren für Frauen, naheliegend). Die Association hat in diesem Jahr erstmals mit Viehmästung begonnen, 20 Kühe und einen Stier haben sie in 3 Monaten so rausgefüttert, dass sie sie anschließend mit einem kleinen Gewinn für jede beteiligte Frau und einem Zuschuss in die Kasse verkaufen konnten. Aber für die Anschaffung von neuen Kühen reicht es nicht und es ist auch nicht die Zeit dafür. Man muss das dann machen, wenn das Fleisch knapp wird, also gegen Ende der Trockenzeit verkaufen, erklären sie, sonst kann man damit nichts verdienen. In der Zeit ohne Kühe wollen sie Gemüse trocknen, aber fehlt es am Trockengerät. Es gibt sehr gute Modelle, die mit Sonnenenergie betrieben werden und durch einen Staubschutz hohe Qualität gewährleisten. Das Problem beim direkten Trocknen in der Sonne – das ist das übliche Verfahren – ist halt der Staub und Sand, der dann vor der Verarbeitung im Haushalt erst mal rausgesiebt werden muss. Damit werden diese Produkte für den „anspruchsvolleren“ Markt von Bamako, Segou, Sikasso oder Gao unattraktiv, denn dort gibt es auch Zugang zu Importprodukten, deren Qualität als durchweg höher gilt (und es erfahrungsgemäß auch ist). Dann brauchen sie für den Aufbau dieser Produktion eine Schneidmaschine, bei Y-AG-TU, einer Frauen ONG aus unserem Programm habe ich ein schönes Modell für Handbetrieb gesehen, das macht vom Strom unabhängig. Und dann muss das Ganze noch verpackt werden, dazu wäre eine Plastikschweißmaschine gut, dann könnte man die Sachen auch nach Bamako verkaufen … davon träumen diese Frauen. Und wenn dann die Zeit wieder für die Kühe reif ist, dann machen sie wieder das. Und damit haben sie ein wenig eigenes Geld und ein wenig Unabhängigkeit und ihren Beitrag zur Familie geleistet.
Wir können nicht unmittelbar helfen, das wird auch nicht erwartet. Aber wir geben Hinweise, wie das Projekt beschrieben sein sollte, wohin sie sich noch wenden können und wir sagen zu, sie weiter zu begleiten.
Anschließend besichtigen wir den „Mastbetrieb“ – ein leeres Grundstück, mit einem Hangar, unter dem die Tiere Schatten finden. Jetzt ist er natürlich leer, alle Kühe sind verkauft. Aber im Herbst – also hier im Frühling, da soll es wieder losgehen.

Mal wieder 4 Tage in Sévaré – es hat noch immer nicht geregnet, aber am dritten Tag werden plötzlich am frühen Abend im Hotel sämtliche Fenster geschlossen – ich unterbreche meine Französischübungen und schaue raus, eine riesige rote Staubwand nähert sich mit unglaublicher Geschwindigkeit, es wird schlagartig dunkel, obwohl es erst 18.00 Uhr ist – die Hotelbesatzung mit Freunden und Gästen hat im Aufenthaltsraum den Fernseher eingeschaltet und so warten wir die 2,5 Stunden, die Sturm und Gewitter dauern. Anschließend findet sich in der Hotelrezeption eine ca. 15 cm hohe rote „Düne“. Obwohl ich das Fenster geschlossen hatte, ist mein Zimmer mit einer feinen Staubschicht überzogen und ich selbst habe großen Bedarf nach einer Dusche …

Auch in Bandiagara hat es viel geregnet und mein Hof ist jetzt ein grüner Garten. Guindo und Luc hatten gefragt, ob sie auf meinem riesigen Gelände etwas anbauen dürfen, ich hab noch Samen beigesteuert und so sprießen da jetzt Erdnüsse (von denen ich schon immer mal wissen wollte, wo und wie sie wachsen – unterirdisch!), Mais, Hirse, Kürbis, Gurken und Minze.
Der Papayabaum überragt fast das Haus, obwohl er im Dezember erst 20 cm hoch war. Wenn Wasser da ist, wächst hier alles im Überfluss, es kommt halt zu selten und dann wieder oft zu heftig.