November 2006


Bandiagara 

Schade, dass doch immer nur wenig Zeit bleibt, mal das Dogonland zu erkunden. Diesmal sind wir mit Sibiri nach Sangha gefahren, nach Banani abgestiegen und nordwärts Richtung Koundou, Youga gelaufen. Die drei Youga-Dörfer liegen über drei Felsformationen verstreut, sie sind sehr viel ärmlicher und rückständiger, als die Dörfer Richtung Süden. Vor allem die höher gelegenen sind weitestgehend verlassen, nur noch wenige Menschen leben hier. Mit dem Bau von Brunnen und Pisten sind die meisten BewohnerInnen in die Ebene gezogen, die winzigen Felder hier oben gaben letztlich auch zu wenig her. Gespenstisch wirken die verfallenen Banco Ginnas, die sich früher wohl mal lebendig in die Felslandschaft eingefügt hatten. Da und dort noch ein halbleerer Wassertümpel, kaum noch Tiere und riesige alte Baobabbäume, ein gewisses Gefühl von Unwirklichkeit erfasst mich. Landschaftlich ist es ebenfalls anders – zwischen den Felsen gibt es sandige Ebenen und dann wieder ein Hochplateau und viel viel Fels und Kletterei. Auch wenn meine Kondition nun doch schon etwas gelitten hat – es macht Spaß mit Verena und wir sind jeden Abend gut müde. Wir schlafen auf dem Dach, es wird jetzt doch sehr kühl nachts, letztlich zieh ich alles an, was ich dabeihab, dann geht’s. Nächstes mal muss ich einen Schlafsack mitnehmen. Die Campements sind einfach, aber sauber, es gibt wechselnd Reis, Spaghetti oder Fonio mit Sauce und im letzten Campement abends noch eine Party mit Trommeln, Tanz und interessant riechenden Rauchwolken … Die letzten 14 km zurück nach Sangha führen über eine Hochebene, kaum ein Mensch begegnet uns. Nach einem guten Mittagessen bringt uns das Auto zurück nach Bandiagara, wo das ganze Wochenende getrommelt und getanzt wird – es ist Erntedankfest und die kandadische Botschafterin zu Gast – von Freitag Abend bis Sonntag Mittag gehen die Feierlichkeiten.   

 

Bamako 

 

Fast hätte ich es verbaselt – mein Visum ist gestern abgelaufen, zum Glück fiel es mir Ende letzter Woche auf – also wieder mal Bamako – für die Verlängerung ist persönliches Erscheinen erforderlich. Das DED Büro hat alles prima vorbereitet, Madame Diarra händigt mir die nötigen Papiere aus, ich lasse noch 4 Fotos machen und auf geht’s zur Ausländerbehörde. Alles wird geprüft und ich kann am Freitag Morgen die Papiere abholen, verlängert bis 20.11.2007! 

Den Wochenanfang hatte ich in Sévaré verbracht, wir haben für unsere Partnerorganisationen eine EDV Schulung organisiert. Das Gymnasium Dicko in Sévaré hat mit einer Schweizer Organisation einen EDV-Raum eingerichtet, nach dem sich wohl auch in Deutschland manche Schule die Finger lecken würde … Netzanschluss, modernste Geräte und der Direktor ist sehr begeistert, dass er die Schuleinnahmen über unsere Nutzungsgebühr ein wenig aufbessern kann. Allerdings müssen wir unseren Seminarverlauf dem Schulalltag anpassen: Zwischen 12.00 und 15.00 Uhr ist die Pause für den Schülerwechsel – hier findet der Unterricht vormittags und nachmittags schichtweise für parallele Klassen statt – können wir den Saal nutzen. Ist zwar die größte Mittagshitze, aber da der Raum klimatisiert ist, kommen wir gut klar. 

Den zweiten Tag kann ich dann leider nicht mehr mitmachen, spontan und über Nacht werde ich zu Chauffeurin und Berichterstatterin für die Delegation der Kreditanstalt für Wiederaufbau (kfw). Damit kann ich den LeserInnen dieser website nun einen Einblick in eines der ältesten deutschen Entwicklungsprojekte in Bandiagara geben: 

 

„KFW Vorstand im Dogonland 

 

Das Dogonland in Mali ist eine Region, die in erster Linie durch Landwirtschaft gekennzeichnet ist. Das bedeutet vor allem Abhängigkeit von den Ernteerträgen, die wiederum vom Wetter abhängen. Vor allem Wasserversorgung und Infrastruktur sind als Basis unentbehrlich.  Die recht kurze Regenzeit (3 Monate) beschert heftige Regenfälle und Wassermengen, die mindestens einen Erntezyklus erlauben, allerdings versickert und verdunstet das Wasser sehr schnell wieder. 

Vor diesem Hintergrund baut und unterhält das Projet de Rehabilitation des Barrages et Pistes (PRBP) seit 1989 vor allem Kleinstaudämme und Pisten in der Region. Die Staudämme ermöglichen einen bis zwei weitere Erntezyklen, die Pisten gestatten einen besseren Transport der Produkte zu den Märkten. Beim PRBP handelt es sich um eine Kooperation aus KFW, deutschem Entwicklungsdient (DED) und Direction Nationale Agriculture (DNA) Mali. Eine langjährige Zusammenarbeit, die sehr gute Ergebnisse zeitigt. So wurden der Bau von 56 Kleinstaudämmen und die Rehabilitierung von weiteren 66 gesichert. 80 km Regionalstrassen und ca. 170 km Zugangspisten für Dörfer wurden darüber hinaus geplant und realisiert. 

Vor allem für Kleinstaudämme interessierte sich die hochkarätige Delegation der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die in Zusammenarbeit mit der Weltbank die Finanzierung der Maßnahmen im Dogonland sicherstellt. Herr Kroh, Vorstand für finanzielle Zusammenarbeit; Herr Wenn, Verantwortlicher für Afrika; Herr Schön, Verantwortlicher für Westafrika sowie Herr Ganaba, Büroleiter der KFW Mali wurden unter Leitung von Herrn Eberhard, Direktor des DED Mali, in Mopti von Herrn Diakite, Chef de Projet Mali und Herrn Voss, Projektleiter DED empfangen. 

In der Präsentation des PRBP wurden beispielhaft 3 Kleinstaudämme, ihre technischen Daten und ihre Auswirkungen dargestellt. Gemeinsam ist allen, dass sie zur Hebung des Grundwasserspiegels beitragen und damit den Ausgleich mangelnder Ernten ermöglichen. Sie tragen zum Abbau der Landflucht und Verringerung der Armut der ca. 1600 Einwohner und Einwohnerinnen aller drei Dörfer bei. Während der Kleinstaudamm Andioumbolo, Gemeinde Soroly, Landkreis Bandiagara, eine Verfügbarkeit des Wassers bis zum Monat März gewährleisten kann, sichert der Kleinstaudamm Golgou Diambi, Gemeinde Dandoly, Landkreis Bandiagara, den Rückhalt des in den Monaten Juli bis Oktober abfließenden Wassers und damit die ganzjährige Verfügbarkeit von Wasser für die Landwirtschaft und Viehhaltung. Unterschiede ergeben sich vor allem durch die landschaftlichen Gegebenheiten, die Regenfälle und den Unterhaltungsstandard. 

Beeindruckend ist, wie es nach langer Pistenfahrt durch steppenartiges Gelände plötzlich grün wird und auf winzigen, liebevoll gepflegten Feldern Zwiebeln, Süsskartoffeln, Kürbis, Paprika, Tomaten, Kartoffeln, Auberginen, Salat und Gurken zu sehen sind. In einigen Regionen ist es durch das Barragenwasser gar möglich, Mangobäume heranwachsen zu lassen. 

Die Delegation der KFW besuchte u.a. den Kleinstaudamm Gondoguinédoulou, in der Gemeinde Wadouba, Landkreis Bandiagara. Der Staudamm befindet sich ca. 30 km östlich von Bandiagara und 4 km nördlich der Piste Bandiagara Sangha. 

Der Bürgermeister der Gemeinde, die Repräsentanten der zugehörigen Dörfer und zahlreiche Dorfbewohner bereiteten der Delegation einen überwältigenden Empfang. Bei einer gemeinsamen Besichtigung des Kleinstaudammes wurden die technischen Details erläutert, die Ernteergebnisse beschrieben und die Arbeit des Instandhaltungskomitees vorgestellt. 

Die Staumauer ist 78 m lang, das Speichervolumen beträgt 42.238 Kubikmeter. Bei einem Jahresniederschlag von 501 mm und einer Jahresverdunstung von 2.350 mm ist eine solche Speicherkapazität für ein Einzugsgebiet von 30 km beachtlich. Die Kosten eines solchen Kleinstaudammes belaufen sich auf ca. 38.000 €, die Unterhaltung kostet pro Jahr ca. 1.500 €. Der Beitrag der Dorfbevölkerung macht knapp 20  % der Kosten aus. 

In seinem Grußwort betonte der Bürgermeister, welche weit reichenden Folgen die Kleinstaudämme für die Region haben, wie sich wieder Perspektiven für die Jugendlichen eröffnen und die bessere Vorsorgung Auswirkungen auf Bildung und Gesundheit hat. Herr Kroh, als Leiter KFW Delegation, verdeutlichte, dass man von den Ergebnissen der Zusammenarbeit beeindruckt ist, vor allem was die Beteiligung der Dorfbevölkerung betrifft. Dabei verwies er auf das Instandhaltungskomitee und überreichte ein Gastgeschenk. 

Mit einer Dogonschnitzarbeit und energiegeladenen Maskentänzen wurden die Besucher verabschiedet und setzten ihre Reise nach Kani Kombole fort, wo sie mit einem Sundowner am Fuß der Falaise den Tag ausklingen ließen.“ 

 

Heute Abend hole ich dann meine Freundin Verena aus Genf am Flughafen ab, sie hat leider nur eine Woche Zeit, aber ich freu mich riesig – habe 3 Tage Urlaub genommen und will mit ihr in der Falaise wandern gehen.  Jetzt geht das mit Urlaub noch, im Dezember und Januar wird es schwierig werden – Abrechnungen, Jahresberichte, Vorbereitung der Vollversammlung – also ich freu mich auf den Kurzurlaub! 

 

Wie die längerfristigen Auswirkungen von Projektarbeit sind, konnte ich bei einer Projektevaluierung mit einer deutschen Partnerorganisation kennen lernen. Ausgestattet mit einem Fragenkatalog zu Hygiene- und Einkommensverbesserungsprojekten besuchen wir in 2 Tagen 4 Dörfer, um mit zwei malischen Kollegen die Ergebnisse einzelner Projekte, die letztes Jahr abgeschlossen wurden, zu evaluieren.  Dabei zeigt sich, dass konkrete Projekte – damit sind solche gemeint, wie z.B. eine Minibarrage am Fuße eines Wasserfalles, die das Ausspülen der Felder verhindert, oder die Anschaffung einer Pinasse, um die gefangenen Fische zu vermarkten, offenbar längerfristige Wirkungen zeitigen, als „reine Bildungsprojekte“. 

Die Instandhaltung der Barrage, die Beratungen darüber, wer wann die Pinasse benutzt, der Zugang zu den Augentropfen im Zusammenhang mit Hygieneprojekten, führen dazu, dass die Assoziationen weiter zusammenarbeiten, dass neue Wege der Entscheidungsfindung gesucht werden und auch neue Projektideen entstehen. Tragisch sind dann aber solche Folgen, wie bei der Barrage: Die Tatsache, dass die Felder nicht mehr ausgeschwemmt werden, ermöglicht theoretisch eine zweite und womöglich dritte Hirseernte. Leider hat sich gezeigt, dass spätestens während der zweiten Phase, bei der dritten dann massiv, eine gefräßige unterirdische Insektenpopulation, deren Namen ich wieder vergessen hab, sich über die mühsam angelegten und gepflegten kleinen Felder hermacht – diese Ernten also äußerst bescheiden ausfallen. Helfen würde jetzt also ein Projekt zur Bekämpfung dieser Insekten ….