Dezember 2006


Alle helfen beim Gemüseschnipseln und Fete vorbereiten, dann ergibt sich für die Gäste die Möglichkeit, noch ein Dorf zu besuchen. Also sitz ich plötzlich allein mit dem ganzen Gemüse da … es beschleicht mit Zweifel, ob ich das für 40 Personen alles so hinkriege – selbstverständlich haben auch die KollegInnen zugesagt, etwas mitzubringen, aber wird es reichen? Wird alles klappen? Werden sich alle vertragen? Die Einladungsliste geht quer durch alle Schichten und Ethnien – andererseits, ist doch klar, dass die „Weißnasen“ nicht genau wissen, wen man mit wem einladen kann/darf?!
Rettung naht: Ich frage Margret, ob sie Zeit hat und wir bereiten gemeinsam, beschaulich und gemütlich das Silvesterbuffet vor.

Tabaski

Tabaski ist das Opferfest zu Gedenken von Abraham, der von Gott aufgefordert wurde, seinen Sohn Jacob zu opfern. Er bereitete alles vor und in letzter Minute erhält er die Offenbarung, dass sein Wille, das Opfer zu bringen, akzeptiert wurde, es aber nicht erforderlich ist, den Sohn wirklich zu töten, sondern dass es stattdessen auch ein Schaf sein darf. Daher heißt Tabaski auch „Fest des Schafes“. In Haushalten, die es sich leisten können, werden je nach Personenzahl ein oder mehrere Schaf/e rituell durch den Hausherrn geschlachtet und das Fleisch an die bedürftigeren Nachbarn und Bekannten im Dorf verteilt.
Uli ist sehr interessiert an dem Ritual und Daou lädt ihn ein, nach seinem Besuch in der Moschee um 6.00 Uhr so gegen 8.00 Uhr zur Schlachtung zu kommen und Fotos zu machen – Frauen haben da nichts zu suchen, wir dürfen uns abends Ulis Fotos anschauen. Also für vor dem Frühstück schon beachtlich, andererseits wird dem Opfertier auch mit einer Würde gegenübergetreten, die es sonst im Umgang mit (”Nutz-”)tieren nur noch selten gibt. Es muß übrigens - zumindest in Bandidagara - auch ein gelernter Metzger anwesend sein, damit das Tier anschließend fachgerecht zerlegt wird. Das kann nun nicht jeder Hausherr können …
Im Laufe des Vormittags kommt mein Kollege Sekou vorbei und bringt eine große Platte mit Huhn und Reis und Sauce, ich weiß gar nicht, wie mir geschieht, aber er meint: „Du hast erzählt, Du hast viele Gäste, da ist das mit dem Kochen doch nicht so einfach“ – ich bedanke mich gerührt und lade ihn noch mal zur Silvesterfete ein. Später fällt mir ein, dass ich ihm aus Deutschland einen walkman mitgebracht hatte, als Praktikant hat er natürlich kein Geld und das ist jetzt sein Dankeschön.
Zu Mittag brauchen wir uns übers Essen keine Gedanken machen, denn Daou hat uns zum Tabaski-Essen eingeladen – immerhin 5 Personen, sein Kollege Alpha, der Deutschlehrer, der sich freut, seine hervorragenden Kenntnisse bei „Native Speakers“ einzubringen, ist auch noch gekommen. Wie es Tradition ist, speist der Hausherr mit den Gästen, während die Frauen und Kinder sich in „ihrem Teil“ des Hofes aufhalten. Das Hammelragout ist sehr lecker, wir versuchen, „afrikanische Portionen“ abzuwehren, denn für die gerade eingereisten Gäste sind solche prall gefüllten Teller in der Hitze schlicht zu viel und wir haben auch noch die Frauen und Kinder im Hinterkopf, die die Arbeit damit hatten und anschließend auch essen wollen.
Daou und Alpha erzählen von den Problemen ihrer Schule, ein Gymnasium, das erst 3 Jahre alt ist und deshalb immer wieder auf bestimmte staatliche Unterstützungen warten muss. Sie sind beide sehr engagierte Lehrer und lassen sich auch doch monatelange Verzögerungen ihrer Gehaltszahlungen nicht demotivieren.
Nach dem „obligatorischen“ Tee in drei Gängen bedanken wir uns herzlich bei Doumba, Daous Frau, für das leckere Essen und kaufen noch Limo, Bier und allerlei Zutaten für die morgige Party ein. Zum Abendessen gibt es die Hühnerplatte, die sehr lecker ist.

Nun ist sie eröffnet – die Gästesaison im Dogonland. Gleichzeitig steht viel Arbeit zum Jahresabschluss an: Berichte, Evaluation, Abrechnungen etc. Beate, Anke, Malene und Uli sind angekommen und weil mein Haus doch recht klein ist, hat Daou angeboten, Malene und Uli bei sich wohnen zu lassen. Das ist den beiden auch recht, erleben sie doch hautnah afrikanischen Alltag.
Nebenbei laufen die Vorbereitungen für Tabaski (30.12.) und unsere Silvesterfete, die in diesem Jahr auf meinem großen Hof mit malischen FreundInnen, KollegInnen und selbstverständlich den ded KollegInnen und allen anwesenden Gästen stattfinden soll.

Sollte ich es vor Weihnachten nicht schaffen, noch mal was ins Netz zu setzen, wünsche ich nun vorsorglich heute schon mal allen Leserinnen und Lesern schöne und geruhsame Feiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Ich bedanke mich für die vielen e-mails und die liebe Post, die mich durch dieses Jahr begleitet haben, für die schönen Begegnungen bei meinen Besuchen in Deutschland und hoffe, dass ich weiter mit Euch in Kontakt bleiben kann.  Allen, die reisen wollen, eine gute Fahrt und die die hierher kommen, seien herzlich willkommen!  

Das war dann jetzt für dieses Jahr hoffentlich die letzte Tour nach Bamako. Mitwirkungsausschuss, Abrechnungsangelegenheiten, Berichte, Koordinationsgespräche für die Planungen im nächsten Jahr. Zum Glück sind wir zu zweit unterwegs, so dass wir uns beim Fahren abwechseln können. Beim Einkauf im Azar plötzlich eine Art „Kaufrausch“ – ich erwarte einige BesucherInnen und habe mir einen wunderschönen kleinen Bücherschrank mit Vitrine zimmern lassen – schon spannend genug, die Glastüren nach Bandiagara zu transportieren, jetzt finde ich plötzlich, dass da auch Sektgläser reingehören, Luxus wie Schokolade, Kerzen und Champingons müssen mit – der Supermarkt hat einfach auch ein vorweihnachtlich supergroßes Angebot ….  Schließlich auf der Strecke noch Apfelsinen, Annanas und Gemüse eingekauft – schon sind die 10 Stunden Fahrt wieder rum. Auf dem Hinweg haben wir uns diesmal einen Zwischenstopp in Segou gegönnt, bei einem Kollegen können wir übernachten und so verbringen wir einen schönen Pizza-abend im Hotel Esplanade am Fluss, wo es dann aber auch schon wieder kühl wird … das heißt es geht so auf 22 bis 18 Grad runter, neulich hatten wir morgens gar nur 13 Grad. Tagsüber wird es um die 30 Grad. Dieser Unterschied ist dann schon in gewisser Weise anstrengend.  

Langsam fangen wir mit unseren Überlegungen für die Feiertage an, einige bekommen Besuch, andere fahren weg, wir werden sehen, was sich ergibt. In diesem Jahr fallen das Tabaskifest und Silvester zusammen, da sind jetzt schon wieder alle sehr damit beschäftigt entsprechend einzukaufen und vorzubereiten. Schließlich kann man da nicht in der gleichen Kleidung auftauchen wie vor 6 Wochen beim Zuckerfest – manche Sachen sind einfach weltweit immer wieder ähnlich! Ich hatte in Bamako Glück, ein kleiner Schneider um die Ecke vom Büro hat mir aus Dogonstoff eine hübsche Bluse genäht, als ich sie abholen will, entdecke ich ein schönes festliches Kleid (das ist auch „europatauglich“), 3-teilig aus weichem Baumwollstoff – für knapp 30 € kann ich da doch nicht wiederstehen. Mit meinem extra eingefärbten Stoff hatte ich weniger Glück. Eine Kollegin hat mir eine Kombination aus Hose und Bluse entworfen – ein senegalischer Schneider sollte das Ganze dann herstellen. Ist auch hübsch geworden, leider hatte er beim Aufnähen der Bordüre die Sache mit dem Nähmaschinenöl nicht richtig im Griff, so dass erst mal Waschen und Fleckentfernen angesagt war. Konfektionskleidung gibt es nur wenig und praktisch nur in Bamako, außerdem ist sie – wenn es Neuware ist – sehr sehr teuer. Da ist dann Kreativität gefragt, ich habe – ähnlich wie etliche Kolleginnen – einen afrikanisch-europäischen Mischstil entwickelt. Mit der Zeit zeigt sich auch, welcher Schneider einen guten Blick für das hat, was zu einer passt, es ist eine sehr individuelle Angelegenheit, die mir viel Spaß macht und eben auch im Straßenbild viel lebhafter ist, weil eben jede/r seine/ihre sehr individuelle Kleidung hat.   Also in dieser Hinsicht können die Feste dann kommen.