Januar 2007


Die beiden sind pünktlich angekommen, diesmal keine Buskatastrophen oder unerwünschte Aufenthalte. Einen Riesenkoffer mit Geschenken und bestellten Sachen haben auch sie dabei und ich muss mir nach der „BesucherInnensaison“ mal Zeit nehmen, um alles zu sichten und zu entscheiden, was für wen ist.
Wir treffen uns abends im Hotel Falaise mit Papa Napo, um die Einzelheiten unserer Reise zu besprechen – es gibt leckeres Essen, wie immer, und wir freuen uns sehr auf die Tour.

Bandiagara

Und noch ein Wochenende durchgearbeitet – aber ein umfangreicher EU-Antrag rechtfertigt das und es kann gut sein, dass GAAS Mali tatsächlich den Zuschlag bekommt.
Christine und Horst sind schon abgereist, Christa noch ein paar Tage geblieben, sie hat die Zeit genutzt, sich hier über Entwicklungsprojekte zu informieren und ist ganz angetan, was uns natürlich freut.
Nun erwarte ich Conny und Margret, die ja letztes Jahr schon hier waren und wir wollen endlich die Timbouctou Reise machen, die wir damals verschoben haben. Der Urlaubsantrag ist unterschrieben, wie immer sind die Tage vor dem Urlaub stressig, insgesamt werde ich wohl den ganzen Februar hindurch unterwegs sein.

Hombury/Douentza

Den letzten Tag beginnen wir mit einer Besichtigung des alten Hombury, oberhalb der Neubauten, die sich an der Straße angesiedelt haben, liegt das alte Dorf. Es hat eine völlig andere Architektur als die Dogondörfer, die Häuser sind eher in sich geschlossen, sie sind größer und quadratisch und haben eine Art „Empfangsraum“ weshalb auch nicht wie gewohnt Leute vor den Häusern sitzen.
Anschließend Fahrt zur Main de Fatma, eine Felsformation, die immerhin bis zu 1.200 m aufragt und aus bestimmten Perspektiven wirklich wie die berühmte Hand Fatimas, die es in vielen arabischen Ländern als Schmuckstück gibt, aussieht. Allerdings lernen wir jetzt erst mal, dass die ganze Formation so heißt, denn es gibt eine Legende von der schönen Fatima, die durch die Benennung der Felsen unvergessen bleiben soll.
Dann umrunden wir in ca. 3 Stunden den Fuß des Berges. Es ist bei Europäern ein beliebtes Kletterziel, kann ich mir gut vorstellen, wirklich gute Abhänge und selbst auf unserer kleinen Tour anspruchsvolle An- und Abstiege.
Tja und dann geht’s wieder auf die Straße, im Campement in Douzena steht ein Mittagessen für uns bereit und dann zurück nach Bandiagara. Wir sind alle hochzufrieden und beenden diese schöne Reise mit einem opulenten Abendessen im Hotel Falaise.

Hombury

Heute Morgen heißt es früh aufstehen, wir wollen die Elefanten sehen, was nicht einfach ist, denn sie wandern täglich wechselnde Wege zu ihren Wasserstellen. Der Guide Madou verlangt einen horrenden Preis – wir teilen und können uns darauf einlassen. Er ist ein älterer Herr, der erzählt, dass er die Region rund um Douenza zu Fuß, per Kamel, mit 4×4 durchstreift hat und er die Wüste einfach liebt. Das merkt man auch an der Sicherheit, mit der er uns durch die Weite lotst.
2 Wasserstellen haben wir schon gesehen – sehr hübsch und immer mit Menschen und Tieren belebt – da stellt sich heraus, dass der Fahrer vergessen hat zu tanken. Wir sind 40 km von Douenza, sozusagen im Nichts und fragen uns, was wir jetzt machen sollen. Umsteigen auf Kamele und weiter nach den Elefanten suchen? Klar, dass unsere Anwesenheit nicht unbemerkt bleibt, ein junger Mann bietet an, Kamele zu besorgen, aber das kann dauern. Inzwischen ist es Mittag und wird langsam richtig heiß. Wir entschließen uns zur Umkehr und der Guide bietet an, nachmittags noch mal mit uns loszufahren. Bis auf 2 Liter ist der Tank geleert, als wir die Tankstelle erreichen – das hätte ungemütlich werden können.
Also gönnen wir uns ein Mittagessen, Horst testet seine Fähigkeit mit den Händen zu essen unter Anleitung von Papa Napo und dem Fahrer, wir schließen eine kleine Siesta an und gegen 16.00 h geht’s im Konvoi mit 3 weiteren 4×4 wieder los (2 französische Gruppen aus dem Campement). Der Weg kommt uns nun schon kürzer vor, plötzlich weist Madou nach links, wir biegen ab, sind aber das letzte Fahrzeug. Also anhalten und per handy die anderen informieren – ist schon witzig, diese Kombination aus purer Weite und Hochtechnologie …
Nach wenigen Minuten halten wir an und in der Senke vor uns sind sie dann, die Elefanten. Ich sehe allerdings erst mal gar nichts – bin ja kurzsichtig, muss also näher ran. Madou bedeutet uns leise zu sein und ihm dicht zu folgen, denn wenn der Wind unseren Geruch zu der Herde trägt, könnte deren Chef aggressiv werden. Bis auf ca. 50 m wagen wir uns heran, es ist beeindruckend, ich komm mir vor wie im Set für den Film Jurrassic Park – da wo Elefanten „weiden“ bleibt von der Vegetation nicht viel übrig, es sind ca. 50 Tiere, die sich gemütlich durch ein Wäldchen futtern. An der Wasserstelle waren sie offenbar schon, der eine oder andere nimmt eine „Sanddusche“ und die Kleinen halten sich dicht bei ihren Müttern.
Als es dämmrig wird, kehren wir zum Auto zurück, die Luft ist heute klar und die Hombury-Berge liegen im roten Abendlicht und laden zu Postkartenfotografien ein – wofür wir dann und wann noch mal anhalten.

Douentza

Nun hab ich bisher alle Wochenenden in diesem Jahr (das zugegebenermaßen noch jung ist) durchgearbeitet und da kann ich der Versuchung nicht widerstehen, mit Christa, Christine und Horst übers Wochenende nach Hombury zu fahren. Papa Napo, Besitzer vom Hotel Falaise, kommt auch mit, er will mal sehen, zu welchen Touren er seine Gäste so losschickt – ist ja schon wichtig, dass auf die gegebenen Empfehlungen dann auch Verlass ist. Mit von der Partie ist noch der Fahrer Douda, der uns in einem ehemaligen Projektfahrzeug, das noch die Aufkleber der Deutsch-malischen Freundschaft trägt, Richtung Douenza kutschiert.
Weil wir ja was sehen wollen, nehmen wir nicht die Teerstraße über Sévaré, sondern fahren Piste Richtung Sangha – da machen wir Zwischenstopp, um uns auf dem Markt noch mit Proviant und Wasser zu versorgen – und dann unterhalb der Falaise über Banani, Koundou, Yougas - immer entlang der Felskante, bis zum Ende dieser monumentalen Formation. Sie läuft ganz gemächlich aus, wird immer flacher, einzelne Hügelchen, tja und dann ist es plötzlich schon dämmrig und wir sind auf wieder wirklich flachem Land. Allerdings sind in der Dämmerung auch schon im diesigen Sanddunst die Berge von Hombury zu erahnen, ich hoffe sehr, dass das Wetter wieder klarer wird, habe ich doch schon von etlichen gehört, die in dieser Region Hammattanwetter hatten und praktisch nichts von der wunderschönen Landschaft gesehen haben.
Wir sind gut durchgeschüttelt, freuen uns aufs Abendessen und ein kühles Bier.

Termin in Sévaré, um Unterlagen für die Abrechnung zu vervollständigen – passt grade, weil Christine & friends schon seit gestern dort sind, sie haben sich mit Anke und den anderen im Hotel Mankante von Jutta getroffen, Erfahrungen ausgetauscht, abends zusammen mit Keita ein Bier getrunken – ich hatte leider keine Zeit, sie zu begleiten.
Sie haben liebevoll ins Gästebuch geschrieben und ich freu mich, dass es ihnen gefallen hat. So ist das mit Abschieden, auch wenn man sich erst flüchtig kannte, ist das Erleben hier noch von einer anderen Intensität.

Das haben sie denn auch gemacht, in den Youga-Dörfern gewandert und voller Energie zurückgekehrt. Ich mache mit den „Standardarbeiten“ weiter, der Projektantrag ist weg – In-schallah – werden wir den Zuschlag bekommen, dann geht die Arbeit natürlich erst richtig los …
Inzwischen haben sich Christine, Horst und Christa aus Bamako gemeldet, sie werden Ende der Woche hier ankommen, echt ausgebucht diese Saison. Daou hat mir schon eine „Touristenprämie“ angeboten …

Und gleich ging es weiter, zusätzlich zu den Arbeiten, die eh anstehen, läuft noch die Bewerbungsfrist für ein EU-Programm am 08.01.2007 ab – und da möchte GAAS Mali doch gerne dabei sein. Also arbeiten wir das Wochenende durch, damit die Projektbeschreibung nicht nur fertig, sondern auch gut wird.
Anke & friends sind begeistert und mit vielen Fotos aus dem Dogonland zurückgekehrt, sie wollen übers Wochenende Bandiagara erkunden und vielleicht nächste Woche noch mal losziehen.

Am späten Silvester Nachmittag sind die Gäste wieder da und steuern frisch importierte Luftballons bei – ab 19.00 Uhr geht’s rund und es geht bis weit nach Mitternacht. Etliche verabschieden sich mit „bis zum nächsten Jahr“ – es hat alles prima geklappt und viel Spaß gemacht. Das Essen ging ziemlich genau auf, alle KollegInnen hatten Leckereien mitgebracht, die Brochetten wurden pünktlich geliefert und so haben alle zum Gelingen des Festes beigetragen. Daou und Keita sind mit ihren Familien gekommen, leider mussten Doumba und Fatma schon gegen 22.00 Uhr aufbrechen, aber die Kinder hatten bis dahin tapfer durchgehalten (die kleinsten sind 2 Jahre und 6 Monate alt). KollegInnen, Gäste und FreundInnen mischten sich, Bandiagara, der beste Trommler des Ortes, ist mit seinem Freund gekommen, um uns vor seinem „offiziellen Auftritt“ im Hotel Cheval Blanche mit ihrer Musik zu erfreuen – später gibt’s dann Musik vom Band (mein CD-Player hat bereits vor dem Staub kapituliert, also muss der laptop herhalten, zum Glück hatte Verena im November dafür Lautsprecher mitgebracht).
Ich bin in diesem Jahr nun mal nicht zu beschaulichen Jahresabschlussgedanken gekommen …