Februar 2007


08.02.2007 auf dem Niger 

 

Ein sanftes „Bonjour Madame“ weckt uns am Morgen, schnell sind die Moskitonetze abgebaut, wir gehen an Bord, dort gibt es schon heißes Wasser, Tee, Kaffee, Fladenbrot, Marmelade und Nutella – was mich besonders begeistert (Hamar will mir auch verraten, wo es die in Mopti gibt). 

Die Fahrt geht jetzt Richtung Debou See. Wir machen Halt in Niafunke, wo Markttag ist und ein Kollege von Hamar erzählt, dass in der Nacht vorher von ihrem Schiff sämtliche Vorräte, einschließlich Benzin und Wasser, geklaut wurden. Einer der Hauptgründe, warum wir nur an menschenleeren Uferteilen halten. 

Niafunke ist der Geburtsort des berühmten malischen Musikers Ali Farka Toure. Im Kongreßzentrum (Campement mit Veranstaltungsraum, ehemals GTZ-Projekt), kommt M. Traoré und verkauft mir CDs, ich habe auch Bedarf an neuer Musik. 

Weiter geht es flussaufwärts, wir haben einen Motor, aber wir sehen auch Schiffe, die mit Menschen und Gütern beladen sind, die gestakt werden. Manche haben Segel gesetzt, um die Arbeit der Männer zu erleichtern. Es wird uns da schon mulmig mit unserem riesigen Luxusschiff. Hamar erklärt, dass es das gleiche wie mit den Autos ist: Entweder Touristen oder öffentlicher Transport. 

Vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir ein Bozodorf, wir legen gegenüber an, Musik schallt herüber, morgen ist Markttag, viele Boote kommen noch nach uns. 

Wir machen es uns an Land gemütlich und plaudern ein wenig. Hamar, 35 Jahre alt, gelernter Mechaniker, Koch, hat schon als Kind mit seinem Vater die Tour Timbouctou – Mopti gemacht. Jetzt führen seine drei Brüder und er das Geschäft weiter. Er ist Songhrai, kommt aus Timbouctou, lebt aber mit den Brüdern meist in Mopti. Seine kleine Tochter lebt in Timbouctou, er hofft bald eine eigene Familie gründen zu können, würde aber vorher gerne mal nach Europa reisen. Seine Ausrüstung auf dem Boot ist gut, vieles hat er von Freunden aus Europa geschenkt bekommen. 

 

Timbouctou/auf dem Niger Früh geht’s los, zum Hafen von Timbouctou. Dort erwartet uns ein Bruder von Papa Napo und macht uns mit unserem Pirogier und seiner Crew bekannt: Hamar, Sisse und Seckou. Wir verabschieden uns von Khalil und los geht’s! Also unser Boot: Natürlich viel zu groß für 3 bzw. 6 Personen (es gab eine Anfrage von 4 weiteren Touristen, aber unser Franzosendesaster hatte sich wohl schon rumgesprochen, so dass Hamar sich nicht traute, uns anzurufen … wir sinds zufrieden). Ein Außenbordmotor im hinteren Teil des Bootes, ein Ersatzmotor, eine Tonne mit Benzin, mehrere Kanister gleichen Inhalts im vorderen Teil. Dann gibt es noch die Bordküche in der Mitte des Bootes, sie besteht aus 2 Holzöfen, 3 Aluminiumtöpfen, einem Messer, Schöpflöffeln, einer großen Proviantkiste und drei Plastiktellern sowie Besteck. Nicht zu vergessen die Teekanne und das zugehörige kleine Teeglas. Hier wird mit direkter Wasserspülung gearbeitet. Eine Öffnung im Boden erlaubt einer gewissen Wassermenge ins Boot zu gelangen, wird sie zu groß muss le petit (der Jüngste der Crew) schöpfen… Zum Kochen selbst wird Trinkwasser aus Plastikflaschen verwendet. Ein gewölbter Sonnenschutz aus Strohmatten ist unentbehrlich, er bietet zugleich Gelegenheit die Gebete zu absolvieren und in den frühen Morgen- und Abendstunden gemütlich auf dem Bauch oder Rücken liegend oder eben sitzend über den Fluss zu schauen. Zwei Außenplanken ermöglichen es, das Toilettenhäuschen hinter dem Motor zu erreichen. Hier wird auch mit direkter Wasserspülung gearbeitet. Für mich reicht inzwischen eine 1,5 l Wasserflasche für eine Vollwäsche (inkl. Haare), wofür ich mich an dieses, allerdings aufgrund des Motorenlärms nicht besonders stille, Örtchen zurückziehe. Es geht durch flaches Wüstenland, über dem die Sonne glüht, durch den Fahrtwind ist es angenehm kühl. Dann ändert sich das Bild, es wird grüner, riesige Büffelherden rechts und links, dazwischen Dörfer, Songhrai und Bozo leben hier. Die Bozo, die Fischer, fast wie Nomaden. Wenn das Wasser niedrig ist, leben sie direkt am Fluss. Wenn es hoch ist auch, aber dafür müssen sie ihre Trockenzeitdörfer verlassen, denn der Niger steigt und fällt im Schnitt um ca. 7 m im Laufe des Jahres. Die Hütten wirken eher wie Zelte, nach der Regenzeit kommen die Menschen wieder und schauen, was davon noch übrig ist. Dann wird repariert oder neu gebaut – bis zur nächsten Regenzeit. Jetzt, zu Beginn der Trockenzeit, sind viele schon sehr nah an den Fluss herangerückt. Das ist an den Ufern auch gut zu beobachten, Bäume stehen auf ihren Wurzeln wie auf Stelzen. Wir halten bei einem Fischerdorf – nachdem uns schon ein Fisch ins Boot gehüpft war und Hamar unsere Begeisterung sah, entschließt er sich, fürs Mittagessen Fische zu beschaffen. Sie werden gegen Reis getauscht. Dann wird die Bordküche in Betrieb gesetzt und bald gibt es Reis mit Fischsauce. Danach den obligatorischen Tee – dann Siesta. Inzwischen sehen wir Steppenlandschaft, zahlreiche Vögel am Ufer, es ist bedeckt, wir setzen uns nach unten, um dem kühlen Fahrtwind zu entkommen. Nach dem Abendessen – diesmal Nudeln mit gegrilltem Fisch, legen wir in einer Dünenlandschaft an, die gewisse Ähnlichkeit mit der Nordseeküste aufweist. Unser Wein ist im Fahrtwind schön kühl geblieben. An Land ist es still (weil ja jetzt auch unser Motor schweigt), lediglich eine Wasserpumpe (Projekt der GTZ) ist leise in der Ferne zu hören, Reisanbaugebiet, als der Mond aufgeht schweigt auch die Pumpe. Flugtermiten versengen zischend an unserer Kerze, der Gute-Nacht-Trunk ist köstlich und wir legen uns unter dem klaren Sternenhimmel nieder. Ich schlafe – wie immer und vor allem draußen – ganz hervorragend.

Timbouctou

Es ist nachts richtig kalt in der Wüste – ich schlafe trotzdem gut, denn ich habe meinen Daunenschlafsack mitgenommen. Nachdem ich im November in der Falaise so bitterlich gefroren habe, bin ich vorsichtig geworden. Die Sonne kommt langsam und rotgolden hinter den Sanddünen hervor, wir bekommen heißes Wasser, Zucker, Kaffee- und Teebeutelchen und frisch gebackenes Fladenbrot.
Dann stehen wieder die Kamele bereit und es geht gemächlich zurück, diesmal der aufgehenden Sonne entgegen.
Im Hotel Bouctou erwartet uns Conny, ich möchte aber doch erst mal eine Dusche nehmen und mich umziehen.
Dann geht’s mit Khalil weiter, zur größten Moschee, zur alten Universität, zur Bibliothek, wo es uralte Schriften, hauptsächlich Auslegungen des Korans, zu sehen gibt. Wir besuchen das liebevoll gestaltete Museum für Heinrich Barth, an dem der ded mitgewirkt hat, wie ich zu meiner Freude feststelle.
In der Zeit hier sind wir lediglich von Behinderten um ein cadeau („Geschenk“) gebeten worden, nicht mal die Kinder haben sich uns in dieser Absicht genähert. Überhaupt wundern wir uns über das Image, das diese Stadt verloren zu haben scheint. Sie macht keineswegs einen sterbenden Eindruck, im Gegenteil, ich würde mir wünschen, dass in Bandiagara oder Mopti nur halb so viele Häuser saniert würden wie hier.
Ich bin aber auch seit 4 Monaten „auf dem Lande“, da sind schon mehrstöckige Häuser an und für sich „beeindruckend“, aber auch Margret und Conny sind angetan. Die Häuser sind stabil und haben reich verzierte Fenster und Türen, die Fenster heißen „fenêtre jalouse“, sie erlauben den Frauen von drinnen nach draußen, aber eben nicht von außen nach drinnen zu schauen. Wenige Frauen im Straßenbild insgesamt, aber die, die zu sehen sind, stolz, üppig und meist gut gekleidet.
Die Märkte gehören zu den besten, die ich bisher gesehen habe, eine große Auswahl, gut sortiert, mit Hilfe von Khalil finden wir schnell eine Boutique, die auch Postkarten verkauft. Er meint, dass zu viele schlechte Guides unterwegs sind, weshalb die Leute so einen verheerenden Eindruck von der Stadt bekommen. Die Touristeninformation macht einen Stempel in den Pass – ich hab meinen leider nicht dabei. Von hier aus sollen auch künftig die anerkannten Ausweise für Guides kommen, die eine entsprechende Ausbildung gemacht haben und die Stadt wirklich gut kennen. Eine gute Idee, wie wir finden, wäre es doch schade, wenn der Imageschaden sich fortsetzte.
Menschen, die mit uns Kontakt aufnehmen, machen einen gebildeten Eindruck, viele Jugendliche sind auf dem Weg zur Schule zu sehen. Dass der Präsident in diesen Tagen hier weilt, scheint niemanden so richtig zu beschäftigen „er macht sein Ding, wir unseres“, sagt uns ein älterer Herr, den wir dazu befragen.
Schließlich sitzen wir „pünktlich“ zum Sonnenuntergang wieder auf der Terrasse, diesmal fällt er allerdings wegen großen Staubaufkommens eher „bescheiden“ aus …
Im Hotel laufen die Vorbereitungen für ein mittelprächtiges Fest, eine Gruppe von ca. 40 spanischen Motorradfahrern ist auf dem Landweg angekommen und sie lassen sich einen Hammel braten, haben Musik bestellt, naja und weil wir nun schon mal da sind und Khalil gut verhandelt, dürfen wir auch umsonst zugucken.
Das ist natürlich hier bei den Tuareg ganz anders als im Dogonland: Frauen und Männer sitzen auf dem Boden, die Männer spielen Saiteninstrumente und Trommeln, die Frauen klatschen den Rhythmus dazu. Immer mal wieder erheben sich zwei Personen und setzen sich vor die Gruppe und stellen pantomimisch eine Geschichte dar. Dann wird getanzt, und zwar so, dass der Eindruck entsteht, die Menschen würden über dem Boden schweben.
Allerdings wird es für uns nicht spät, um 7.00 Uhr wollen wir am Hafen sein, um „unsere“ Pinasse zu besteigen und den Niger raufzufahren bis Mopti. Wir verabreden uns für 6.30 h mit Khalil.

Timbouctou

Pünktlich um 9.30 Uhr findet sich Khalil bei uns am Hotel ein, um mit dem Stadtrundgang zu beginnen. Er führt uns die kurze Strecke bis ins Zentrum, vorbei an 2 großen weiterführenden Schulen zur ersten der drei großen Moscheen von Timbouctou.
Es gibt sehr schöne Häuser mit reich verzierten Türen, die Menschen sind freundlich, ruhiger als in anderen Landesteilen und dennoch aufgeschlossen. An einem Stoffverkaufsstand verursachen wir einen kleinen Menschenauflauf, weil wir Sachen gleich anprobieren, da gibt’s Tubabs in traditioneller afrikanischer Kleidung zu sehen – das ist doch mal was! Wir können dem „lebenden Spiegel“ nicht wiederstehen, also gibt es neue Kleidung.
Dann gehen wir ins „Einkaufszentrum“, das eine gut sortierte Markthalle ist, oben gibt es ein kleines Restaurant von wo man über die Stadt blicken und eine Rast machen kann.
Der Handwerkermarkt ist viel kleiner als in Bamako, dafür gibt es sehr schöne Sachen und während das Mittagessen zubereitet wird, schlendern wir zu den Ständen, diskutieren, feilschen, kaufen – oder auch nicht. Conny und ich haben uns eine Spezialität bestellt, die sich als riesiges Germknödel mit sehr leckerer Hammelsoße entpuppt. Ein bisschen üppig für die Mittagshitze, aber naja, wer weiß, wie der Tag weiter geht.
Anschließend sind wir zur Teezeremonie bei Freunden von Khalil eingeladen, klar, dass es auch hier ums Handeln geht. Aber erstmal gibt es in der kühlen Banco Hütte malischen Tee: der erste Aufguss „Bitter wie der Tod“, der zweite „Hart wie das Leben“, der dritte „Süß wie die Liebe“ und der vierte, nun ja, da ist dann kaum noch Tee im heißen Wasser, der ist für die Kinder, die nachher aufräumen müssen.
Dann werden die Waren ausgebreitet, Schmuck, Ledersachen, Holzgeschnitztes, Messer - alles sehr schön gearbeitet, nicht umsonst war Timbouctou in früheren Zeiten eine große Handelsmetropole.
Ich schreibe hier jetzt nicht mehr zur Stadt selbst, das kann, wer möchte, auf den entsprechenden Internetseiten nachlesen (vielleicht kriege ich sogar eine Verlinkung hin).
Jedenfalls haben wir reichlich Geschenke und schöne Sachen für uns gekauft – gegen 16.30 Uhr sind wir am Hotel verabredet, weil Margret und ich die Nacht in der Wüste verbringen möchten. Die Kamele warten schon und Margret bekommt noch ein blaues Tuareg Tuch verpasst und fachmännisch angelegt.
Als das Kamel aufsteht, kommt es mir doch sehr sehr hoch vor … aber gemächlich schreitet es durch den Sand, der untergehenden Sonne entgegen. Erheblich angenehmer als im Geländewagen, ohne Lärm, ohne schütteln, es ist wichtig, sich beim Bergaufgehen nach vorne und beim Bergabgehen nach hinten zu lehnen – das ist schon alles. Ach ja, und die Füße sollten über Kreuz auf dem Halsbogen des Tieres abgelegt werden. Ich beschließe, auf dem Rückweg die Schuhe auszuziehen, dann fällt das leichter.
Nach ca. 2 Stunden kommen wir zu einer kleinen Hofschaft, eingezäunt mit Dornengestrüpp ducken sich die Nomadenzelte in den Dünen. Hat sich das Kamel erstmal niedergelassen, ist das Absteigen ganz einfach … Die Sonne ist fast weg, im Dämmerlicht kommt uns unser Gastgeber, Ahmed, entgegen, begrüßt uns herzlich und zeigt uns den Platz, auf dem wir unsere Moskitonetze aufstellen könnne. Seine Frau ist mit den Kindern im Zelt, es fällt auf, wie leise hier gesprochen wird, nicht nur mit uns, sondern auch untereinander. Als ob die Stille der Wüste mehr Ruhe fordere.
Im letzten Licht bauen wir unsere Moskitodome auf, eine Matte wird im Sand ausgerollt, wir trinken Tee und warten aufs Abendessen. Das kommt dann auch in Form einer großen Schüssel mit Reis und einer Soße, die wir für Thunfischsoße halten. Thunfisch? In der Wüste? Aber wir haben Riesenhunger und naja, was solls, es gibt so recht keine Alternative. Als Ahmed die Schüssel wieder holen kommt, frage ich nach dem Thunfisch. Er lacht – das komme immer mal wieder vor, dass Leute das glauben. Aber es handelte sich um getrocknetes und wieder eingeweichtes Kamelfleisch, eine Spezialität der Region – ach sooo.
Der Lichtschein, den wir zunächst für die Beleuchtung von Timbouctou halten, erweist sich als roter Mond, der riesig am Horizont aufgeht und plötzlich höre ich ein Geräusch, das nicht in diese absolute Stille gehört – in großer Höhe, kaum noch wahrnehmbar, ein Flugzeug, der Himmel ist unbeschreiblich klar und sternenübersät.

Timbouctou

Die Tour hierher hatte was von einer Tourtour, bis Douentza die normale Teerstraße, aber dann noch ca. 250 km Sand- und Wellblechpiste, die Amadou, der Fahrer, mit stoischer Gelassenheit überwindet.
Wir haben noch 3 Franzosen mitgenommen, was sich als ziemliches Desaster herausstellt, denn sie haben den Reservereifen demoliert und wollen die Reparatur nicht zahlen – Conny ahnt schon, dass es bei der Gesamtrechnung auch noch Probleme geben würde. Wenn es junge StudentInnen wären, hätten wir ja alle Augen zugedrückt, wir machen die Tour ja eh. Aber die drei sind altersmäßig unsere Kragenweite und offenbar auch gut situiert, da ist es wohl selbstverständlich, dass man zahlt, wenn man unachtsam ein Ventil abtritt.
Dann verabschieden sich nacheinander die vordere Stoßstange, ein hinterer Kotflügel und schließlich der Dachgepäckträger – was bei der Piste kein Wunder ist. Also kommt das Gepäck in den Wagen, so dass die hinteren Plätze wegfallen und wir uns wie im Taxi Brousse zu viert auf der Rückbank und zu dritt auf der vorderen Bank drängen. Das ist alles nicht tragisch, denn es gibt keine Motorprobleme und das ist bei diesen Touren das Wichtigste.
Auf der Fähre „stelle“ ich die Franzosen, von wegen Anteil an den Fahrkosten, ein Theater ohnegleichen, so dass ich wirklich ärgerlich werde, schließlich haben wir unseren Komfort eingeschränkt, um ihnen eine Reisemöglichkeit zu geben – sie fühlten sich „eingeladen“, was schon der Hammer ist, denn wir kannten sie nicht und konnten auch aufs Kennen lernen verzichten, wie sie da mit ihrer Kühlbox ankommen, aber nach 1 Stunde unsere Wasserflaschen wieder rauslegen, von wegen sie müssten ihr Obst unterbringen … es geht eine Weile hin und her und ich kassiere schließlich sofort, damit sie uns nicht in Timbouctou entfleuchen. Dort lassen sie sich vor einem wirklich noblen Haus absetzen, wo sie eine ebenso nobel gekleidete Dame begrüßen, die uns keines Blickes würdigt, sie geben Amadou nicht mal ein Trinkgeld und wurden nicht mehr gesehen …

Wir lassen uns ins Hotel Bouctou bringen – Empfehlung aus Bandiagara, sind da auch schon angekündigt. Ich fahre mit Amadou das Auto wieder voll tanken, er muss am nächsten Morgen die Tour zurück machen. In dieser kurzen Zeit findet er wahrscheinlich jetzt am Saisonende keine neuen Klienten. Ich frage, ob es nicht MalierInnen gibt, die vielleicht mitfahren würden. Die gäbe es schon, lautet die Antwort, allein es ist verboten und kostet sehr viel Geld, wenn man erwischt wird. Es ist ein Unterschied zwischen „Touristentransport“ und „Öffentlichem Transport“ und wenn man keine entsprechende Genehmigung hat, darf man halt nur das jeweils eine oder andere machen.
Selbstverständlich kann uns im Hotel eine dritte Matratze ins Zimmer gelegt werden, es ist gediegen afrikanisch – wir genießen erstmal den Komfort einer kühlen Dusche, bevor wir uns zum Sundowner auf der Terrasse niederlassen. Da versinkt eine fast kitschig rote Sonne in den Wüstendünen, auf die der Blick frei ist. Als es dunkel ist, kommen die Sterne und unser Abendessen und Khalil stellt sich vor, der auch schon von Bandiagara aus auf unseren Besuch eingestellt ist. Er spricht nicht nur Tamatschek, Bambara und Französisch, sondern auch sehr gut Englisch. Das ist für Margret gut, für mich eine Herausforderung, denn mein Gehirn ist jetzt irgendwie doch voll auf Französisch eingestellt … verstehen kann ich nach wie vor alles, aber selbst sprechen ist echt schwierig. Khalil ist Anfang 30 und arbeitet seit vielen Jahren als Guide in Timbouctou. Außerhalb der Saison geht er nach Mopti, um dort Handel zu betreiben, einmal war er in Bamako. Am liebsten ist er bei seiner Familie in der Wüste im Dorf, auch wenn es dort mit seinen Lieblingsbeschäftigungen Lesen und Sprachenlernen in Ermangelung von Licht und Strom schwierig ist. Eine eigene Familie hat er bisher nicht gegründet. Für die Zukunft träumt er von einem Geländewagen, mit dem er den Touristen „Komplettouren“ anbieten kann.

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