Koro/Bandiagara
Der Kollege mit dem Moped kommt nicht, ich habe noch Brot und es gibt heißes Wasser und Lipton Tee zum Frühstück, ich schlendere los, bin sicher, schnell zum Busbahnhof zu finden – so ist es auch. Koro ist nicht viel größer als Bandiagara.
Tja, und dann warte ich mal wieder – diesmal bis 9.00 Uhr. Ein junger Mann leistet mir Gesellschaft, ich lade ihn zu Cafe und Galletes (Hirseküchlein, die morgens verkauft werden und wo man gleich noch eine Portion für die „Petit Taliban“, die Bettelkinder der Koranschulen, mitkauft) ein, er erzählt von seiner Familie und rät mir, mich an die Stirnseite des Mercedesbusses zu setzen, mit dem die Fahrt weiter geht.
Endlich ist es so weit. Ein Händler hat den Bus gechartert, er thront vorne mit seiner Frau, es dauert, bis alle seine Waren aufgeladen sind, dann werden die Mitreisenden, die die Fahrt finanzieren, verstaut.
In die Seitenwände der Ladefläche sind Fenster geschnitten, wir sind 30 Leute und 4 Reifen plus allerlei Schüsseln und Gepäck auf dieser Fläche. Ich wusste nicht, dass es möglich ist, Menschen über 4 Stunden auf einer solchen Enge unterzubringen. Eine Alte sitzt vor mir auf dem Boden – oder vielleicht ist sie gar nicht so alt, sie hat ein kleines Kind dabei, das sie eine jüngere Frau hinter sich weiter gibt, ihr Blick ist irgendwie jenseits von allem. Eine andere Frau, die einen Sitzplatz ergattert hat, nimmt das Kleine, bis es sie voll pinkelt, dann steigt noch ein Herr im Anzug zu, eine der Frauen mit Sitzplatz muss auf den Boden, damit er sitzen kann – und ab geht’s … Es ist eine raue Piste, es staubt und ich bin dankbar für den Tipp bei der Sitzplatzwahl. Trotzdem hole ich schnell mein Tuaregtuch raus, um mich vor Staub und Zugluft zu schützen, die meisten sind schon ziemlich vermummt. Der Händler hat hier und da zu tun, er muss aussteigen, Tee trinken – wir brüten in der Hitze. Die beiden Alten, die hinten an der Tür stehen, steigen bald aus, aber schon sind neue Passagiere zur Stelle, wieder mit Kleinstkind – es geht so bis Bandiagara, wo ich mit steifen Knochen rausstolpere und mein Gepäck vom Dach holen lasse.
Papa Nangio, der beste Brouchettengriller von Bandiagara, hat die Szene von seinem Restaurant aus beobachtet und kommt gleich auf mich zu - wo ich denn herkomme? Ach ja, aus Ouagadougou – „das ist aber weit, komm steig aufs Moto, ich bring Dich heim“ – dankend und lachend nehme ich an – ich bin zu Hause, habe für die 400 km 1,5 Tage gebraucht!
Nachmittags gehe ich ins Büro, alle begrüßen mich herzlich – die Reisende ist zurück! Wie ist es in Ouaga? Die Reise ist beschwerlich, nicht wahr? Jaja, sage ich aus vollem Herzen.
Abends treffen wir uns bei einer Kollegin, ich bringe Vanillepudding mit den überlebenden Erdbeeren mit, alle freuen sich, das ist doch was, dafür hat sichs doch gelohnt!