Juni 2007


Ségou/Bandiagara

In Ségou gehen wir noch Gemüse einkaufen – das ist wieder so ein Weltenwechsel, es gibt nur wenig Auswahl, dann ruft noch Jaqueline aus Bandiagara an, ob ich Möhren für die kleine Lolo mitbringen kann – gar nicht einfach zu finden. 4 Häufchen mit Minimöhren kann ich für 2.000 FCFA ergattern  - ein stolzer Preis. Birigt feilscht um einen Sack Mangos, inzwischen hat sich der Möhrenbedarf herumgesprochen, beim Zurückgehen krige ich „richtige“, also halbwegs ausgewachsene Möhren angeboten – schon besser, aber eben auch teuer. Wir finden sogar Kartoffeln und treten schwer bepackt den Rückweg an.

Und dann wieder ins Auto, noch ca. 400 km liegen vor uns.

In Bandiagara ist das Haus staubbedeckt, obwohl Djeiba erst am Samstag da war, aber es gibt jetzt fast jeden Abend einen Sandsturm, na und da ich keine Fensterscheiben habe, sammelt sich der Staub dann halt überall.

Bamako

Das war doch nicht die schlaueste Planung – der Rückflug mit royal-air maroc hat so seine Tücken: 6 Stunden Aufenthalt in Casablanca, zu lang, um es zu genießen, zu kurz, um mal in die Stadt zu fahren (der Flughafen liegt so weit außerhalb wie der in München). Also in den Raucherraum, da ist eine kleine Party im Gange, junge Männer aus Ghana (er kommt grade aus Shanghai), Elfenbeinküste (er hat Familie in Marokko besucht), Niger und Burkina Faso haben eine Lage Budweiser gekauft und laden alle Neuankömmlinge zum Mittrinken ein – ein Bier gönn ich mir und ein bisschen plaudern – fürs Essen habe ich einen Gutschein bekommen, aber es ist Freitag abend und der Reis nicht gar, der Fisch macht einen altersschwachen Eindruck, so dass ich ihn lieber auf dem Teller liegen lasse. Gesellschaft leistet mir ein Holländer, der in Marokko lebt und durchgängig meckert, wie schrecklich alles hier ist – ich bin genervt, weil er auch nach dem Essen nicht aufhört zu jammern und verabschiede mich, dann schlaf ich ne Runde im Warteraum – zum Glück kann ich ja überall schlafen. Endlich ist es soweit – Gepäckkontrolle auf dem Rollfeld von Hand, keine Fragen nach Plastikbeuteln mehr!

Dann morgens um 4.00 Uhr in Bamako – es hat offenbar geregnet, die Luft ist feucht und warm, der Taxifahrer, den ich vor der Reise gebeten habe, mich abzuholen ist da und erwartet mich schon, ein freundlicher Gepäckträger kümmert sich drum, dass mein üppiges Gepäck noch zügig durch die letzte Durchleuchtung (am Ausgang!) kommt.

Im Gästehaus such ich mir ein Zimmer mit Bad – ich öle und schwitze natürlich – zieh das Moskitonetz runter, bin aber putzmunter und brauch fast bis 5.00 Uhr, bis ich endlich einschlafe. 9.30 Uhr weckt mich das handy – sms von Birgit, sie will mit mir zurück nach Bandiagara fahren, ist am Tag vorher aus Deutschland gekommen, genau wie Conny – ich bin noch hundemüde, aber bis 10.30 Uhr, wo wir uns zum Frühstück verabredet haben, komm ich nicht mal in die Nähe der Dusche – dauernd klingelt das Telefon, Coulibaly von GAAS Mali fragt, ob ich noch 3 Kisten Präservative und sonstiges Material für die AIDS Aktion mitnehmen kann – logisch, wenn die Kisten pünktlich bis Mittags im Gästehaus sind.

Frühstücken im Amandine, gegenüber Lebensmittel einkaufen – alles verstauen, heute fahren wir nur bis Segou und ich bin froh, dass Birgit mitkommt, sie darf nämlich auch das Auto fahren, ich bin doch sehr übermüdet und stehe sozusagen ein wenig neben mir.

In Segou eine kleine Vollversammlung im Hotel Djoliba, in Makala war Maskentanz, deshalb sind auch etliche Kollegen und Kolleginnen aus Bamako in die Gegend gefahren. Ich esse meine Capitane-Brochetten und bin um 21.00 Uhr völlig müde.

Bochum

Da vergeht die Zeit weiter wie im Fluge: Arzttermine, Verhandlungen mit Bank und Versicherung, Verlängerung des Untermietvertrages für meine Wohnung in Bochum, zwischendurch noch freche Zahnschmerzen, die mich noch mal zusätzlich zum Arzt treiben und viele viele schöne Begegnungen mit Familie, Freundinnen und Freunden – da merk ich dann doch, dass ich sie eigentlich sehr vermisse!

Tja, und nun sitze ich vor einem riesigen Gepäckberg und muss mich entscheiden, was ich nun gleich mitnehme und was erst bei der nächsten Reise mitkommt. Gar nicht so einfach!

 

Bochum

Im Sozialen Zentrum ein weiterer Informationsabend, diesmal fängt es schon um 17.00 Uhr für mich an, denn die Humanitäre Cuba Hilfe gründete einen „Zweig“ der sich nun mit Afrika und da vor allem mit Mali befassen will (Aktion pro Afrika, www.cubahilfe.de\ Afrika).

Ich finde das ist eine super Idee, freue mich über die engagierten Leute und sage zu, ein (kleines) medizinisches Gerät noch im Handgepäck mitzunehmen. Herbert Querfurt war im Frühjahr in Mali bei Christof Wackernagel und wir überlegen, wie eine malische ONG gegründet werden kann, die die Auslieferung der medizinischen Geräte und Hilfsgüter am Zielort sicher stellen kann. Die Gruppe hat langjährige Erfahrung und ich hoffe, dass ich ihnen wirklich behilflich sein kann.

Dann kommen noch weitere Gäste und ich halte meinen Vortrag, schließlich wollen einige noch Bilder aus dem Dogonland sehen – ich habe noch nichts gegessen, aber andererseits, wo doch alle extra hergekommen sind …. Mit Marie-Luise von der BISA (Bochumer Initiative südliches Afrika) und Silvia vom Constantin Theater sitze ich schließlich gegen 22.00 h in der gegenüberliegenden Kneipe und genieße Gnoccis und (endlich – nicht mal in München bin ich dazu gekommen!) ein Hefeweizen!

Wuppertal Boris und Barbara, die mich im Winter 2005 in Mali besucht haben, haben mich zu einer Informationsveranstaltung des Eine Welt Ladens in Cronenberg eingeladen. Es ist immer ein bisschen Arbeit im Urlaub – aber ich mach es auch gern, bietet es doch Gelegenheit, mal aus der Entfernung auf meine Arbeit in Afrika zu blicken und vor allem im Auge zu behalten, dass ich nicht die weit verbreiteten europäischen „MacherInnen“ Attitüden entwickele. Es sind ca. 20 Leute gekommen, alle sehr interessiert und motiviert, möglichst viel aus mir „rauszukriegen“ – aber es gibt auch Fragen, die ich nicht wirklich beantworten kann, so kenn ich mich im medizinischen Bereich halt kaum aus. Aber ich untermale meinen Bericht mit Bildern und es sind schließlich alle gut zufrieden. Ich bekomme noch 2 Kartons mit medizinischer Ausstattung angeboten und verspreche, dafür zu sorgen, dass das mit einem der nächsten Container mitkommen kann – ich schaffe mit meinem Gepäck einfach nicht noch mehr.

Mettmann

Das ist ja schon wie ein Stück nach Hause kommen! Beim Kreis besuche ich alte Kolleginnen und Kollegen und freue mich, alle wohlauf und munter vorzufinden. Der Landrat opfert seine Mittagszeit, um sich nach meiner Arbeit in Mali zu erkundigen, etliche schauen grad „zufällig“ da vorbei, wo ich bin und ich bin hoffnungslos überfordert, alle Namen sofort wieder parat zu haben, denn mein Kopf ist ja voller Französisch-Vokabeln und Bildern und Namen „aus einer anderen Welt“. 

Anschließend treffe ich mich mit Margret und Conny – Conny fliegt einen Tag vor mir nach Mali – und wir planen die gemeinsame Reise ins Dogonland.

Auf der Rückfahrt denke ich darüber nach, dass 15 Jahre ja doch eine lange Zeit sind und dass, als ich in ihr drin war, mir zuweilen nicht bewusst war, mit wie vielen netten und angenehmen Kolleginnen und Kollegen ich es beim Kreis Mettmann tun habe ….

 

Bochum

Der G-8 Gipfel läuft an und ich besuche mit Martin ein public-viewing in der Stadt. Als Gegenpol zu den mainstream Medien, die offenbar gerne und ausführlich vor allem über kleinere und größere Scharmützel zwischen Polizei und Demonstranten berichten (ich muss gestehen, dass ich kaum zum Zeitung lesen, geschweige denn zum Fernsehen komme), gibt es von 21.00 h bis 22.00 h per internet ein internationales Nachrichtenprogramm direkt aus Heiligendamm. Semiprofessionell aber äußerst liebevoll und sehr engagiert gemacht, wird über die Aktivitäten zu den einzelnen Themenblöcken informiert. Die Präsidentin des westafrikanischen Frauennetzwerkes aus Sénegal ist Studiogast – zu meiner großen Freude. Aber ich bin auch irgendwie mittelprächtig erschöpft und verordne mir Ruhe und frühes Schlafen gehen ….

München

Meine Freundinnen Claudia und Hilde hab ich nun schon seit 2 Jahren nicht mehr gesehen, so ist die Freude groß und es wird abends spät. Wir haben immer mal gemailt und telefoniert, aber es ist schon ganz was anderes, zusammen zu sitzen und sich alles zu erzählen, was so passiert ist.

Am Samstag dann ein Einkaufsbummel – allein 2 Stunden im größten Buchgeschäft von München und ich kann mich kaum losreißen, das wird eine Katastrophe mit dem Gepäck! Es gibt wunderschöne neue Bücher über Tibet und Bergsteigen und Reisen und den Dalai Lama – ich kann mich kaum entscheiden und muss es doch, alles was ich mit nach Mali nehme, muss womöglich auch wieder mit zurück …. Und dann der Staub und alles, keine gute Umgebung für teure Bücher. Also schweren Herzens das meiste aufs nächste Jahr verschoben.

Dann noch ein wenig Kleidung – da lerne ich dann das Kaufhaus kennen, das vom Stachus bis zum Marienplatz führt – unglaublich, ich weiß gar nicht, wo ich hinschauen soll und so was einfaches, wie ein Baumwoll T-Shirt ist schon extrem schwer zu finden in all dem Überfluss… Ich treffe mich mit meiner ded Kollegin Beate, großes Hallo, seit 6 Monaten ist sie zurück und erzählt ein wenig, wie es ist  -  zurückzukommen.

Zur Erholung vom Treiben in der Innenstadt geht’s dann am Sonntag zum Kaffeetrinken ins Nymphenburger Schloß, da genieße ich die Ruhe und vor allem das viele satte Grün, das ist ja derzeit in Mali wirklich Mangelware.