Dezember 2007


Bandiagara

Die letzte Woche war vom Festival hier in Bandiagara geprägt, eine Woche lang Kultur, Infostände, Markt der Möglichkeiten für Einheimische und Touristen. Heute nun gilt es die Silvesterfete vorzubereiten, die mal wieder bei mir stattfindet und bei GAAS Mali fortgesetzt wird.

Ich bedanke mich auf diesem Wege bei allen, die mich in diesem Jahr aus der Ferne und Nähe begleitet haben, wünsche allen zu Hause in Deutschland das Beste für das Neue Jahr, Gesundheit, Glück, Erfolg und dass wir uns frohen Mutes wieder sehen!

Bamako

Am Ortsausgang von Ayoun el Atrous steht schon ein Schild „Bamako“ – die letzte Etappe beginnt. Ein sehr gut ausgebaute Straße führt nach Nioro du Sahel, von wo es fast autobahnartig weiter geht. Leider ist diese EU Finanzierte Strecke, für die wir immerhin Peage entrichten, noch nicht vollständig fertig, ca. 40 km kämpfen wir uns über Umleitungspisten.

Aber gegen Abend erreichen wir Bamako, vertraute Gefilde, Martin hat 6.400 km zurückgelegt, ich meinerseits ca. 5.200 km -  wir sind zufrieden, dass und wie wir es geschafft haben. Nun liegt nur noch der Weg nach Bandiagara vor mir - nochmal ca. 800 km.

Im Amadin gibt es Kapitän und Bier – und der malische Alltag hat uns schnell wieder ….

Ayoun el Atrous (Mauretanien)

Am Morgen in Aleg mache ich einen Spaziergang, leider stolpere ich und zerre mir den Arm, aber es geht und ich übernehme natürlich auch „meine“ Etappe. In Aleg wollen wir Geld wechseln, was gleich viele Menschen beschäftigt, uns die Bank zu zeigen, obwohl es etliche wohl gar nicht so genau wissen, wo sie denn nun ist. Aber schließlich kommen wir an, es dauert lange, bis der Gegenwert für unsere 100 Euro aus dem Tresor geholt ist – zum Glück sind wir praktisch die einzigen Klienten.

Hinter Aleg wird es noch mal sehr schön, hügelig, es scheint sich ein Sandsturm anzukündigen, bevor es schwierig wird, wechseln wir die Richtung für unseren letzten Stopp in Mauretanien.

Hier in Ayoun el Atrous gibt es vor allem Mercedesse. In der Abenddämmerung sind praktisch nur Männer auf der Straße, die sich um ihre Autos scharen, debattieren, Tee trinken und nach Einbruch der Dämmerung mitsamt ihren Fahrzeugen wie vom Erdboden verschluckt sind. Unser Hotel ist grenzwertig, wir fragen in der nächsten Boutique nach einem anderen und finden stattdessen das Gebäude der gtz. Der mauretanische Koordinator hilft uns gerne eine andere Unterkunft zu finden – und es gibt mal wieder Huhn mit Fritten ….

Aleg (Mauretanien)

Eine lange Etappe liegt hinter uns – lediglich Nouakchott haben wir gestreift, den Nationalpark vorher durchfahren, wo der Sand nicht mehr flach rumliegt, sondern sich zu riesigen Dünen auftürmt und gelegentlich ein Blick aufs Meer möglich ist. Sehr, sehr selten kommt uns ein Fahrzeug entgegen, es ist einfach eine absolut leere Gegend. Nouakchott selbst erscheint uns als Mercedes El Dorado – unser kleine Fahrzeug findet keinerlei Beachtung, was das Fahren anstrengend macht, da praktisch keine Regel beachtet wird, sondern jeder grad fährt wie es ihm passt. Danach geht es ins Landesinnere, Aleg heißt unser Etappenziel. Es wird landschaftlich sehr schön, rosarote Dünen türmen sich auf, in den Senken kleine Dörfer mit blauen Dächern. Die Menschen, egal ob Männer oder Frauen sind vermummt, sie sind wie Farbtupfer in der Landschaft und wir sind zu zügig unterwegs, um jemanden näher kennen zu lernen.

Die Hotelsuche in Aleg gestaltet sich schwierig, 3 km Piste fahren wir, um ein leerstehendes Luxushotel zu erreichen in dem es von Kakerlaken und sonstigen Insekten wimmelt. Also zurück in den Ort, wo wir hinter der Polizeistation die Auberge de la paix entdecken, hier speisen wir auf dem Dach, unser Auto wird bewacht und nach dem letzten Gebetsruf sind wir auch rechtschaffen müde.

Nouadhibou (Grenze zu Mauretanien)

Beim rausfahren aus Dakhla haben wir noch beratschlagt, ob wir noch mal tanken sollen – aber eigentlich gab es alle paar 100 km eine Tankstelle und wir wollen los. Wir sehen tatsächlich den riesig langen Bauxitzug, der nur sehr selten hier vorbeikommt und zuweilen bis zu 10 km lang sein kann – und dann sind wir wieder im „Nichts“ – Sand, Sand, Sand und nichts sonst. Ab und an ein paar Nomadenzelte, ein paar Kamele, keine anderen Lebewesen geschweige denn Bäume oder Büsche.

Langsam geht unser Benzin zu Ende und wir sehen schon von weitem eine Tankstelle, in dieser Gegend ist alles von weitem schon sichtbar … voller Freude halten wir an – allein es gibt nur Diesel und wir brauchen Normalbenzin.

Es bleibt uns nichts als zu fahren und zu hoffen und schon sind wir an der Grenze nach Mauretanien. Zügig wickeln wir die Ausreise aus Marokko ab, ich wechsele noch Geld mit einem Camper im Rentenalter aus Zwickau, der ausgesprochenen Gesprächsbedarf hat und uns viele Tipps gibt und dann geht’s weiter, auf eine höchst unübersichtliche Sand- und Schotterpiste, die sich in zahlreiche Spuren auffächert. Da und dort lugt ein Minenwarnschild aus dem Sand – ich steige aus und laufe vor, um zu testen, wie tief der Sand ist. Beeindruckend der Schrottplatz nebenan – zum Glück sehe ich dann ein Taxi brousse aus der Gegenrichtung, so dass unsere Orientierung nun klar ist.

Im Schrittempo kämpfen wir uns durchs unwegsame Gelände, die Tankanzeige wandert zügig nach unten – da ist die Schlange für die Einreise nach Mauretanien. Wir schließen uns an und fragen erst mal alle vor uns, ob sie uns nicht ein paar Liter Normalbenzin verkaufen können – Martin kommt zurück und hebt hilflos die Hände – alles Dieselfahrzeuge!

Da kommt ein Camper aus der Gegenrichtung, bremst scharf, stürzt aus dem Wagen um mich aufs herzlichste zu begrüßen – ich freu mich auch, meine ich den Mann doch kürzlich noch gesehen zu haben, kann mich aber weder erinnern wo, noch wie er heißt, wohingegen er fröhlich „Hallo Gabriele“ ruft. Ich stelle Martin vor, in der Hoffnung, dass er sich dann seinerseits vorstellen würde – nun dann schildern wir unser Problem. Er hat auch einen Diesel, aber er hat noch 20 l Schiffsbenzin und verschwindet sogleich im Innern seines Wohnmobils um ihn zu suchen. Beim Benzineinfüllen fasse ich mir ein Herz „Ich weiß, ich hab Dich kürzlich gesehen, aber wo und wann ???“ Er lacht: „Na, Du hattest wahrscheinlich zu viel Reisefieber, bei Jutta in Sévaré haben wir den Vormittag verbracht, ich bin am nächsten Tag nach Bamako gefahren, um mein Ersatzteil zu holen – und Jutta hat mich mit den Worten verabschiedet, dass ich Euch grüßen soll. Freut mich, dass ich nun auch noch helfen kann.“ Auf keinen Fall will er Geld für den Sprit und er will auch zügig weiter – nach Dakhla. Wir danken Knud vielfach und wünschen uns alle gegenseitig eine gute Weiterreise – da bewegt sich auch die Schlange auf die Einreisestelle zu.

Wir kommen schnell durch, brauchen aber noch eine Versicherung für das Auto. Das „Büro“ befindet sich in einer Bretterbude gegenüber der Passstelle. 2 Stunden verbringe ich hier und kann beobachten, wie einem Franzosen, der Freunde für Weihnachten und Sylvester versorgen wollte der gesamte Kofferrauminhalt (immerhin 3 Kisten Champagner und 5 Kisten Wein) konfisziert wird. Lediglich eine Flasche Champagner und 2 Flaschen Wein darf er mitnehmen. Er trägt es mit Fassung, der Alkohol wird in einer anderen Bretterbude eingelagert und kann bei der Ausreise wieder abgeholt werden. Mauretanien ist sehr strikt in dieser Frage.

Es dämmert schon, wir sind froh über unseren wieder leidlich gefüllten Tank und kommen bei Dunkelheit in Nouadhibou an, wo wir gegenüber vom Flughafen ein Hotel und im Städtchen ein gutes Restaurant für ein leckeres Langustenessen finden.

Dakhla (Westsahara)

Über Laayoune und ein paar winzige Orte gelangen wir auf einer ewig langen Etappe nach Dakhla. Es liegt auf einem der Küste vorgelagerten Landzipfel und wir können, nach all der Leere über fast 700 km, kaum glauben in einer belebten Ortschaft mit kleinem Hafen, Promenade, Einkaufsstraße und diversen Hotels zur Auswahl zu sein. Zur Abwechslung gibt es Brochetten und im 4 Sterne Hotel ein Bier – wobei wir uns zum Übernachten eine einfachere Unterkunft gesucht haben. Ich habe leichte Bandscheibenschmerzen, zum Glück ist das Hotelzimmer groß genug für ein paar Entspannungsübungen und so geht’s dann wieder.

Tan Tan (Westsahara)

Wir entscheiden uns für die Nebenstrecke durch die Berge, was wunderschön ist. Voll beladene LKW kriechen über die neu gestaltete Piste. Am Wegesrand werden Öl und andere Fahrzeugflüssigkeiten angeboten, ansonsten wird die Besiedlung immer dünner. Wir streifen Agadir und begeben uns auf die Küstenroute nach Tan Tan.

Damit sind wir dann in Westsahara, dem Wüstenabschnitt, um den sich Marokko und Mauretanien seit Jahrzehnten erbitterte Auseinandersetzungen liefern (Hintergrund: Bauxitvorkommen und andere Bodenschätze). Davon zeugen nicht zuletzt die Warnschilder vor den Minen am Wegesrand – auf keinen Fall sollte man hier die Straße verlassen. Nun gibt es praktisch gar keine Ortschaften mehr. Rechts von uns liegt das Meer, links Wüste und so geht es Kilometer um Kilometer immer weiter.

Am Ortseingang von Tan Tan fragen wir den Polizeiposten nach einem Hotel, seine Empfehlung ist gut, etwas zu essen finden wir im Ort, wo nebenan ein paar Engländer sitzen, die mit einem Autotransporter unterwegs sind. Völlig überraschend gibt es mal wieder gegrilltes Huhn mit Fritten ….

Marrakesch (Marokko)

Eine kurze aber schöne Etappe liegt hinter uns. Es ist klares Wetter, so kann man das Atlas Gebirge hinter der Stadt sehen. Marrakesch ist wirklich eine wunderschöne Stadt, die Menschen sind sehr freundlich, offen und hilfsbereit.

Da wir weder Stadtplan noch Reiseführer haben, gönnen wir uns eine Kutschfahrt durch die Altstadt, bei der uns der Kutscher die Gebäude und Geschäfte erläutert. Auf dem alten Königspalast und einer nahestehenden Sendeantenne nisten Störche - mitten in der Stadt. Im Abendlicht leuchtet alles in zartem Rosa und am Ende der Fahrt sind auf dem Gelände des Filmfestivals von Marrakesch, das viele viele Menschen anzieht.

Casablanca (Marokko)

Das „englische“ Frühstück war dann eher enttäuschend, aber besser als nichts. Übers Rollfeld des Flughafens von Gibraltar reisen wir aus und ab zum Hafen.

Da haben wir dann wieder Glück gehabt – die teure „britische“ Übernachtung kommt wieder rein, weil es grade ein Sonderangebot für den Transport von Fahrzeugen gibt – 8 Euro zahlen wir, um unseren kleinen Jetta nach Afrika übersetzen zu lassen. Die Fahrt dauert ca. 4 Stunden – die Strecke ist lebhaft befahren und auf dem Schiff befinden wir uns auf marokkanischem Boden, also zollfrei einkaufen!!!

In Tanger angekommen erst mal allerlei Formalitäten – aber nach eine knappen Stunde verlassen wir mit allen nötigen Papieren das Hafengelände und suchen eine Bank zum Geldwechseln.

Wir wollen gleich weiter nach Casablanca – und als wir auf der Autobahn sind, überrascht uns die Dichte der Geschwindigkeitskontrollen mit Laser bzw. Starenkästen. Da ringsum „Nichts“ ist, sind sie weithin gut zu sehen. Alle fahren sehr diszipliniert ihre 100 km/h, allerdings in der Stadt Casablanca herrscht dann wieder das vertraute Chaos.

Auf der Suche nach einem Hotel fragen wir Taxifahrer – angesichts unseres bescheidenen alten Fahrzeuges kriegen wir gleich den richtigen Hinweis – preiswert und sauber in einer ruhigen Nebenstraße. Der Hotelier gibt Tipps, wo wir ein Abendessen bekommen, ein Cafe nebenan schenkt auch Bier aus, also sitzen wir davor und beobachten das rege Treiben.

Ein Unfall nebenan erlaubt Einblicke in die medizinische Versorgungssituation, ein gut ausgerüsteter Krankenwagen fährt vor, hat aber aufgrund des Verkehrschaos Mühe, den Verletzten überhaupt zu erreichen – es dauert fast 20 Minuten, bis der Mann abtransportiert werden kann.

Algericás (Spanien)/Gibraltar (England)

Über Cartagena, Almeria, Malaga, geht’s zum Hafen von Algericás. Die vormals wohl karge aber schöne Landschaft ist auf dieser Etappe vom industriellen Gemüseanbau verschandelt. Über unglaubliche Flächen ziehen sich die Gewächshäuser aus Plastik, an Berghänge geschmiegt, so dass man sich fragt, wie darin wohl gearbeitet werden kann. Menschen sind kaum zu sehen, Pflanzen und Bäume schon mal gar nicht.

Dann führt die Strecke am Meer entlang, es ist früher Nachmittag – ein kleines Lokal, direkt am Meer – Zeit für eine Pause mit Kaffee und köstlichen gegrillten Sardinen.

In Algericás scheint uns das Glück zu verlassen. Der Supermarkt ist geschlossen, der Weg zum Hafen führt praktisch direkt aufs Schiff, das wollen wir jetzt in der Dunkelheit nicht unbedingt testen, die Hotels unglaublich teuer und irgendwie schmuddelig – da hat Martin die Idee mit Gibraltar.

Was wir nicht wussten: In Spanien ist heute Feiertag. Und in England nicht. Also ist der Felsen von Gibraltar überfüllt mit EinkäuferInnen, die heimwärts streben. Nach der Passkontrolle verheddern wir uns grade zu hoffnungslos im Gewirr von Einbahnstraßen – landen schließlich am Aussichtspunkt auf den Felsen und aufs Meer – weit und breit kein Hotel.

Auf dem Weg nach unten dann: Hotel Bristol, ich gehe rein und frage nach 2 Einzelzimmern – hinterher fällt mir auf, dass ich plötzlich wieder fließend Englisch gesprochen habe, eine Fähigkeit, die ich verlernt zu haben glaubte … es ist teuer (denn es wird in Pfund Sterling bezahlt, ist mit visa card kein Problem), aber spät, also Bristol Hotel, ich handele noch ein Frühstück und einen Stellplatz fürs Auto raus, hab wohl doch was gelernt in Afrika.

Abendessen gibt’s im Pub, Fisch & chips, alles very british!

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