Januar 2008


Bamako

Ach Bamako, nun hatte ich mich so sehr auf die Feier von Floretta zur Einweihung ihres Hauses gefreut, aber auf der Reise hats mich in Segou dann weggerissen - es schwindelte mir und ich musste das Steuer abgeben - in Bamako angekommen hatte ich 40 Fieber und wollte mich nur noch niederlegen. Zum Glück wohne ich diesmal bei Katrin, die mich Sonntags morgens auf dem Weg zum Joggen bei der Klinik Pasteur absetzt - der Befund des Schnelltests ist negativ. Allerdings hätte ich eine Entzündung im Körper und dagegen seien Antibiotika immer gut … ob mir was wehtut? Ich hab nichts außer Fieber und Schüttelfrost, also gibt’s am Montag statt der Verabredung mit Christof einen Notruf an ihn, denn ich habe immer noch Fieber und so kommt er mit dem Taxi und wir fahren zur Klinik Blum & Meyer im Hippodrome. Leider ist mein Französisch, wenns mir schlecht geht, ganz schlecht, ich verstehe kaum die Fragen des Doktors und sage ihm das, als er ungeduldig wird - da spricht er fließend in Deutsch weiter - er wurde nämlich dort ausgebildet. Das erleichtert die Sache und er meint, ich habe auf jeden Fall Malaria, auch wenn der Schnelltest nicht positiv war. So werde ich zu drei Tagen Injektionen „verdonnert”, morgen steht noch mal ein Test an, meine Rückreise verschiebt sich entsprechend.

 

Besuch aus Hamburg! Eine e-mail erreichte mich vor einigen Wochen von Birgit aus Hamburg, die mit den Menschen von der Max-Brauer Schule dort bekannt ist - zur Erinnerung: Anfang letzten Jahres war diese mit einer Gruppe SchülerInnen in Bandiagara, sie begleiten eine Schulkantine. Das Bauwerk ist fast fertig und Birgit hat eine wunderbare Broschüre und CD über die Reise vom letzten Jahr und Geschenke für Nouhoum dabei - ist doch prima, wie das klappt, wir treffen uns im Hotel Falaise, quatschen bis in die Nacht und auch in dieser Gruppe wieder lauter sympathische, aufgeschlossene Leute. Ich verspreche, die Belege für den Bau der Kantine noch vor ihrer Abreise zu beschaffen - nicht ganz einfach, aber es wird schon klappen, denn es ist leichter, die Sachen jemandem mitzugeben, als sich auf Faxgeräte zu verlassen …

Und tatsächlich, bis heute Abend hatte ich alles beieinander, ein letztes gemeinsames Bier mit den Hamburgern, sie reisen morgen weiter nach Djénné.

Die Frauen von „Coup & Couture” - eine Assoziation von Schneiderinnen, die junge Frauen ausbilden - weihen ihr neues Haus ein. Ich hatte aus Spenden für die Flutopfer einen kleinen Beitrag zur Ausstattung gemacht, über die Hälfte der Frauen war unmittelbar betroffen, die anderen haben zumeist Verwandte bei sich aufgenommen. Nun ist alles fertig. Die neuen Nähtische bieten Platz für 15 Teilnehmerinnen, passende Stühle wurden auch vom örtlichen Schreiner gefertigt und die beiden neuen Schränke ermöglichen es, die Stoffe wie die fertigen Produkte staubfrei zu lagern. Es gibt eine kleine Rede der Präsidentin, Madame Kassogué, dann eine des Direktors von GAAS Mali, M. Coulibaly, dann bin ich an der Reihe und schließlich wird ein Familienfoto gemacht. Es gibt Limo zum Anstoßen und die Frauen, die durchweg kein Französisch sprechen, zeigen durch ihre Mimik und Gestik, dass sie sehr glücklich über ihr neues Atelier sind. Das freut mich natürlich auch und vielleicht schaffe ich es gelegentlich, die Fotos hochzuladen (bei meinen 21,5 kb hier schon eine Geduldsprobe …)

Djénné

Die letzte Evaluation führt mich noch mal nach Djénné - an der Fähre müssen wir wieder mal warten, es ist nicht mehr viel Wasser im Fluss, aber es ist gleichwohl zu tief, um mit dem 4 x 4 zu queren. Also werden wir mit Eselskarren und einigen anderen Autos verladen, um dann auf der Piste weiter nach Djénné zu fahren. Für dieses Jahr ist eigentlich eine Brücke angekündigt, aber mit dem Bau wurde noch immer nicht begonnen.

Djénné hat noch einen alten Stadtkern, kann auch nicht wirklich wachsen, denn es liegt mitten im Fluss, wie eine Art Insel. Die berühmte Moschee ist Weltkulturerbe, was jedes Jahr viele Touristen anlockt. Aber da ich mit Keita unterwegs bin, werde ich nicht so viel angequatscht - vor schwarzen Erwachsenen haben die Kinder hier nämlich Respekt.

Wo wir schon in der Nähe des Flusses sind, wird noch Fisch eingekauft, es reicht, das vor der Arbeitssitzung anzumelden, bis wir nachmittags fertig sind, ist der frische Fisch geliefert. Wir teilen 1: 3, schließlich habe ich keine große Familie zu versorgen. Die Präsidentin der ONG, Madame Djenepo, begleitet uns noch nach Mopti, sie erzählt ein wenig aus dem Leben des Präsidenten ATT, dessen Familie in der Nachbarschaft ihrer Familie in Mopti lebt.

Ich setze sie in Mopti dort ab und mache mich auf den Endspurt nach Bandiagara.

Dort erwartet mich wieder eine mit Hühnerdreck versaute Terrasse, seit einigen Wochen lasse ich die Hühner frei laufen - sie sind seither richtig proper geworden, aber sie lieben es halt auch, sich nachmittags auf meiner Terrasse zu versammeln. Auch muss ich jetzt morgens auf mein Frühstück aufpassen, blitzschnell haben sie es vom Teller geklaut. Die Tür zum Haus bleibt tagsüber auch zu - sie haben das Katzentrockenfutter in der Küche entdeckt und scheuen sich nicht, da zügig hinzugelangen, woraufhin ich sie wiederum durchs Haus jagen muss, um sie wieder rauszuwerfen. Dabei habe ich gelernt, dass Hühner kalte Füße haben (habe den hier üblichen Griff auf die Hühnerfüße eingeübt, man kann sie dann leicht kopfüber hinaustragen ….). Nach und nach werde ich sie wohl verschenken - außer für Opfergaben soll man die Tiere vom eigenen Hof nicht selbst verwenden - ist aber je nach Ethnie auch wieder verschieden. 

Bandiagara

Drei Tage in Sévaré liegen hinter mir - Abschlussevaluation des Begleitprogramms für einheimische Organisationen. Es geht immer wieder darum, wie man Projektanträge stellt, welche Informationsmöglichkeiten es gibt, wie die Regeln der unterschiedlichen Geber aussehen. Aber auch interne Probleme kommen zur Sprache - sind Projekte am Laufen, sind alle im Terrain und es fehlt an Kräften, die z.B. Nachfolgeprojekte entwickeln.

Und dann natürlich die kleinen Alltäglichkeiten, die immer wieder Kraft fordern: z.B. Metallwaren, ihre Haltbarkeit ist aufgrund des Klimas und der oft minderwertigen Qualität sehr beschränkt. So habe ich inzwischen zwei mal die Schlösser auswechseln lassen müssen - irgendwann passen die Schlüssel auf rätselhafte Weise nicht mehr. Dann sind alle Wasserhähne inzwischen neu - bis auf die an den Waschbecken, aber da kommt eh nie Wasser raus. Allein in der Küche wurde inzwischen der vierte Wasserkran installiert.

Auch Schuhe und Taschenlampen sind echte Verschleißartikel hier - der ewige Staub und die Hitze machen die Sohlen und das Material porös, zum Glück gibt es mit Bandiagara, der nicht nur Trommeln herstellt, einen Schuster am Ort, der das für kleines Geld wieder in Ordnung bringt (incl. Lieferung der reparierten Sachen frei Haus). Mit Taschenlampen ist es schon schwieriger. Die Batterien geben in kürzester Zeit ihren Geist auf, laufen aus, damit ist das Gerät selbst sehr schnell unbrauchbar. Die Lebensdauer wiederaufladbarer Batterien scheint noch kürzer zu sein - ein Ladevorgang und nach wenigen Tagen sind sie schon wieder leer. Am besten haben sich die kleinen Lämpchen als Schlüsselanhänger bewährt - ihre Minibatterien sind offenbar der Hitze besser gewachsen.

Meine Solarlampe hat sich nach dem Einsatz in der Silvesternacht ebenfalls „verabschiedet”, sie lässt sich mit dem kleinen Solarpanel nicht mehr aufladen. Da gibt es hier am Ort z.Zt. leider niemanden, der das reparieren kann. Die Lampe kommt aus einem Projekt in Süddeutschland, ähnlich wie die Solarkocher. Die sind auch praktisch, allerdings ist die Wartung der großen Kollektorschüssel, die dazu gehört, für die hiesigen Lebensbedingungen viel zu aufwendig - es gibt praktisch keine fusselfreien weichen Tücher, wie sie für die Staubentfernung täglich erforderlich wären - da kehren die Frauen dann doch schnell zum scheinbar verlässlicheren Holzfeuer zurück, obwohl Holz auch immer knapper und teurer wird.   

Überhaupt die Preisentwicklung - die Verhandlungen über die neuen Wirtschaftsverträge zwischen Afrika und Europa sind ja ins Stocken geraten. Eine Folge davon sind u.a. Preissteigerungen in zentralen Lebensbereichen: Brot, (Speise-)Öl, Importwaren aller Art wie z.B. Butter oder asiatische Lebensmittel, Benzin, Diesel - damit bahnt sich auch eine Steigerung der allgemeinen Lebenshaltungskosten an (Strom wird z.B. hier in Bandiagara mit Diesel erzeugt). In Kamerun, Burkina Faso und an der Elfenbeinküste gibt es deshalb zuweilen schon Unruhen, die Menschen sind ohnehin schon arm, wenn nun die Lebenshaltungskosten drastisch steigen, verschlimmert das ihre Situation. Gerüchten zu Folge steht eine Abwertung des CFA an, was die Lage weiter erschweren würde.

 

Mopti

Da wagte ich die erste „Ausfahrt“ mit dem kleinen Jetta in Mali – und schon hat mein „Lieblingspolizist“ in Sévaré uns erspäht. Ich meine noch, es pfeifen gehört zu haben – aber sonst hat niemand im Wagen was mitgekriegt. Da stoppt uns ein Moped der Polizei – warum ich nicht angehalten hätte – Tja nun, ich habs nicht gehört – was ich denn gemacht hätte? „Nichts, aber ich will Ihre Papiere sehen und jetzt, wo Sie nicht angehalten haben, fahren wir erst mal zur Wache.“ Dort stellt sich dann raus, dass von der Einreise aus Mauretanien noch ein Stempel fehlt, das ist schnell gemacht und als Dankeschön lassen wir einen kleinen Beitrag zum Tee da (500 CFA, ca. 60 ct) und können endlich weiter, es ist nämlich Sonntag und wir wollen Pinasse fahren und frischen Fisch essen. Das findet dann auch alles statt und wir sind entspannt und erholt, als wir abends wieder in Bandiagara ankommen. Ist schon schön, den Niger so in der Nähe zu haben.

Bandiagara

Na bitte, das war doch wieder eine wunderschöne Fete - die ganze deutsche Equipe war da und vor allem auch viele malische Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Freundinnen.

Leya Bah, Luc und Etienne haben den ganzen Silvestertag über 20 Hühner dahingemetzelt und schön gegrillt - es gab wieder ein afrikanisch-asisatisch-europäisches Buffet, wo sich besonders neben den Hühnern und dem Kartoffelsalat von Meinhard der grüne Salat großen Zuspruchs erfreute.

Ab 22.00 Uhr wird bei GAAS Mali weiter gefeiert - wir bleiben noch im kleinen Kreis bis Mitternacht bei mir im Garten - es ist wirklich sehr kühl, also machen wir uns Glühwein und freuen uns über die Weihnachtsplätzchen, die meine Eltern mit den Eltern von Margret hergeschickt haben. Auch die Pralinenschachtel, ein besonderer Luxus des letzten Bamako-Besuches, macht jetzt die Runde.

Dann gehen wir zu anderen Feten - bei GAAS gibt es erst mal wieder eine Platte mit Huhn und Reis - und Musik und Tanz, wir ziehen dann noch weiter ins Hotel Auberge, wo Disco ist und uns ein Kollege mit einer Flasche Sekt erwartet (endlich, hatte ich doch schon wirklich vermisst) - wir brennen als Dankeschön grad mal noch ein paar Wunderkerzen ab. Gut unterrichtete Kreise ließen verlauten, es sei gegen 5.00 Uhr morgens gewesen, als wir in unserem Viertel gesichtet wurden ….

Also die Nacht war lang, aber das Neue Jahr beginnt gut.