Februar 2008


Segou/Bamako

Und wieder unterwegs, diesmal zur Vollversammlung des ded in Segou, die jährlich stattfindet und in diesem Jahr eine Menge Neuerungen bringt. Der Landesdirektor reist wieder aus, die neue Direktorin nimmt erstmals teil, es gibt einiges an neuen Instrumenten für Suivi, Evaluation und Wissensmanagement und natürlich ist die Freude groß, neben dem vollen Arbeitsprogramm auch etliche Kollegen und Kolleginnen aus anderen Orten zu treffen, die ich sonst seltener sehe.

Heute dann hier in Bamako volles Programm, denn so langsam muss ich  mal damit anfangen, meine Ausreise vorzubereiten. Der 25. April ist als Rückflugtermin vorgesehen, alles ein wenig knapp, denn am 15. Mai werde ich wieder beim Kreis Mettmann erwartet. Aber das wird schon alles klappen. Ich muss zur Botschaft, zur Bank, zur anderen Bank, ins DED Büro - und morgen wird das erledigt, was heute nicht geklappt hat (es handelt sich um das Programm, das ich wg. Krankheit im Januar nicht machen konnte).

Bandiagara 

Der schöne Film von der Max Brauer Schule aus Hamburg hat die Idee zu einem interkulturellen Austausch hervorgebracht: Könnte doch für die Menschen hier interessant sein, was von ihrer Schule in Deutschland gezeigt wird.

Nouhoum bereitet also eine kleine Einweihungsfeier für die nun fertige Schulkantine vor. Ich steuere etwas Geld für ein Schaf bei und leihe mir einen Beamer, das Lehrerkollegium sowie Elternvertreter aus den 14 Dörfern,  aus denen die „Kantinenkinder” kommen, sind eingeladen.

Natürlich ist zu Beginn der Veranstaltung erst mal der Strom weg, etwas ungewöhnlich an einem Samstag Nachmittag. Es wird versucht, das Solarpanel anzuschließen, aber seine Kapazität reicht nicht für PC, Beamer und Lautsprecher, also abwarten. Und so nach ca. 45 Minuten, als wir grade beschlossen haben, zusammen zu rücken und nun mit der Laptopbatterie so weit zu schauen, wie sie halt hält, da kehrt der Strom zurück und der Nachbar, dessen Steckdose wir angezapft haben, kommt herbeigelaufen, um die gute Botschaft zu verkünden. Noch mal werden wir unterbrochen, als Kinder das Verlängerungskabel, das vom Nachbarhaus über die Straße bis zur Kantine führt versehentlich rausreißen, aber dann geht’s wirklich und endlich los.

Wir zeigen die Teile „Schulalltag” und „Projekte” und alle sind hellauf begeistert. Die LehrerInnen und Eltern erkennen ihre Kinder im Film, lachen sich krumm und schief über die Tubabs, die mit den Fingern essen und haben eine Menge Spaß. Der Vorsitzende des Kantinenkomitees dankt den Freunden in Hamburg, alle freuen sich auf deren nächsten Besuch und hoffen, dass sie dann weitere Teile des Filmes sehen können. Und dann lassen wir uns Reis, Soße und Gegrilltes schmecken …

Enndé

Da haben wir uns nun mal einen kleinen „Betriebsausflug” gegönnt: Enndé liegt am Fuße der Falaise, es gibt ein schönes Campement, in dem wir uns einquartiert haben und wo wir einfach ein wenig spazieren gehen, ausspannen und plaudern. Am Abend kommt noch der örtliche Masseur vorbei, eine kräftige Dogonmassage weckt die Lebensgeister und lässt die letzten Krankheitsreste aus meinem Körper verschwinden.

Am Sonntag Morgen besichtigen wir den alten Sitz des Hogon, des Oberhauptes der Dogon. Die Anlage wurde gerade restauriert, man steigt zunächst hoch übers Dorf, dort ist sein Haus, mit den Nebengebäuden für Frauen und Kinder, noch weiter oberhalb dann die alte Kultstätte, die durchaus eine eigene Ausstrahlung hat. Derzeit gibt es einige Probleme mit dem Hogon, es ist immer der Älteste, der dazu berufen wird. Diesmal ist dieser Älteste jedoch Moslem und bisher nicht gewillt, seinen Pflichten als Hogon (abgeschieden auf dem Berg leben, Zeremonien durchführen etc. pp.) nach zu kommen. Es ist unklar, wie diese Sache ausgehen wird.

Bandiagara

Gut wieder angekommen, Krankheit überstanden, erneuter Test endlich negativ. Ich mache noch eine kleine Kur zur Blut-, Leber- und Nierenreinigung mit einem traditionellen Tee, allein die Medikamente sind ja auch schon geeignet, den Körper zu schwächen.

Kollegen aus Kati sind zu Besuch, Anlass für ein kleines Fest, zu dem Bandiagara der Trommler und die Kinder aus der Nachbarschaft am späten Nachmittag eingeladen sind. Ein paar ältere Frauen sind auch gekommen und nun tanzen alle durch Margrets Hof und alle haben natürlich besonders viel Spaß, wenn auch die Tubabs sich auf die Tanzfläche wagen …

 

Bamako

Der Test war noch immer positiv, also noch mal 3 Tage, aber es geht mir deutlich besser, das Fieber ist weg und auch diese Müdigkeit und Schwäche sind verschwunden. Mit der Rückkehr der Lebensgeister kommt auch der Unternehmungsgeist zurück und als Patrik anruft und eine kleine Fahrt nach Koulikourou vorschlägt, bin ich ganz begeistert. Wiedersehen mit Jaqueline, Ben und Lolo, die im Herbst letzten Jahres aus Bandiagara nach Koulikourou gegangen sind. Wir machen ein Mittagsgelage in einem französischen Restaurant, hier fühlt man sich wie in Südfrankreich, teure aber hervorragende Küche, wir schlemmen und plaudern und dann fragt mich die Malierin vom Nachbartisch auf Deutsch, ob denn wohl Lolo mein Enkelkind sei? Oh was haben wir gelacht, dabei ist es doch nur logisch: Ben und Jaqueline als Eltern, Patrik der Bruder von einem der beiden und ich als Großmutter - so schnell kanns gehen! Den Rest Tages werde ich als „Oma Gabriele” tituliert, woran ich mich nicht wirklich gut gewöhnen mag ….