März 2008


Bandiagara

So langsam runden sich einige der kleinen persönlichen Projekte. Jutta hat einen Weg gefunden, mit Unterstützung durch erfahrene Leute hier in Bandiagara das Geld für die Flutopfer möglichst gerecht zu verteilen: Das Problem war und ist ja, dass die Verwaltung keinen guten Überblick über die Lage der Leute hatte und dass vor allem doch eine gewisse Geldvernichtung durch Bewirtung von Delegationen, Reisekosten der stv. Bürgermeister etc. feststellbar war, so dass unser Vertrauen ins Rathaus sehr gelitten hatte. Nun kam Jutta gestern hier her und jedes Viertel, in dem Opfer wohnen, hatte einen Sprecher benannt, der die Summe für die jeweiligen Familien in Empfang genommen und quittiert hat.

Nun hoffen wir sehr, dass es dazu beiträgt, dass sich die Menschen neue Häuser bauen können.
Die Brücke in Goundakar wird jetzt auch repariert, langsam und mit wenigen Maschinen werden große Erdmassen bewegt, ob es gelingt, damit vor der Regenzeit fertig zu werden, steht dahin.

Bandiagara

Gerade erhalte ich von verschiedenen Seiten e-mails zu den unsäglichen Äußerungen von Frau Christa Müller (Gattin von Lafontaine, Linkspartei), in Sachen Kinderkrippen und Genitalbeschneidung: „Christa Müller vergleicht den Kampf gegen die Beschneidung mit jenem gegen die Fremdbetreuung: “Diesen Vergleich wage ich, denn bei der Genitalverstümmelung handelt es sich um Körperverletzung, bei der Krippenbetreuung in einigen Fällen um seelische Verletzung - und die ist manchmal schlimmer als Körperverletzung.” In : Der Spiegel, 29.02.2008.

Als eine, die jetzt schon über 2 Jahre in Mali lebt und auch erlebt, wie sich die Menschen hier engagieren, um die Praxis der Genitalbeschneidung zu beenden, finde ich den von ihr gewählten Vergleich mit Kinderkrippen unglaublich und bar jeglicher Kenntnis von afrikanischem Alltag, geschweige denn Einfühlungsvermögen für das, was hier wirklich passiert! Aus Seminaren und Gesprächen mit Frauen in den Dörfern habe ich eine Ahnung davon bekommen, was dieser Brauch an Schäden in seelischer und körperlicher Hinsicht anrichtet – das mit Kinderkrippen zu vergleichen, ist einfach dreist.

Zumal sich grade hier in Mali gleichzeitig Eltern, fortschrittliche wie auch christliche Kreise für Einrichtungen zur Betreuung von Kleinst- und Kleinkindern engagieren, denn das ist für viele Kinder eine Chance, anschließend Zugang zu Schulbildung statt zu Feld- und Hausarbeit zu finden!

Und die Haltung von Frau Müller zu den Ländern Afrikas: erst Benin, jetzt kommt Togo dran, „Ein Land nach dem anderen“ – das hört sich an wie aus den übelsten Kolonialzeiten Anfang des 20. Jahrhunderts – unglaublich.

Bandiagara

Da haben wir die 250 km Piste wieder gut hinter uns gebracht, haben die Route de poisson genommen, wo überall die Schilder von GAAS Mali stehen, denn hier ist das Interventionsgebiet des großen EU-Projektes gegen Aids. Die Piste wird demnächst geteert, vorab wird an ihren Rändern in den Ortschaften sensibilisiert, was der zusätzliche LKW-Verkehr für diese Orte bedeuten kann.

In Bandiagara angekommen ist der weisse Auto rostrot, wir haben alle eine dicke Staubschicht auf uns und ich will nur noch unter die Dusche - aber es ist gegen 18.00 Uhr, also kein Wasser im Haus. Ich lass mir einen Eimer am Außenanschluss vollplätschern (dauert auch seine Zeit) - aber dann … welcome home!

 

Ougadougou

Nun ja, das Nachtleben hier fordert schon seinen Tribut, aber es ist auch deutlich mehr los als in Bamako! Letztlich war die Nacht kurz und wir verbringen einen gemächlichen Sonntag am Pool im Hotel Ricardo, ein deutlicher Qualitätsgewinn gegenüber unserer Unterkunft in der protestantischen Mission. Dann gönnen wir uns noch eine shoppingrunde im Kunstzentrum, wo es zum einen die Ateliers die HandwerkerInnen zu besichtigen und einen hübschen Laden für den Einkauf gibt. Mit Blick auf meinen bevorstehenden Abschied leiste ich mir eine neue Ledertasche für die neue Arbeit in Deutschland. In Burkina sind etliche Eindrücke anders als in Mali. So gibt es viel mehr Cafes, wo man draußen sitzen kann, man sieht häufig ganze Familien unterwegs und die Stadt wimmelt von Fahrrädern, wo in Bamako Mopeds die Luft verpesten

Ouahiguia/Ougadougou

Heute Morgen dann machen wir uns auf zum Hauptplatz von Ouahiguia, denn dort findet die Manifestation für den Internationalen Frauentag statt. Ich habe extra mein Mali Kleid mitgenommen, hatte ich mir in Bamako noch aus dem diesjährigen Stoff schneidern lassen. Obwohl ich erst dachte, es sehe mehr wie ein Nachthemd aus, bestätigten doch schließlich alle, dass es prima geschnitten ist. So ist das halt mit Kleidung, die auf die Person zugeschnitten wird … Eine große Tribüne ist schon aufgebaut und alle Frauengruppen und –assoziationen, Parteigliederungen und Initiativen, Vertreterinnen der örtlichen Schulen etc. sind schon versammelt. Ein Uniformierter weist uns an, uns auf die (bereits gut überfüllt erscheinende) Tribüne zu begeben, tatsächlich findet sich noch ein Plätzchen für uns. Bis auf den Bürgermeister bleiben die Reden für uns unverständlich, zwischendurch gibt es immer wieder Tanz- und Kulturdarbietungen und am Ende singt noch eine (offenbar sehr bekannte) gestandene Frau in einem wunderschönen Kleid. Die anderen Frauen tanzen dazu und es ist eine schöne Atmosphäre. Allerdings müssen wir dann auch aufbrechen, denn wir sind mittags in Ougadougou verabredet. Auf dem Weg nach unten halten mich noch Frauen an und fragen, aus welchem Land mein Kleid kommt, sie freuen sich über den Besuch aus Mali und danken uns für unsere Teilnahme. Auf dem Platz beginnt nun das Défile, was bedeutet, dass die Frauen, die alle gruppenweise gleich gekleidet sind, an der Tribüne vorbeimarschieren (wirklich im Gleichschritt!!!). Schon sehr anders als unsere 8. März Demos!

07.03.2008

Ouahiguia (Burkina Faso) Mit meiner Kollegin Steffi mache ich mich auf den Weg nach Burkina Faso. Nach 3 Stunden Piste, die der kleine Jetta locker wegsteckt, kommen wir in Ouahiguia (sprich: Wahiguia) an, wo Adidia schon für uns ein Zimmer im Hotel La liberté reserviert hat. Gegen Abend sind wir zum Essen eingeladen und anschließend gibt’s eine Tanzpräsentation mit der Gruppe, mit der Adidia die ganze Woche gearbeitet hat. Die jungen Frauen sind Klasse und Adidia fügt sich prima ins Bild mit den jungen Afrikanerinnen. Zwei Männer tanzen mit, sie sind die Berater der Gruppe, entsprechend erfahren und mit einer unglaublichen Ausstrahlung versehen. Die Schlussdarbietung, wie sich Frau und Mann schön machen für eine Verabredung und sich dann annähern, löst im inzwischen zahlreichen Publikum – das Ganze findet im Hof des Hauptsitzes der Regierungspartei von Burkina Faso statt – Jubel und Begeisterung aus. Alle TänzerInnen sind geschafft, gleichwohl wird in allen Richtungen versucht ein gutes Familienfoto hinzukriegen – der aufgewirbelte Staub reflektiert das Blitzlicht, wodurch die Bilder völlig überbelichtet werden. Wir verabreden uns noch mit einigen aus der Gruppe zu einem kleinen Umtrunk in der „Boite de nuit“ (so heißen hier buvetten oder eben Kneipen und Lokale) neben unserem Hotel und lassen den Abend gemächlich ausklingen.

Sévaré

Die letzte Fortbildung, die ich für „unsere” ONGs begleiten kann: Internet Aufbauseminar. Wir haben mit dem Verantwortlichen für den Internetsaal am Gymnasium in Sévaré einen hervorragenden Lehrer gefunden, der nicht nur mit der Technik umgehen kann, sondern auch pädagogisches Geschick im Umgang mit unserer - letztlich doch sehr heterogenen - Seminargruppe beweist. Jedem und jeder TeilnehmerIn gibt er noch Tipps mit auf den Weg und alle sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Woche.

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