April 2008


Bochum

Tja, da habe ich also erst mal 18 Stunden am Stück geschlafen, der Flug war ja insgesamt ok, war auch nett bis Paris mit Ben, aber dann kommt ja immer der Augenblick, wo jeder sehen muss, wo er/sie bleibt.
Martin holte mich in Düsseldorf ab, blitzschnell war ich durch alle Kontrollen, das Gepäck sofort zur Stelle – ja doch, Glas, Stahl, Beton, genau so hatte ich das doch alles in Erinnerung – und aber vor allem Wiedersehensfreude mit dem alten Freund.
In Bochum erst mal ein wenig auspacken, witzigerweise ist Uli, der zum Zeitpunkt meiner Ausreise grade nach Neuseeland auswanderte, gerade zu Besuch und wohnt auch bei Martin und Andrea – allerdings ist er nur auf Urlaub und kehrt nach ein paar Wochen wieder zurück – er war ja damals „richtig“ ausgewandert.
Morgens kommt Margret zum Frühstück und dann geht es auf nach Haan, das neue Haus besichtigen … ich bin schon ein wenig aufgeregt, schließlich habe ich es noch nicht in Natur gesehen. Aber Gerd und Regina sind da – mit Sekt und Selters und nach einer ersten Besichtigung bin ich rundum begeistert: Es ist wunderschön, liebevoll saniert und Rik hat mit seinen aktuellen Streicharbeiten auch ganze Arbeit geleistet. Es werden Schlüssel übergeben, Verabredungen getroffen – nächsten Freitag kann ich einziehen.
Dann geht’s weiter zu meiner Schwester, wo meine Eltern und mein Neffe schon warten – große Wiedersehensfreude! Die Eltern sind wirklich froh, dass ich wieder zurück bin, war ja auch ein Grund zu gehen, mit ihnen auch Zeit verbringen zu können.
Natürlich friere ich ständig, es ist um die 20 Grad, alle sind glücklich ob des schönen warmen Wetters – nur bei mir will sich diese Freude nicht so ganz einstellen, habe ich Bamako doch bei 38 Grad verlassen – kurz vor Mitternacht.
Ich rufe in Mali an, um wissen zu lassen, dass ich gut angekommen bin und bitte alle lieb von mir gegrüßt werden sollen – ist schon irgendwie komisch ….

Düsseldorf/Bochum

Raus aus dem Flieger in Paris – da stehen am Ende des Ganges 5 uniformierte, bewaffnete  Gestalten mit einem derart grimmigen Gesichtsausdruck und einer Haltung, als wollten sie gleich alle Insassen des Flugzeuges verhaften … und das nur um zu sehen, ob jede/r seinen/ihren Pass in der Hand hat !?!

Willkommen in Europa!?!

Mir wird’s gleich noch kühler, als es eh schon ist. Wüsste gerne, ob einem Flugzeug aus den USA auch ein solcher “Empfang” bereitet wird.

Bamako

Auch der letzte Tag fliegt vorbei – ich bringe mein Gepäck zu Air France, da muss ich erst mal umpacken, weil ein Gepäckstück nicht mehr als 32 kg haben darf – Rechte der Bandarbeiter in der Gepäckverwaltung, also umschichten. Dann kommt Ben mit seinem Gepäck, wir haben den gleichen Flug und freuen uns schon auf eine entspannte Reise.

Abends treffe ich mich mit Keita und Tolo, wir trinken noch ein Bier und schwelgen in Erinnerungen und dann ist es schon so weit: Auf zum Flughafen.

Letztlich ist der Abschied unspektakulär – ich habe auch das Gefühl, dass ich wieder komme und so trinken Ben und ich noch ein Castell im Flughafenrestaurant - Tja und dann geht’s auch schon los.

Bamako

Heute also alle Formalitäten beim ded noch abgewickelt, Auto und Laptop zurückgeben, Papiere unterzeichnen, letzte Abrechnungen – es bleibt jetzt noch Geld übrig, aber ich will ja im Oktober hier Urlaub machen, da schadet es nicht ein paar CFA zu haben. Ein ausführliches Gespräch mit der Landesdirektorin – Abschied von der malischen Equipe …

Sehr lustig noch das Aufgeben der Kiste beim Cargo – vor uns war eine Kundin die 5 große Kisten (offen und zerfleddert) mit Trockenfisch nach Kanada schickte … die Crew in der Cargo Halle erzählt, dass sie das alle 2 Wochen macht, ihre Familie verkauft den Fisch dort … Der Zollvertreter durchwühlt die Fischkartons, dann werden sie in Plastik eingeschweißt – und ab geht’s! Meine Kiste wird auch inspiziert, als klar ist, es ist mein Hausrat und ein paar Geschenke, ist alles ok, gleichwohl wird eine Summe als „Zoll“ deklariert – leider kann mir keiner erklären, was das soll, selbst Mme Diarra meint, das sei immer so …

Abends treffe ich mich mit Katrin, wir gönnen uns ein schönes Capitaine Brochette im Pili Pili, lustiger weise das erste afrikanische Restaurant in dem ich 2004 mit Christof war … dann kurz vorm Gästehaus der Anruf von Meinhard: Er und Andrea sind noch in Le Bafing, ein spätes Brochettenessen – tja, es ist nicht weit, denn die beiden möchte ich gern auch persönlich verabschieden.

Bamako

Den letzten Streckenabschnitt fahre ich allein – ist schon komisch, dass die Zeit hier in Mali schon wieder rum ist – eigentlich kaum zu glauben. Aber ich würde es sofort wieder tun!!!

Im Gästehaus bin ich diesmal allein, auch ein komisches Gefühl, aber viele KollegInnen sind vor der extremen Hitze (ca. 46 Grad) in den Urlaub nach Europa „geflüchtet“ – nun ja für mich ist es diesmal keine Urlaubsreise.

Ich gönne mir einen Nachmittag am Pool im Hotel Salam – auch ein (vorläufig) letztes Mal, besuche Christof in seinem schönen neuen Haus oberhalb von Bamako – wunderbar, von dort den abendlichen Blick über die Stadt zu genießen. Es kommt uns beiden komisch vor, dass die 2,5 Jahre schon vorüber sein sollen, aber es ist einfach so.

Segou

Soweit, so gut, zum Abschied kamen noch mal Nouhoum Oulouguem, Yaiben, Laya Ba, Etienne, Luc und natürlich mein lieber Freund Hamidou vorbei, Margret überprüft ein letztes Mal, ob wirklich alles gut verstaut ist – Malado sitzt schon auf dem Beifahrersitz – sie fährt bis Segou mit. Tja, und ich kann nur alle noch mal herzlich verabschieden – und es ist am besten sich ins Auto zu setzen und loszufahren ….

Beim Stichwort Auto: Suleiman und seine Jungs haben den kleinen Jetta tatsächlich wieder hingekriegt – ich lasse ihn in Bandiagara, wenn ich zu Besuch komme, bin ich beweglich und wenn was dran ist, kriegt Suleiman das wieder hin.

Heute also bis Segou, hier kann ich bei Wolfgang übernachten, wir haben uns schon länger nicht mehr gesehen – wir gehen zusammen Pizza essen und treffen noch Wim – auch in Segou sind ja einige nette KollegInnen …. und auch hier ist Abschied angesagt.

Der letzte Abend in Bandiagara im „kleinen Kreis“, Stefan und Fati, Margret, Steffi, Adiya und ich treffen uns bei Papa Njango zum Brochettenessen – es ist heiß wie immer, die LKW donnern vorbei. Die andern sind unterwegs, Meinhard in Kati, Jean Baptiste und Birgit in Europa, aber klar, übers Telefon stehen wir miteinander in Verbindung…. Unter dem Sternenhimmel schlendern wir zurück – noch mal die Hunderunde die Margret und Rudi … morgen früh geht’s los!

Nun ist auch die Klimaanlage ausgebaut, das Haus fertig gestrichen und ich bin zu Margret gezogen. Nur noch mein Gepäck ist nebenan.

Theoline, die Katze, hat schon seit längerem begriffen, dass da was im Gange ist und hat sich schon auf das Leben bei Margret und Rudi, dem Hund, mit dem sie in Segou aufgewachsen ist, eingestellt.

Bei GAAS Mali wurde eine schöne und freundliche Abschiedszeremonie gemacht, die Frauen aus dem Kurs haben getrommelt und getanzt, von vielen KollegInnen habe ich noch schöne Geschenke bekommen – mir war gar nicht bewusst, dass ich in der kurzen Zeit so viele Leute kennen gelernt hatte.

Gestern haben dann noch Steffi und Adiya eine Fete organisiert – wir haben uns vorher getroffen und ich bekam eine wunderschöne Powerpointpräsentation mit den schönsten Fotos meiner Zeit in Mali geschenkt – ich war ganz gerührt und musste mich schon sehr beherrschen – ist halt nicht leicht, das Abschiednehmen. Daou und Koumba kommen vorbei, mein Freund Hamidou schaut jeden Tag rein, viele Kollegen kommen noch mal grade vorbei. Jaiben hat das Haus ein letztes Mal blitzblank geputzt, Laya Bah sogar auch etwas ins Abschiedsalbum geschrieben. Etienne hofft nun auf einen Platz in der Schule für Englischlehrer und Luc umschreibt mit ausholenden Gesten, wie Fliegen geht und dass das lange dauern wird …

Ogomo bittet mich noch mal vom Büro aus, bei ihm vorbeizukommen, ermöchte mir was zeigen … 5 Männer hocken auf dem Boden und arbeiten an einem wunderschönen Bogolan-Wandbehang – der muss und wird noch fertig werden, versichert er mir.

Ich bin nun gar nicht in Aufbruchsstimmung sondern würde der trotz der täglichen 46 Grad und der Hitzepickel, die sich inzwischen zahlreich auf meinem Körper einfinden, eigentlich am liebsten bleiben – ich merke unbehagliches Ziehen in der Magengegend – könnte das Angst vor der anstehenden Veränderung sein????

Bandiagara

Gar nicht so einfach, das Abschiednehmen. Da fangen jetzt die Seminare für die Frauen zur Vorbereitung auf die Kommunalwahl wieder an – ich würde sie gerne bis zum Wahltermin im nächsten Jahr begleiten. Aber nun ist es anders gekommen und ich kann immer nur bei ihnen vorbeischauen und muss mich ansonsten dem Leeren meines Büros und Hauses sowie dessen Renovierung widmen. Die Einrichtung verkaufe und verschenke ich – aber so recht kann ich mich nicht aufraffen, also greife ich auf einen alten Trick zurück, der mir schon oft geholfen hat, wenn mir etwas zuviel oder unbehaglich war: In kleine Stückchen zerlegen, also jeden Tag 30 Minuten packen – und ruckzuck, nach einer Woche sind die beiden Versandkisten und die Stapel für die FreundInnen und KollegInnen fertig zusammengestellt.

Bamako – Mopti

Na, das war ja mal eine gute Idee, ich bin von Bamako nach Mopti geflogen, zusammen mit Steffi, wir hatten viel Spaß, als die Innenverkleidung des Flugzeuges sich über ihrem Sitz löste – die Stewardess war dankbar, dass wir nur gelacht und keine Szene hingelegt haben. Es war wunderschön, Mali von oben, man fliegt den Fluss entlang und um diese Jahreszeit gibt es eine Fülle von Braun- und Rottönen – einfach beeindruckend. Die Maschine ist klein, wenige Passagiere – und statt völlig fertig nach 10 Stunden Fahrt aus dem Auto zu stolpern, hüpft man nach 1,5 Stunden Flug munter aus dem Flughafen – zu den gleichen Kosten wie das Benzin der Autotour – wenn also nur eine Person reist und nicht viel zu transportieren ist – beides eher selten. Aber gut zu wissen, dass die Möglichkeit gibt.

Jutta holt uns am Flughafen ab und ich hole mein Auto bei ihr und auf geht’s – Endspurt nach Bandiagara.

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