November 2011


Bandiagara

Was für eine Woche! Am Montag habe ich angefangen zu arbeiten, es musste ja jetzt zügig die Planung für 2012 angegangen werden. Ein sehr freundlicher Empfang im Rathaus, mein Vorgänger kam extra aus Sevare, wo er jetzt arbeitet, um mir alles zu zeigen und die Beschäftigten im Rathaus haben sich zu einem kurzen Treffen versammelt, bei ich durch den Bürgermeister Hussein SAYE, vorgestellt wurde. Auch alle KollegInnen stellten sich vor, es tagte auch grade das Wahlvorbereitungskomitee, so dass ich auch gleich Parteivertreter kennen lernen konnte. Durch meinen Kollegen Hamidou CAMARA - „EFK“ – Einheimische Fachkraft – wurde mir vieles weiter erklärt.

Dann kam der Donnerstag mit der Schreckensnachricht, dass in Hombouri, ca. 350 km von hier, eine Entführung stattgefunden haben soll. Wir können es erst nicht glauben, denn das gab es – gegen EuropäerInnen – in Mali noch nie. In den Nachbarländern durchaus und Mali war dann gern gesehener Vermittler, aber hier, im eigenen Land – alle sind erschüttert und fürchten nicht zuletzt auch um die Touristensaison, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes und vor allem des Dogonlandes.

Als ob das noch nicht reicht, kommt dann am gestrigen Freitag die Nachricht, dass es in Timbuktu eine weitere Entführung gab und dabei sogar ein Mensch erschossen wurde. Jetzt herrscht blankes Entsetzen bei allen, MalierInnen wie Deutschen, denn der zu Tode gekommene ist ein Deutscher, der wohl zufällig zu der Touristengruppe hinzu kam, als die Verbrecher sie bedrohten und verschleppten. Das wohl auch noch in der Mittagszeit im Restaurant, also keineswegs am Rande einer einsamen Piste, wie man vermuten wuerde. Das schuert besonders die Sorge im Land, dass der soziale Zusammenhalt, der es bisher so friedlich und stabil hielt, zerbrechen koennte.

Für die MalierInnen ist klar, die Europaer und Amerikaner werden nicht mehr kommen, die Saison ist gelaufen. Es macht sich Empoerung gegenueber “Dem Norden” (dort liegt Timbuktu) breit und etliche fordern ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskraefte.

Wir EuropäerInnen müssen uns Gedanken um unsere Sicherheit machen. Ein erstes Treffen mit den Verantwortlichen hier am Ort zeigt, dass auch ihnen die Brisanz der Situation bewusst ist. Timbuktu ist zwar weit, aber das heißt nicht, dass sich nicht auch hier Banditen einfinden könnten. Wir folgen dem Rat der deutschen Botschaft in Bamako sowie den Hinweisen der GIZ und vereinbaren Vorsicht, enge Kommunikation und das Vermeiden von Reisen in abgelegene Gebiete. Da wir in Bandiagara bekannt und wohlgelitten sind, können wir uns kaum vorstellen, wegen Verbrechern - welcher Motivation auch immer - diesen Ort verlassen zu müssen.

Bandiagara

Na, das war ja eine Reise – so richtig zum wieder ins afrikanische Leben eintauchen! Eigentlich wollte ich ja mit meinem ganzen Gepäck einen Inlandsflug nehmen, aber die kleinen Maschinen waren bis zum 28.11. ausgebucht, so lange wollte und ich konnte ich nicht warten. Meine Recherchen, was andere Flugmöglichkeiten betrifft, brachten die Möglichkeit eines  Laer-Jets zu Tage, für eine Summe, nach der ich die GIZ wirklich nur im Scherz fragen konnte – aber sie wären nach meinen Wünschen am 17.11. geflogen.

Also blieb der Bus. Den Kauf des Tickets nutze ich, um malischen Bekannten von Freunden aus Deutschland noch Sachen zu übergeben, im Gegenzug helfen sie mir beim Ticketkauf und fahren mich zu Annes Haus zurück.

Also gestern Morgen um 7.00 h sollte es losgehen. Natürlich ist es 8.00 h, bis alles verstaut ist und alle ihre Plätze haben. Aus Sicherheitsgründen wird vor der Abfahrt noch mal kontrolliert, ob die, die da im Bus sind, auch die sind, die angemeldet waren. Dann geht’s los – mit Bittar Transport – welches sich im Laufe des Tages als Bitter oder Bizzar-Transport entpuppen sollte.

Nach 3,5 Stunden sind wir in Segou, der wunderschönen alten Königsstadt am Niger – und werden höflich aber bestimmt gebeten, den Bus zu verlassen, es komme ein neuer Wagen. Also alles Gepäck raus und abwarten. Da kommt er auch schon, der neue Bus. Alle und alles wieder einladen und los geht’s – etwa bis zum Ortsende. Hier hält er wieder und wir werden aufgefordert, den Bus zu verlassen – kommt doch der vorherige Wagen wieder um die Ecke?!?

Alle und alles wieder einladen und los geht’s.

Immerhin, weitere 3 Stunden, ich finde, dass die Geräusche beim Schalten nicht besonders Vertrauens erweckend sind, aber naja, das Gefährt kommt voran. Bei jedem Stopp stürmen HändlerInnen den Bus, es gibt Obst, Gemüse, Backwaren, Wasser, Cola, Tee, Drogerieartikel … eigentlich alles, was man auf Reisen so braucht. Ich versorge mich mit Sesamkeksen und frischem Wasser – Vorsicht, die Flasche muß wirklich verschlossen sein, sonst kriege ich Probleme, es dauert mindestens 6 Monate, bis ich das hiesige Trinkwasser trinken kann.

3 Stunden spaeter; also von San aus, rufe ich frohen Mutes Hamidou an, um ihm zu sagen, dass wir in ca. 3 Stunden in Sevare sein werden, wo er mich dann abholen will.

Tja, am Ortsrand …. Ich brauche es nicht näher beschreiben, aber diesmal dauert es länger. Aufgrund des Nachtfahrverbots kann mir mein Kollege in Sevare kein Auto schicken - bis das in San ist, ist es garantiert dunkel - also endlich geht es weiter und ich rufe Hamidou an, er soll in Bandiagara bleiben, auch fuer ihn ist es gefaehrlich, bei Nacht zu fahren. Dann rufe ich Jutta an, die in Sevare eine Bed & Breakfast Pension hat, und frage, ob sie ein Zimmer und ein Abendessen für mich hat. Zum Glück klappt beides und ich bin heilfroh, als Jutta mich in Empfang nimmt und es Steak mit Fritten gibt.

Heute Morgen bin ich dann mit meinem Kollegen hierher gefahren, wir haben die Gelegenheit gleich zum „dienstlichen Austausch“ genutzt, denn er ist mein Vorgänger auf der Stelle im Rathaus.

Hamidou erwartet mich am Haus, das er hat putzen lassen, alles ist bestens vorbereitet und ich freue mich, dass ich endlich angekommen bin.

 

Düsseldorf

Nun ist es also so weit, die beiden Umzüge sind überstanden, alles ist gepackt und vorbereitet und ich treffe mich mit meiner Schwester am Flughafen in Düsseldorf. Das ist gut, sie kümmert sich ums Gepäck, ich bringe den Leihwagen zurück, schon ist das Ckeck-in erledigt – natürlich nicht, ohne für das Übergepäck zu zahlen. Ich mache mich zügig auf zum Gate, denn ich weiß um die vielen Sicherheitschecks, die mir nun bevorstehen. Aber es geht ganz fix – und bald sitze ich im Flugzeug nach Paris.

Dort angekommen erwartet mich wieder der weite Weg durch den Airport Charles de Gaulle. Sie haben inzwischen viel an der Ausschilderung und an den Transportwegen gearbeitet. Ich kann also einen Shuttle Bus und einen automatischen Zug nutzen, um ans andere Ende des Flughafens zu gelangen. Natürlich haben sie wieder mal das Gate gewechselt, was daran auffällt, dass nur wenige Menschen dort sitzen, wo es ursprünglich losgehen sollte. Also noch mal quer durch die Halle – jetzt ist es aber wirklich so weit. Viel Handgepäck und Gedrängel, aber diesmal heben wir pünktlich ab.

Ich durchsuche das Unterhaltungsprogramm und entscheide  mich für den Film AVATAR, den wollte ich eh immer mal sehen, das verkürzt die 6 Stunden Flug doch gewaltig und bringt mich auch wieder in die französische Sprache.

Tja und dann sind wir Bamako, die warme, staubige, nach Flugbenzin und Müllverbrennung riechende Wüstenluft empfängt mich – auf eine gewisse Art das Gefühl, nach Hause zu kommen …. Meine Freundin Anne hat in Absprache mit der GIZ einen Fahrer zum Flughafen geschickt, der mich und eine weitere Kollegin, die aus dem Heimaturlaub zurück kommt, abholt und zu ihr bringt, denn wir werden bei ihr wohnen.