Sa 26 Nov 2011
Bandiagara
Was für eine Woche! Am Montag habe ich angefangen zu arbeiten, es musste ja jetzt zügig die Planung für 2012 angegangen werden. Ein sehr freundlicher Empfang im Rathaus, mein Vorgänger kam extra aus Sevare, wo er jetzt arbeitet, um mir alles zu zeigen und die Beschäftigten im Rathaus haben sich zu einem kurzen Treffen versammelt, bei ich durch den Bürgermeister Hussein SAYE, vorgestellt wurde. Auch alle KollegInnen stellten sich vor, es tagte auch grade das Wahlvorbereitungskomitee, so dass ich auch gleich Parteivertreter kennen lernen konnte. Durch meinen Kollegen Hamidou CAMARA - „EFK“ – Einheimische Fachkraft – wurde mir vieles weiter erklärt.
Dann kam der Donnerstag mit der Schreckensnachricht, dass in Hombouri, ca. 350 km von hier, eine Entführung stattgefunden haben soll. Wir können es erst nicht glauben, denn das gab es – gegen EuropäerInnen – in Mali noch nie. In den Nachbarländern durchaus und Mali war dann gern gesehener Vermittler, aber hier, im eigenen Land – alle sind erschüttert und fürchten nicht zuletzt auch um die Touristensaison, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes und vor allem des Dogonlandes.
Als ob das noch nicht reicht, kommt dann am gestrigen Freitag die Nachricht, dass es in Timbuktu eine weitere Entführung gab und dabei sogar ein Mensch erschossen wurde. Jetzt herrscht blankes Entsetzen bei allen, MalierInnen wie Deutschen, denn der zu Tode gekommene ist ein Deutscher, der wohl zufällig zu der Touristengruppe hinzu kam, als die Verbrecher sie bedrohten und verschleppten. Das wohl auch noch in der Mittagszeit im Restaurant, also keineswegs am Rande einer einsamen Piste, wie man vermuten wuerde. Das schuert besonders die Sorge im Land, dass der soziale Zusammenhalt, der es bisher so friedlich und stabil hielt, zerbrechen koennte.
Für die MalierInnen ist klar, die Europaer und Amerikaner werden nicht mehr kommen, die Saison ist gelaufen. Es macht sich Empoerung gegenueber “Dem Norden” (dort liegt Timbuktu) breit und etliche fordern ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskraefte.
Wir EuropäerInnen müssen uns Gedanken um unsere Sicherheit machen. Ein erstes Treffen mit den Verantwortlichen hier am Ort zeigt, dass auch ihnen die Brisanz der Situation bewusst ist. Timbuktu ist zwar weit, aber das heißt nicht, dass sich nicht auch hier Banditen einfinden könnten. Wir folgen dem Rat der deutschen Botschaft in Bamako sowie den Hinweisen der GIZ und vereinbaren Vorsicht, enge Kommunikation und das Vermeiden von Reisen in abgelegene Gebiete. Da wir in Bandiagara bekannt und wohlgelitten sind, können wir uns kaum vorstellen, wegen Verbrechern - welcher Motivation auch immer - diesen Ort verlassen zu müssen.