Es ist diesmal schon sehr anders als vor 5 Jahren. Die wirtschaftliche Krise, die auch hier nicht spurlos vorbei geht, ist stark spürbar. Z. B. der Reispreis: 2008 lag der Preis noch bei 7.500 FCFA (ca 12 €), als ich im Januar 2011 hier war, habe ich für einige Leute Reis gekauft. Die 50 kg kosteten da 12.500 FCFA (ca 20 €), im Juli 2011 waren es schon 17.500 FCFA (ca. 20 €) und jetzt liegt der Preis bei 20.000 – 22.000 FCFA (ca 30 €).

Nicht dass in der Zeit die Einkommen (durchschnittlich etwa 30.000 FCFA, ca. 45 €) gestiegen wären, im Gegenteil. Etliche Projekte werden eingestellt oder personell heruntergefahren. Mit der kritischen Sicherheitslage bleiben nicht allein die Touristen weg, was für viele den Totalverlust ihrer Existenzgrundlage bedeutet, sondern auch europäische Projektpartner, die sonst regelmäßig zu Projektbesuchen kamen.

Jugendaustausch, auch ein wichtiges Instrument zum Kennenlernen anderer Lebensweisen, findet nicht mehr statt. Das waren ja nicht nur die Reisekosten, sondern auch die kleinen Cafes, Restaurants, Souvenirshops und Kunsthandwerker leben von diesen Gästen. Von Hotels, Campements und sonstigen Herbergen gar nicht zu sprechen. Die jungen Männer, die sich in den letzten Jahren als Guides (Fremdenführer) haben ausbilden lassen, z.T. viel in Sprachunterricht und „gute Manieren“ investiert haben – auch solche Schulungen gibt es nicht umsonst – hocken nun den ganzen Tag gegenüber vom Hotel la Falaise und trinken Tee, was sollen sie sonst tun?

Was den Reispreis betrifft, habe ich ein wenig im internet recherchiert und festgestellt, dass die weltweite Steigerung des Preises bei 42 % liegt. Das ist üppig, vor allem wenn man bedenkt, dass das ja gerade in den armen Ländern ein Grundnahrungsmittel ist.

Natürlich kann jeder hier verstehen, dass Eltern und LehrerInnen derzeit nicht mehr mit ihren Kindern und Schulklassen nach Mali reisen. Die Sicherheitslage ist insgesamt ein großes Thema geworden, denn auch die „kleinen Verbrechen“ werden häufiger. Hier in Bandiagara kriegt man die Kleinkriminellen (noch) schnell – die Leute haben sich im Blick.

Die Tage hat jemand versucht, auf offener Straße einen Mercedes zu stehlen. Der Besitzer war grad mal schnell was einkaufen, hatte – wie hier bisher üblich – die Tür offen und den Schlüssel stecken lassen. Der Dieb versuchte, ins Auto zu kommen und wegzufahren, wurde aber von Passanten, die ihn beobachteten, daran gehindert und vom Autobesitzer gleich persönlich zur Polizei gefahren … Das ist für hiesige Verhältnisse eine neue „Qualität, auch dass man überhaupt darüber spricht. Üblich ist dann auch oft, dass die Verbrecher von „auswärts“ kommen – nicht selten stimmt das sogar. Aus Burkina, aus Cote d’Ivor oder von noch weiter her.

Es ist förmlich spürbar, wie diese aus über 20 Ethnien bestehende Gesellschaft in Fremdenfeindlichkeit und Misstrauen abgleitet.

Der Zorn richtet sich auch gegen die Regierung, die aus Sicht der Bevölkerung sich zu wenig darum kümmert und zu wenig Mittel bereit stellt, um die Polizei adäquat auszustatten.