Mein Kollege CAMARA erklärt mir jeden Tag Neues, so ein kleines Rathaus ist eine Welt für sich und doch auch wieder dem öffentlichen Dienst bei uns in Deutschland ähnlich.

Es gibt 3 „Ämter“: Standesamt, wo alle Angelegenheiten, die mit offiziellen Papieren zu tun haben, erledigt werden, also Geburts-, Heirats- und Schulabschlussurkunden (letztere haben in den letzten Tagen viel Publikum angezogen, da war die ganze Eingangshalle voller junger Leute, die ihre Dokumente abholen wollen), die Kämmerei, wo 2 Mitarbeiter sich um die bescheidenen Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde kümmern und das „Büro Kommunal“, vergleichbar mit einer Stabsstelle für die politische Administration, Kreistagsbüro oder Oberbürgermeisterbüro. Dann natürlich noch die Hausverwaltung, die sich um den Garten, die Wasserversorgung und Reinigungsarbeiten kümmert.

Es gibt 1 Bürgermeister und 3 Stellvertreter, davon eine Frau. Im Gemeinderat sitzen 17 gewählte Ratsmitglieder, (davon 4 Frauen) die sich auf (mindestens) 7 Parteien verteilen – Koalitionen gibt es nur in Sachfragen, soviel habe ich bisher verstanden.

Ein Hauptanliegen ist es, für bestimmte Themen technische und finanzielle Unterstützung zu suchen und zu finden. So hat in den letzten beiden Jahren ein Pilotprojekt zum Umweltschutz in Kooperation mit GIZ und einer US-Organisation dazu beigetragen, das Stadtbild sauberer zu machen. Nun steht die Schaffung einer langfristigen Deponie an. Alle 3 – 4 Monate findet ein Stadtreingungstag statt, bei dem in Zusammenarbeit  mit den Bezirksvertretungen (8 Chefs de Quartier) der Müll eingesammelt und entsorgt wird. Zur Belohnung gibt es Limo für die, die mitmachen. In zwei Stadtteilen wurden nun auch Mülleimer verteilt, die gegen kleines Geld monatlich geleert werden.

Das ist schon ein großer Fortschritt, das normale „Entsorgungsverhalten“ ist eigentlich, den Müll über die Hausmauer zu werfen. Solange es kein Plastik gab und zum Teil auch in den Dörfern noch heute, war das relativ unproblematisch, die freilaufenden Nutztiere haben alles gefressen. Aber die schwarzen Plastiktüten und allerlei sonstiges Verpackungsmaterial ist dafür ungeeignet. Also fliegt das alles durch den Ort, wenn es, wie in den letzten beiden Tagen, sehr windig ist und ohnehin schon viel Staub und Dreck in der Luft ist. Ich habe mir nun ab Januar auch so einen Eimer bestellt.

Eine neu Idee ist es, die öffentlichen Brunnen in das Thema Umweltschutz mit einzubeziehen, es gibt derer 10 bis 12 und etliche von ihnen sind ebenerdig und offen. Da müssen Deckel drauf, denn es kann ein Kind oder ein Tier hineinfallen. Zu Beginn der Regenzeit werden jedes Jahr viele Menschen krank, weil sich das gute Brunnenwasser mit dem Regenwasser, das dann alles Mögliche enthält (eben auch Müll, Tierkot etc.) vermischt. Die meisten Haushalte erhalten ihr Wasser in Kanistern aus diesen Brunnen. Jeden Morgen und jeden Abend sind Kinder und Jugendliche mit Handwagen unterwegs, um das Wasser aus dem Brunnen zu holen und in die Haushalte zu liefern.