Mo 12 Dez 2011
Die Entführungsgeschichte ist noch immer nicht beendet, sicher haben Interessierte auch in Deutschland in den Medien davon gelesen (sehr nahe dran und informativ ist france 24 sowie maliblog).
Es stimmt nicht ganz, was ich neulich geschrieben habe, 2009 hat es bereits innerhalb von Mali die Entführung einer Europäerin gegeben. Immerhin hat das malische Militär jetzt die Kidnapper von Hombouri gefasst. Sie hatten Unmengen von Waffen und haben die beiden Geiseln offenbar an Al Quaida Maghreb weiter gegeben – also wohl „verkauft“. Von dort gibt es inzwischen Bekennerbriefe, die über internationale Nachrichtenagenturen verbreitet wurden. Sie haben eine üble Show abgezogen, mit Bildern etc., es geht vor allem gegen die USA und Frankreich und Mali wird der „Kollaboration mit antiislamistischen Kräften“ geziehen.
Die MalierInnen vor Ort sind außerordentlich wütend über diese Entwicklung, sie leiden unter dem Ausfall der Touristensaison. Die eigentlich sehr besonnenen Menschen hier können es nicht fassen, dass ihr Land erst eine Missernte hat, dann die Nahrungsmittelpreise sich fast verdoppeln und nun auch noch ihr Tourismus ruiniert wird.
Sie sind sehr verärgert, als der Präsident eine Delegation von Libyen Rückkehrern empfängt. Gedacht als „Reintegrationsmaßnahme“ in die malische Zivilgesellschaft, gab es stattdessen helle Empörung in der Bevölkerung. Die jungen Guides hier aus Bandiagara haben einen Marsch in Mopti organisiert, um ihrem Unmut über die Aktionen der Verbrecher Ausdruck zu verleihen und die Regierung aufzufordern, der Region zu helfen.
Wir konnten zum Glück aus Bamako zurück kehren, aber weiterhin ist Vorsicht angesagt. Meine Arbeitsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt, aber da ich am Anfang meines Vertrages bin, ist vieles derzeit vor allem Aktenstudium und kennen lernen der Strukturen im Rathaus selbst. Da das nur 2,5 km vom Wohnhaus entfernt ist und jede/r mich hier kennt, die Gendarmerie abends noch mal vorbei schaut und alle ein Auge auf „ihre“ Tubabs haben, fühle ich mich hier sicherer als in Bamako, wo man im Großstadtgetriebe doch eher unter geht. Spätestens im Januar muss ich allerdings wieder hin, um mein Visum zu verlängern.