Februar 2012


Über Hamidou – der auch sehr froh ist, dass ich zurück bin – und meine Kollegen im Rathaus erfahre ich, was gestern sonst noch war:

Der Präsident hat eine Delegation der Frauen empfangen und man ist über ein gekommen, gemeinsam zur Beruhigung im Land beizutragen. Daher rufen die Frauen über Radio und Fernsehen dazu auf, Ruhe zu bewahren und auf keinen Fall Feindseligkeiten gegen einzelne Ethnien (insbesondere aus dem Norden) zu dulden (Offensichtlich hat man aus dem Völkermord in Ruanda und anderswo und der Rolle des Radios dabei gelernt).

Die Frauen wollen allerdings heute wieder (mit einer kleinen Gruppe) beim Präsidenten vorstellig werden, um ihn an seine Zusagen, Sicherheit und Ruhe im Land wieder herzustellen, zu erinnern.

Der Praesident seinerseits hat den Verteidigungsminister (jetzt ein General) gegen den Innenminister (jetzt ein Zivilist) ausgetauscht, wohl in der Hoffnung, dass die ministeriellen Weisungen dann qualifizierter sind bzw. auch beachtet werden.

Mit den Dachverbaenden der Moscheen und Kirchen wurde vereinbart, dass beim heutigen Freitagsgebet und am Sonntag in den Messen zu Ruhe und Besonnenheit aufgerufen werden soll.

Wir koennen nur hoffen, dass diesen Rufen gefolgt wird.

Die Fahrt von Bamako nach Bandiagara ist gut verlaufen, auch wenn wir in Segou beim Rausfahren aus der Stadt in eine erneute Manifestation „geraten“. Wir fahren rechts ran und lassen die Menschen an uns vorüberziehen. Keiner interessiert sich groß für uns. Die Stimmung ist aufgeheizt, aber weniger aggressiv als in Kati.

Es sind vor allem Frauen und Kinder auf der Strasse. Sie rufen „ATT es reicht“, „Schützt unser Land“ und „Wie wollen Frieden“ – ich habe ja meinen Kollegen Camara dabei, der aussteigt und mit den Leuten spricht. Ich mache ein paar Fotos und achte darauf, dass keine Personen klar erkennbar sind.

Die Neuigkeiten aus Bamako sind beunruhigend: In Kati wurden Tuareg Familien bedroht, eine Tankstelle in Brand gesetzt und erneut ein Marsch auf den Praesidentenpalast organisiert. In Bamako selbst gab es groessere Demonstrationen, die mit Plünderungen von lybischen und Tuareg Geschaeften endeten – eine Mischung aus politisch motivierter Zerstörungswut und bereicherungswilligem Banditentum hielt die Stadt bis in den Abend hinein in Atem. Ich bin heilfroh, dass ich zurück in Bandiagara bin. Hier sind die Menschen zwar auch besorgt, aber es ist ruhig.

Es gibt nun doch noch eine Menge Dinge in Bamako zu regeln und zu besorgen, also beschliessen wir gegen 11.00 h in die Stadt zu fahren – weit kommen wir allerdings nicht.

Schon am Kreisverkehr am Ortseingang liegen die „obligatorischen“ Steine herum und unser Ausweichmannoever Richtung freies Gelaende endet gegenueber einigen erbosten Frauen, die deutlich signalisieren, dass sie gewillt sind, die Steine in ihren Haenden auf unser Auto zu werfen.

Ein Mann, der franzoesisch spricht, uebersetzt uns, was die Frauen wollen: der Praesident soll die Frauen empfangen und ihre Maenner im Norden ermaechtigen, sich gegen die Rebellen und Banditen dort zu verteidigen. Wir wollen unsere Einkaeufe nach Kati verlegen, aber am Ortseingang verlassen gerade die Jugendlichen erbost das Gymnasium und beginnen, vor unserem Wagen eine Steinbarrikade zu bauen – energetisch deutlich eine andere Nummer als wir das aus Deutschland kennen.

Zwei aeltere Herren kommen zu unserem Wagen und bitten uns eindringlich, nach Hause zu fahren und dort zu bleiben, was wir dann auch tun. Dort gibt es ein gutes Mittagessen und nicht zuletzt eine hervorragende internet Verbindung (Kati ist d e r Militaerstandort in Mali) – so dass wir „auf dem Laufenden bleiben“ und zB die mail der deutschen Botschaft mit den Hinweisen auf Umsicht und Vorsicht sofort bekommen.

Nachmittags ruft Bathily an, um uns zu sagen, dass die Strasse wieder frei ist und sich die Lage beruhigt hat. In Bamako hat der Optiker die reparierte Brille fuer Hamidou im Buero von Bathily abgeben, so dass ich nicht noch mal ins Stadtzentrum muss, was mir sehr entgegen kommt, denn ich moechte noch in Badalabougou einkaufen und dann zu einer anderen Freundin rausfahren. Sie wohnt nahe dem Tour d’afrique, also bin ich morgen frueh fuer die Rueckfahrt nach Bandiagara schon fast aus der Stadt raus.