April 2012


Remscheid

Seit fast 4 Wochen bin ich nun schon wieder in Deutschland, ich kann es irgendwie immer noch nicht fassen, dass Mali in eine solche Krise stürzen konnte. Hätte mir das jemand vor einem Jahr gesagt, ich hätte lauthals gelacht. Aber es ist gar nicht komisch. Ich mache mir große Sorgen um Hamidou, der offenbar schwer erkrankt ist – am Telefon konnte er praktisch nicht sprechen und die Ärztin nahm es dann und sagte immer nur, ich solle mich nicht aufregen und er sich schon mal gar nicht und ich solle morgen noch mal anrufen.

Remscheid

Nun bin ich in der  halbeingerichteten Wohnung meiner Eltern in Remscheid – unser Umzug im Herbst letzten Jahres war ja nur ein Teilumzug.

Es heißt, wir können womöglich Ende des Monats zurück, d.h. es lohnt sich nicht wirklich etwas Konkretes anzufangen. Ich habe mir einen Vodafone stick für den Internet Zugang geholt – einen Vertrag abzuschließen lohnt ja irgendwie auch nicht, wenn ich nicht weiß, wie lange ich ihn nutzen kann.

Sehr schön sind die Besuche bei FreundInnen und KollegInnen, hilft mir sehr zu verarbeiten, was da eigentlich Ende März in Bandiagara passiert ist.

Remscheid

Das ging nun alles sehr schnell, am Montag habe ich das Ticket gekauft, um Mitternacht saß ich im Flieger, 6 Stunden in Casablanca, dann Brüssel, dann Köln, dann Haan, wo mich gute Freunde liebevoll aufgenommen und mit einem tollen Abendessen verwöhnt haben. Und jetzt sitze ich hier in Remscheid. Das Wiedersehen mit Eltern, Familie und Freunden ist natürlich wunderbar, aber die Sorge, wie es weiter gehen soll, treibt mich schon um.

Am Freitag waren wir bei der Beisetzungsfeier für die Mutter unserer Bürgermeisterin, Mme Guindo, ich bin eh schon gebeutelt, denn Hamidou hat auch den Verlust von 2 guten Freunden zu verkraften, da waren wir Donnerstag für die Kondolenz – nun mich ereilte dann der Anruf der GIZ, dass ich am Samstag (also gestern) nach Bamako zu fahren habe. Ich versuche noch zu verhandeln, dass ich ja jederzeit über Ouagadou ausreisen kann, bis uns auffällt, dass jetzt die Nachbarn, also Burkina Faso auch, die Grenzen geschlossen haben. Außerdem haben wir keine Visa für Burkina und ich also keine Wahl, als mit meinen KollegInnen nach Bamako zu reisen. Packen war nun für mich keine Aufgabe, wollte ich ja letzte Woche noch nach Europa in Urlaub fliegen. Also ein trauriger und überstürzter Abschied im Rathaus (die meisten KollegInnen sind noch beim Kondolenzbesuch der Bürgermeisterin), wo ich versichere, in Kürze zurück zu sein. Und natürlich von Hamidou und der Familie, es ist klar, dass er hier bleibt, er kann nicht alle und alles im Stich lassen, wir glauben ja auch, dass ich bald zurück bin. Fällt mir nicht leicht, aber ich muss ja am Samstag morgen erstmal die 800 km nach Bamako fahren, da ist nicht viel Zeit für Abschiedsschmerz. Natürlich habe ich dann auch prompt noch eine Reifenpanne, bin froh, dass wir mit 2 Autos unterwegs sind und dass Angelika und Horst mir helfen den Reifen zu wechseln. Nun bin ich in Bamako und überlege, was zu tun ist. Seitens der GIZ habe ich gehört, dass wir womöglich in eines der Nachbarländer ausfliegen, dazu habe ich gar keine Lust und ein Telefonat mit Hamidou hat mich in der Entscheidung bestärkt, sofort nach Deutschland zu fliegen. Wenn ich schon nicht hier bei meinem Liebsten, der Familie und bei meiner Arbeit sein kann, dann will ich wenigstens in Deutschland bei meinen Leuten sein. Mal sehen, ob ich das noch hinkriege, habe ja das meiste Geld in Bandiagara gelassen. Typisch Deutsch, beim ersten Anzeichen von Bankenschließung habe ich die Konten geräumt.