Mai 2012


Remscheid

Mit der Ausreise Ende April war es nix, Ende Mai auch nicht – Hamidou geht es besser, er ist wieder in Bandiagara und klingt am Telefon auch wieder einigermaßen normal. Sehr beruhigend war das Gespräch mit dem medizinischen Dienst der GIZ, der Arzt erklärte mir, dass bei der Krise im Land, verbunden mit den Katastrophen in Bandiagara und mit meinem Weggang und dann noch mit der Diabetes Diagnose es schon sehr naheliegend ist, dass ein Mensch dann auch eine schwere gesundheitliche Krise erlebt. Dann ist Hamidou ja auch Anfang des Jahres überraschend Rentner geworden, er wollte eigentlich bis Ende 2012 weiter arbeiten, aber das Projekt wurde – für alle Beteiligten – überraschend Ende 2011 schon geschlossen.

Die Nachrichten aus Mali sind beunruhigend, der Norden ist komplett von Islamisten und anderen Banditen besetzt, damit sind praktisch 2/3 dieses riesigen Landes nicht mehr zugänglich. Ca. 300.000 Menschen sind bereits in die Nachbarländer und in den Süden von Mali geflohen. Es bahnt sich eine humanitäre Katastrophe an. Auch ist von Krieg die Rede, denn die Besatzer zeigen sich keineswegs verhandlungsbereit/fähig. Sie wollen die Sharia durchsetzen, was die Bevölkerung in Scharen vertreibt. Vor allem alte Menschen bleiben, oft sind sie zu schwach und haben auch nicht genug Geld für die Flucht.

Remscheid

Eigentlich hatte ich für gestern einen Flug nach Bamako, mit einer Sondergenehmigung zur Rückkehr aus persönlichen Gründen. Aber dann hatte ich Hamidou am Telefon, der mich bat zunächst in Europa zu bleiben – und dann war am Mittwoch der malische Interrimspräsident in Bamako tätlich angegriffen worden und der Flughafen mal wieder geschlossen.

Meine Eltern sind sehr froh, dass ich hier bin und so kümmere ich mich um ihre alte Wohnung und habe jetzt beschlossen, unseren Umzug, den wir ja im November letzten Jahres begonnen haben, zu Ende zu bringen.