Remscheid

Der Umzug ist gut überstanden, es sieht jetzt hier in Remscheid aus wie chez moi – und meine Eltern bekommen neue Möbel, die besser in die Wohnung in Erkrath passen. Noch ein paar Tage müssen sie aus Kisten leben, dann ist auch das überstanden.

Langsam habe ich mich auch in Remscheid ein wenig eingelebt. Das Gästezimmer ist fertig eingerichtet und erste Gäste waren schon da. Es fehlt mir aber das lebhafte multikulti-Umfeld Erkrath Hochdahl, das meine Eltern jetzt genießen können, wobei das meinem Vater nicht so ganz leicht fällt. Auch vermisse ich die Nähe zu meinen FreundInnen, die ja überwiegend dort wohnen.

Auf den offenen Brief vom Maligruppentreffen haben wir wohl formulierte und wohlmeinende Antworten des Auswärtigen Amtes und des Entwicklungsministeriums erhalten. Ein Container von Aktion pro Afrika konnte unabhängig davon gar auf den Weg gebracht werden, was unsere Hoffnung bestärkt, dass sich das BMZ nicht aus der Hilfe für Mali zurück ziehen wird.

In Mali ist nichts besser geworden. Die Banditen im Norden führen die Sharia ein, es gibt öffentliche Steinigungen, Dieben soll die Hand abgehackt werden (was in Gao durch den Protest der Bevölkerung zunächst in einem Fall verhindert werden konnte, man suchte sich dann einen weniger bekannten Ort, um die Amputation zu machen) und Jugendlichen werden Musik und Tanz verboten. Besonderes Aufsehen erregten in unseren Breitengraden die Übergriffe auf das Weltkulturerbe in Timbouctou. Aber auch Berichte des roten Kreuzes über die inzwischen über 320.000 Flüchtlinge waren zu lesen und zu sehen.

Ich bin da ja zwiespältig: einerseits möchte ich, dass die Situation in Mali Aufmerksamkeit erfährt, andererseits möchte ich meine Lieben in Familie und Freundeskreis nicht beunruhigen.

Für mich wird immer klarer, dass ich bald wieder zurück muss und will, ich habe das Gefühl, was ich hier zu tun hatte, ist für diese Zeit jetzt getan. Ich möchte Hamidou wieder sehen und schauen, ob und was ich in Mali Nützliches beitragen kann.