Bamako

Das war ein guter Start. Eine Nichte von Anne, Hawa, hilft mir beim Putzen, die Frau des Wächters, Mme Keita, packte auch noch mit an und bis zum Abend ist das Haus schön und bewohnbar. Ich schlafe super und freue mich auf den Besuch von Hamidou, der mit unserem Auto kommt. Er lässt es hier, so dass ich beweglich bin, denn im Augenblick habe ich noch Urlaub. Es war wunderschön, ihn wieder zu sehen, wir haben es uns wirklich gut gehen lassen.

Das Leben ist eigentlich ruhig und beschaulich, wenn ich so mit der Wächterfamilie hier vorm Haus sitze, mag ich kaum glauben, dass es hinter der freundlich-fröhlichen Fassade  d i e  Megakrise gibt. Es ist Regenzeit, dieses Jahr regnet es für die Bauern zu viel, Hirse und Mais sind vielfach abgesoffen und viele Häuser einfach zusammen gefallen - durch die hohen Nahrungsmittelpreise - eigentlich europäisches Niveau, auch in Bandiagara - blieb nichts übrig, um die Lehmhäuser auf die Regenzeit vorzubereiten …
Ich fange nun an zu versuchen, eine private Hilfsinitiative für Bandigara aufzubauen - die großen Organisationen kommen, liefern Reis und Mais an die Flüchtlinge und verschwinden wieder - keine der lokalen Autoritäten ist informiert, die Familien, die Flüchtlinge aufgenommen haben, stehen nicht auf den Listen, deren Herkunft zweifelhaft ist, da  nicht mit der Situation vor Ort abgestimmt.

Es ist eine humanitäre und soziale Katastrophe, die ich bei beim Betreten jedes Hofes spüre. Denn anders als früher, sind nicht in einer Ecke Schafe am blöken, im Hof Hühner am picken und irgendwo sitzt jemand und köchelt was duftendes - die Höfe sind schlicht leer und trostlos. Dass sich das in so kurzer Zeit so entwickelt hat, zeigt, dass die Lage immer prekär war und jetzt das Elend wirklich sichtbar wird.
Politisch hat Mali gestern die offizielle Aufforderung - Bitte - Appell? an die internationale Gemeinschaft, die afrikanische Union und die Nachbarländer geschickt, ihnen militärisch zur Hilfe zu kommen. Nachdem die Banditen aus dem Norden am Samstag bis nach Douentza vorgedrungen sind, sah man keinen anderen Ausweg mehr. Hier sind viele der Auffassung, dass es nicht anders geht und fragen sich, warum niemand zu Hilfe kommt.

Die meisten Leute, mit denen ich spreche, sind außerordentlich gut informiert und haben sehr wohl ihre eigene Auffassung von den Dingen. Was allerdings Capitän Sanogo mit seinem Putsch bezweckte, ist eigentlich allen ein Rätsel.

Überwiegend ist man der Meinung, dass es nichts mehr zu verhandeln gibt. Die Islamisten im Norden werden durchweg als Banditen tituliert, die das Leben der Menschen in Mali ruinieren. Es gibt viel Zorn über die alte Regierung und auch die Interriemsregierung wird sehr kritisch gesehen. Ein guter Freund von uns, der Anfang letzten Jahres Minister wurde, zwischendurch inhaftiert war, ist jetzt wieder Minister geworden. Er konnte leider keine Zeit finden, uns zu sehen, vielleicht klappt es nächste Woche. Ich bin sehr neugierig auf seinen Bericht. Und ich hoffe, dass ich nächste Woche wieder arbeiten kann.