Da sind schon auch bizarre ProjektpartnerInnen unterwegs: Eine Französin und ein Malier aus Bamako haben von einer französischen Organisation den Auftrag, etwas gegen die Abholzung zu tun. Das ist erstmal eine gute Idee, denn die Ver-Wüstung schreitet nicht zuletzt auch durch den hohen Holzkonsum schnell voran.
Allerdings ist ihre Idee für unsere Gegend hier denkbar ungeeignet: Sie forderten die Bevölkerung auf, kompostierbare Abfälle an ihre Sammelstelle zu bringen, 10 FCFA (ca. 15 ct) gab es pro Kilo. Dann richteten sie Schmelzöfen ein, die so aussehen wie auf Bildern aus den chinesischen Kulturrevolution (Maos Sprung nach vorne – die Projektfrau hat auch ca. 20 Jahre in Asien gearbeitet), wo diese Abfälle zu Pallets verarbeitet werden, die dann zum Kochen verwendet werden sollen. Meine Frage nach dem Brennwert und der Dauer der Zubereitung und wie das so ankommt wurde erstmal gar nicht verstanden. Sie antworteten mit Öko-Untersuchungen, dass das Material ungiftig ist und dass das Projekt in Bamako super gelaufen sei.
Entscheidend ist hier im Dogonland, dass das Essen fertig ist, wenn der Mann nach Hause kommt. Wenn dann das Brennmaterial nicht taugt, gibt es Probleme, die keine Frau hier haben will.
Eine Bekannte, Mme CISSE, immer offen für Neues, hat einen Test gemacht. Sie berichtete uns, dass sie die Paillets, die sie für 75 FCFA gekauft hatte, für grade mal 2 Teeaufgüsse verwenden konnte. Ein Säckchen Holzkohle, mit dem man Tee für 2-3 Tage kochen kann, kostet 25 FCFA.
Und dann hat das Projekt noch festgestellt, dass sie mit 10 CFA pro Kilo nicht kostendeckend arbeiten können und daher die Erstattung auf 5 CFA halbiert, worüber sich jetzt alle amüsieren – Mme CISSE, die den Test gemacht hat, berichtet außerdem, dass man ihr mit den Paillets auch noch einen speziellen Ofen (auf Kredit) verkaufen wollte! Was das nun mit Entwicklung zu tun haben soll, ist mir rätselhaft.
Aber man trägt es hier mit Fassung – bis April geht das Projekt – „Wir haben hier schon ganz andere Sachen kennen gelernt“, so die einhellige Auffassung, „auch das geht vorbei“.
Ich bin ja auch noch aus einem anderen Grunde skeptisch: Der Boden hier ist mager, jedes Krümelchen Kompost ist kostbar, niemand kommt auf die Idee, dieses kostbare Gut zu verheizen. Mich erinnert es an die Biospritdebatte, wo Felder, die für Nahrungsanbau nötig sind, nun mit Mais bepflanzt werden, um daraus Sprit zu machen. Wobei das mit dem Holzverbrauch ja auch wieder wahr ist … es gibt keine einfachen Lösungen.