Im Büro beginne ich langsam Kontakte zu knüpfen. Die 2. Stv. Bürgermeisterin, Madame GUINDO, lädt mich zu einer Ortsbegehung auf dem Markt ein. Seit Bens Zeiten (2006/07) ist hier eine Verbesserung geplant, nun steht endlich aus einem staatlichen Fonds das Geld zur Verfügung und es soll alles ganz schnell gehen. Das Bauingeneurbüro und der beauftragte Unternehmer sind mit von der Partie sowie mein Kollege CAMARA.
Nun ja, und dann ist das so, wie man es kennt: der untere Markt, eine Ansammlung von (aus touristischer Sicht) pittoresken Holzständen, strohgedeckt und schmutzstarrend, findet sich zwischen müllgefüllten Abwasserkanälen – in der Regenzeit hocken hier die Verkäuferinnen einfach mehr oder weniger im Schlamm. Der obere Markt hingegen hat schon eine Erneuerung erfahren, leider hatte der Bauunternehmer nicht im Blick, dass eine zu hoch angelegte Überdachung keinen ausreichenden Sonnenschutz bietet. Und im Gegensatz zu den Strohdächern, die luftdurchlässig sind, sind die Metalldächer, die auf die neuen Hangars gesetzt wurden, wahre Hitzekatalysatoren. Das Ergebnis ist, dass viele Verkäuferinnen lieber vor den Hangars, halt im Schatten der umliegenden Boutiquen sitzen.
Nun sollen 3 neue Hangars gebaut werden, geplant für den unteren Markt, will man sie eigentlich nutzen, um den oberen weiter zu verbessern. Auf intensives Nachfragen kriege ich auch raus warum: der obere Markt ist täglich belegt, bringt also ständig Einnahmen für die Gemeinde, der untere wird vor allem von den Dörferlinnen am Montag und Freitag frequentiert, ist also nur eine mäßige Einnahmequelle.
Ich halte mich mit weiteren Fragen erstmal zurück, rege lediglich an, dass man die Marktbeschickerinnen informieren sollte, bevor die Baustelle losgeht. Das soll nun nächsten Samstag erfolgen, denn gleich nächste Woche soll es losgehen.
Männer verkaufen ausschließlich Reis, Getreide und technisches Gerät in umliegenden Boutiquen und an mobilen Ständen, als Kunden gibt es sie gar nicht – unvorstellbar für einen malischen Mann, auf den Markt zu gehen. Man sieht Jungs und junge Männer mit Handwagen, die die Einkäufe zu den Haushalten transportieren. Auch mancher Bauer begleitet seine Frauen auf den Markt, um dann andere Dinge in Bandiagara zu erledigen. Niemals würde er sich mit an den Stand setzen, wo die bescheidenen Produkte verkauft werden: Hirse, getrocknete Blätter und kleine Fische, Maggiwürfel, Zwiebeln, Gewürze und zuweilen, in und kurz nach der Regenzeit eine Fülle von Gemüse: Gurken, Tomaten, Salat, Auberginen, Kohl, Kochbananen – genau genommen ist es das dann schon. Ohne die Möglichkeit nach Mopti zu fahren, so wie es derzeit für mich ist, ist der Speiseplan ziemlich reduziert. Dort landen durch den Hafen auch andere Produkte an und es gibt auch Karotten, Kartoffeln, Kräuter etc.
Mir liegt das Thema Markterneuerung aus drei Gründen am Herzen: Zum einen stammen die Pläne für die Sanierung des Marktes in Bandiagara von Ben, meinem Ex-DED-Kollegen, der als Architekt eine Adaption europäischer Einkaufszentren vorgenommen hat.
Zum anderen habe ich selbst während meiner Kolleg- und Studienzeit 5 Jahre in Wuppertal auf dem Wochenmarkt gearbeitet. Irgendwie bin ich im Herzen wohl immer auch Marktfrau geblieben und habe einen Blick dafür behalten, was ein Stand braucht. Schließlich kann ich noch immer locker ein Kilo aus der Hand wiegen – was die Händlerinnen hier zuweilen in Erstaunen versetzt.
Und schließlich gehört zu meinen jetzigen Aufgaben die Beratung der Gemeinde zur Erzielung von Einnahmen, so dass wahrscheinlich im nächsten Jahr die Marktordnung ein Thema werden wird.