Fuer eine Einfuehrung in die neuen Methoden bei der GIZ sind wir nach Bamako gefahren – eine wirklich gute Veranstaltung.

Dann bin ich nach Kati zu meiner Freundin gefahren, ein schoener Abend mit leckerem Essen und langen schoenen Gespraechen. Aber eben auch mit der Nachricht, dass die Soldaten Muehe hatten, Niafunké zu verteidigen. Dieser Ort liegt am Niger zwischen Timbouktou und Mopti und ist der Geburtsort von Ali Faka Touré, einem genialen malischen Musiker. Also eigentlich auch ein Touristenziel, das nun angegriffen worden ist. Bathily, Modibo, Camara und alle MalierInnen, mit denen ich spreche, sind sehr, sehr besorgt und beunruhigt.

Auf der Fahrt nach Kati (ca. 15 km, am alten Regierungsviertel vorbei) liegen viele Steine auf der Strasse, was ich mir gar nicht erklaeren kann. Reinhild loest das Raetsel: Im Laufe des Tages haben die Muetter, Frauen, Toechter, Schwestern der Soldaten die Strasse blockiert, um auf die Situation aufmerksam zu machen, dass die Soldaten in den Norden geschickt wurden, ohne ausreichend Munition, Treibstoff zu haben und ohne den Befehl sich zu verteidigen bzw anzugreifen.

Es heisst, wenn die Frauen rausgehen, werden ihnen die Kinder folgen und wenn sie nicht gehoert werden, gehen sie bei der dritten Demonstration nackt auf die Strasse und das ist das Ende jeder Regierung und jeden Machtanspruches.

Die Bevoelkerung in Mali hat die Erfahrung gemacht, dass das geht, 1991 hat sie sich u.a. mit dieser Methode von einer Militärdiktatur befreit.

 

 

29.01.2012

 

Schlechte Nachrichten aus dem Norden von Mali:

Die Rebellen haben Aguelhok und andere Orte im Norden von Mali angegriffen, diesmal ist von bis zu 100 Toten die Rede. Die malische Armee war offenbar schlecht ausgeruestet und vorbereitet und die Bevoelkerung fluechtet aus dieser Region nach Niger und Mauretanien.

Es scheint sich um einen Zusammenschluss von Tuareg-Rebellen, Ex-Ghaddafi-Gefolgsleuten, Al Quaida und sonstigen Banditen zu handeln, die als kleinsten gemeinsamen Nenner die Forderung nach und die militaerische Auseinandersetzung fuer eine autonome Zone im Norden Mali eint.

Eine Provokation, die sich die malische Regierung eigentlich nicht bieten lassen kann. Das Land steht kurz vor den Praesidentschaftswahlen – gerade jetzt ist diese Situation hochbrisant.

 

Ich bereite mich auf meine Reise nach Bamako vor, Hamidou verabschiedet mich, denn morgen geht es um 6.30 h los. Wir fahren mit 2 Autos, denn unsere malischen Kollegen kommen auch mit und auf der Rueckfahrt hat meine Kollegin Urlaub und verbringt die Rueckfahrt „gemaechlich“ mit ihrem Bruder, der zu Besuch kommen wird.

Da sind schon auch bizarre ProjektpartnerInnen unterwegs: Eine Französin und ein Malier aus Bamako haben von einer französischen Organisation den Auftrag, etwas gegen die Abholzung zu tun. Das ist erstmal eine gute Idee, denn die Ver-Wüstung schreitet nicht zuletzt auch durch den hohen Holzkonsum schnell voran.

Allerdings ist ihre Idee für unsere Gegend hier denkbar ungeeignet: Sie forderten die Bevölkerung auf, kompostierbare Abfälle an ihre Sammelstelle zu bringen, 10 FCFA (ca. 15 ct) gab es pro Kilo. Dann richteten sie Schmelzöfen ein, die so aussehen wie auf Bildern aus den chinesischen Kulturrevolution (Maos Sprung nach vorne – die Projektfrau hat auch ca. 20 Jahre in Asien gearbeitet), wo diese Abfälle zu Pallets verarbeitet werden, die dann zum Kochen verwendet werden sollen. Meine Frage nach dem Brennwert und der Dauer der Zubereitung und wie das so ankommt wurde erstmal gar  nicht verstanden. Sie antworteten mit Öko-Untersuchungen, dass das Material ungiftig ist und dass das Projekt in Bamako super gelaufen sei.

Entscheidend ist hier im Dogonland, dass das Essen fertig ist, wenn der Mann nach Hause kommt. Wenn dann das Brennmaterial nicht taugt, gibt es Probleme, die keine Frau hier haben will.

Eine Bekannte, Mme CISSE, immer offen für Neues, hat einen Test gemacht. Sie  berichtete uns, dass sie die Paillets, die sie für 75 FCFA gekauft hatte, für grade mal 2 Teeaufgüsse verwenden konnte. Ein Säckchen Holzkohle, mit dem man Tee für 2-3 Tage kochen kann, kostet 25 FCFA.

Und dann hat das Projekt noch festgestellt, dass sie mit 10 CFA pro Kilo nicht kostendeckend arbeiten können und daher die Erstattung auf 5 CFA halbiert, worüber sich jetzt alle amüsieren – Mme CISSE, die den Test gemacht hat, berichtet außerdem, dass man ihr mit den Paillets auch noch einen speziellen Ofen (auf Kredit) verkaufen wollte! Was das nun mit Entwicklung zu tun haben soll, ist mir rätselhaft.

Aber man trägt es hier mit Fassung – bis April geht das Projekt – „Wir haben hier schon ganz andere Sachen kennen gelernt“, so die einhellige Auffassung, „auch das geht vorbei“.

Ich bin ja auch noch aus einem anderen Grunde skeptisch: Der Boden hier ist mager, jedes Krümelchen Kompost ist kostbar, niemand kommt auf die Idee, dieses kostbare Gut zu verheizen. Mich erinnert es an die Biospritdebatte, wo Felder, die für Nahrungsanbau nötig sind, nun mit Mais bepflanzt werden, um daraus Sprit zu machen. Wobei das mit dem Holzverbrauch ja auch wieder wahr ist … es gibt keine einfachen Lösungen.

 

Tja, das mit der Fusion ist gar nicht so einfach – nun muss ein Projektantrag geschrieben werden, aber in welcher Form ist irgendwie völlig offen. Viel inhaltlichen Gestaltungsraum gibt es nicht, denn ein Rahmenvertrag von 2010 bis 2013 gibt die Planung vor. Jetzt geht es vor allem um Zahlen für dieses Jahr, wenn ich damit durch bin, kann ich hoffentlich mit der eigentlichen Projektarbeit beginnen. Wäre ja aber auch erstaunlich, wenn der Zusammenschluss von drei so unterschiedlichen Organisationen einfach so nebenher laufen würde, in so fern bleibe ich da ganz gelassen und habe das Gefühl, dass sich das alles „zurechtruckeln“ wird. War ja bei der Zusammenlegung von Sozialbehörde und Arbeitsamt auch ein längerfristiger Prozeß, der nicht immer einfach war, wenn ich mich recht erinnere ….

Hier ist derzeit Umweltschutz das Hauptthema. Stadtteilweise wird sensibilisiert und in zwei Pilotstadtteilen wurden Müllbehälter ausgegeben, damit der Abfall nicht mehr über die Hausmauer geworfen, sondern von der neugegründeten Müllabfuhr abgeholt wird. Eine amerikanische Organisation hat die Eimer finanziert, die Metallverarbeiter haben etliche Wochen geschweißt und geschmolzen, dann fehlten doch noch die Deckel – aber jetzt stehen 40 Eimer zur Verfügung, von denen 25 schon verteilt sind.
Die neuen Müllentsorger haben nun das Problem, dass sie als kleine start-ups erstmal investieren mussten und mehr als 1000 FCFA (ca. 1,50 Euro) pro Monat keinem Haushalt zugemutet werden kann. Das ist aber eigentlich nicht kostendeckend. Hinzu kommt, dass es nur Übergangsdepots gibt, die schon aus allen Nähten platzen. Dann wird ganz pragmatisch ein kontrolliertes Feuer gelegt – schon sieht es wieder ganz „ordentlich“ aus.
„Vorteil“ dieses Verfahrens: Die mit der Asche vermengten kompostierten brennbaren Abfälle geben einen guten Bodendünger ab – leider gehören Batterien zu den nicht brennbaren Abfällen und finden sich daher dann auf den Feldern wieder. Von der Luftverschmutzung beim Verbrennen mal gar nicht zu reden.

So, da wären wir im neuen Jahr angekommen, das war nun auch noch mal ein Fest, denn wir haben Silvester mit unserer Hauseinweihung zusammengelegt. Dazu gehörte, dass vor dem Haus ein Schaf geschlachtet wurde und die ganze Familie eingeladen war.

Da ich im Umgang mit komplett geschlachteten Tieren sehr ungeübt bin – schließlich habe ich auch mal 7 Jahre vegetarisch gelebt – bin ich sehr dankbar, dass Yaiben bereit ist, auch am Silvestertag zu arbeiten. Sie bringt noch eine Freundin mit, die lange Jahre in der Küche eines Hotels gearbeitet hat, das nun leider geschlossen werden musste – es gibt zu wenig Touristen – und die sich riesig freut, zum Jahreswechsel ein bisschen Geld zu verdienen.

Die beiden zaubern aus den Innereien eine Suppe, aus den Keulen Brochetten (Fleischspieße), weitere Teile werden zu Gulasch verarbeitet und dann schnippseln sie noch einen ganzen Eimer voller Kartoffeln, die zu Pommes frites verarbeitet werden. Eine schön dekorierte Salatplatte rundet das Ganze ab. Die Rippchen und „grillfähige“ Teile haben wir einer nahegelegenen Rotisserie übergeben, die sie für uns auf dem offenen Feuer grillen.

Der Kopf geht an unsere Wächter, die sich daraus auch ein Festessen zubereiten (ist eine besonders beliebte Spezialität „la tête de moutoun“ – also kommen auch bald so an die 20 Menschen hier an: Schwestern und Schwager und Cousins und Cousinen, eine ganze Kinderschar dabei und es ist ein echtes Gelage, das wir schließlich in den Salon verlegen, denn es ist schon wieder echt kalt..

Die Kinder sind anschließend noch sehr begeistert über die Wunderkerzen, die ich mitgenommen habe. Die Jugendlichen hätten natürlich gerne eine „richtiges“ Feuerwerk mit Raketen gehabt, aber das gibt es hier nicht und dafür wollten wir nicht extra nach Mopti fahren (brauche ich schließlich immer eine Genehmigung), auch tue ich mich schwer damit, das Geld so in die Luft zu pulvern. Alles in allem eine gelungene Party – Abou und Clement helfen am Morgen beim Aufräumen und alle sind sehr zufrieden.

Da nun beide Autos angekommen sind und der Nissan gut verkauft werden konnte, ist Geld in der Kasse und wir beschließen, dass jetzt doch noch ein paar dringliche Aufgaben im Haus anstehen: So laden wir einen Maurer ein, einen Kostenvoranschlag für die Schließung der Sickergrube zu machen (aus einem uns nicht nachvollziehbarem Grunde ist das beim Hausbau „übersehen“ worden, meine These lautet, dass das daran liegt, dass es hier völlig unüblich ist, einen Hausabfluss zu schließen, man braucht das Material als Dünger …. ). Jedenfalls kommt er am nächsten Tag mit dem Kostenvoranschlag und fängt nachmittags gleich an zu arbeiten. Was ich nun wieder nicht bedacht hatte: Der Zement muss trocknen, also keine Benutzung der Toilette, bis auf weiteres ist die Latrine am Eingang angesagt – fast so schwierig wie die Küchenführung ohne Kühlschrank. Um dieses Problem zu lösen, kaufen wir einen Elektrogenerator, der leider – wie auch die Solaranlage – unterdimensioniert ist und also gleich durch den Kühlschrank mit seinen 1800 Watt geschrottet wurde. Der Elektriker hatte uns gewarnt – aber so ist das, wenn man nicht auf die Fachleute hört. Nun lassen wir den Generator reparieren und haben damit für die Regenzeit vorgesorgt, wenn die Solaranlage auch kein Licht liefert. Weitere „Investitionen“ im Elektrobereich unterlassen wir jetzt, unser Stadtteil wächst beständig, „über Nacht“ oder während ich im Büro bin, entstehen neue Häuser und in der Planung der Gemeinde ist die Elektrifizierung für spätestens nächstes Jahr vorgesehen – EDM möchte auch an diesem Wachstum teilhaben. Das dritte „Projekt“ sind unsere Wohnzimmermöbel. Der Schreiner kommt mit einem „Katalog“ (das ist ein Fotoalbum, wo seine bisherigen Meisterstücke abfotografiert sind) und Hamidou und ich sind uns schnell einig – das ist auch was, was uns beiden gut gefällt, dass wir in vielen Dingen den gleichen Geschmack haben. Ein paar Tage später kommt der Schreiner noch mit Stoffmustern, auch da ist die Entscheidung schnell gefallen, was zu unserem gelben Salon passt. Tja, und jetzt kann ich immer, wenn ich beim Schreiner vorbei komme, die Herstellung unserer Einrichtung beobachten. Er hat versprochen, dass die Sachen bis Ende Januar, also pünktlich zu unserem Hochzeitstag, fertig sein werden. Mal sehen, 2 Wochen Lieferzeit sind schon was anderes als die 3 bis 6 Monate, die ich aus Europa kenne. Aber ist hier einfach jeder froh, wenn es mal einen größeren Auftrag gibt. Für mich ist es wohltuend, Handwerker zu bestellen, ohne in langwierige Terminverhandlungen einsteigen zu müssen.

Nun habe ich ja in meinem Leben schon an den abenteuerlichsten Plätzen der Welt mit sehr unterschiedlichen Festivitäten Weihnachten verbracht, eine Party wie diese hatte ich allerdings noch nie: Morgens war einer der Präsidentschaftskandidaten (Modibo SIDIBE) für nächstes Jahr zu Gast, mit 25 Geländewagen ist er in unsere kleine Kreisstadt „eingefallen“. Da Hamidou Vorsitzender des Unterstützungsclubs ist, entstand die Idee, dass Mme DOLO, Mitglied in der Equipe des Kandidaten, ihr Treffen mit den Frauengruppen von Bandiagara in unserem Hof macht. Bis mittags habe ich rausgekriegt, dass mit etwa 15 – 20 Personen zu rechnen ist – schließlich tummeln sich ca. 50 Frauen im Hof – es muss erstmal Nachschub an Getränken beschafft werden.

Mme DOLO kommt aus Bamako – sie strahlt die für aufgestiegene  Frauen hier typische Arroganz aus. Ich habe dann oft den Eindruck, dass diese gut gebildeten Frauen heilfroh sind, aus ihren Dörfern „entkommen“ zu sein und dass sie es jetzt als Zumutung empfinden, wieder mit alten und jungen „Dörflerinnen“ zusammen zu sitzen.

Grußlos verlässt sie den Hof, nachdem sie ihre Rede gehalten hat, worüber nicht nur ich mich am nächsten Tag beschwere, sondern auch etliche Frauen aus den Gruppen, sie haben ein sehr sicheres Gespür für so was und ohne Gegenleistung wird hier gar kein Kandidat unterstützt ….

Den ersten Feiertag verbringen wir mit Glückwünschen in den christlichen Nachbarhäusern – hier wird immer gerne und gegenseitig gratuliert. Ich kann leider nur selten die üblichen kleinen Geldbeträge hinterlassen, da ich nicht nach Sevare darf, habe ich keinen Zugang zu meinen europäischen Konten und langsam wird das Geld knapp. Auf mein hiesiges Konto kommt erst Anfang Januar wieder Geld. So geht es mir wie den meisten hier, denn selbst feste Gehälter kommen meist mit großer Verspätung und ich habe mich noch nicht wirklich an dieses Geldbeschaffenplanen gewöhnt.

Im Januar muss ich nach Bamako, dann habe ich hoffentlich mal wieder Zugang zu einem VISA Geldautomaten. Vielleicht wird ja aber auch die orange-rote Zone bald aufgehoben, wir freuen uns alle, dass inzwischen doch etliche Touristen angekommen sind. Sie kommen vor allem aus Südeuropa – Italien, Spanien, Portugal, aus Asien und aus Ossteuropa. Auch etliche Österreicher und Holländer sollen schon gesichtet worden sein. Die Saison ist nicht mehr zu retten, aber die Unerschütterlichen, die nun da sind, werden umso herzlicher willkommen geheißen.

Die Kälte fordert ihren Tribut – ich kriege Schnupfen und Hamidou Rückenschmerzen – „Kälte“ mag vielleicht übertrieben klingen, tagsüber sind es schon gerne 28 bis 30 Grad, aber sobald die Sonne weg ist, geht es auf 18 bis 15 Grad runter und dieser große Abstand macht es anstrengend und ist riskant, weil es ja trocken ist und man glaubt irgendwie bis spät abends draußen sitzen zu können. Das kann im Januar noch mal kälter werden.

Für die beiden Wächter habe ich Fleecedecken auf dem Markt gekauft. Ich selbst habe das Glück, dass mein Auto angekommen ist, so dass wir das Bettzeug, das u.a. darin war, jetzt gut gebrauchen können.

Heute ist der „Tag an dem man sich die Hände mit Wasser und Seife wäscht“, das bekomme ich im Rathaus mit, weil die Gewählten Bürgermeister sich mittags zu dieser Session verabschieden. Nach Feierabend komme ich am Kulturzentrum vorbei, wo ein ordentliches Spektakel mit zahlreichen Kindern aller Schulen des Ortes stattfindet. Ich halte an, der Polizeichef begrüßt mich, so habe ich keine Bedenken, ein wenig zuzuschauen: Die Kinder der Schule Alpha Ali Seck (da wo damals 2006 mit Unterstützung aus Hamburg die Schulkantine gebaut wurde) haben einen Sketsch eingeübt, der auch ohne Dogonsprachkenntnisse leicht verständlich ist: Ein junges Paar kommt zu Besuch, der Mann weigert sich, sich die Hände zu waschen und spielt dann wirklich hinreißend den unter Darmkrämpfen Leidenden, der dann vom Arzt eine heftige Lektion erteilt bekommt. Der zweite Sketch handelt von einem Bauern, der nach Hause kommt und dessen Frau ihm das Essen ohne Wasser zum Händewaschen vorsetzt, was er verweigert. Eine (oder die) zweite Frau kommt hinzu und stellt erstmal die Utensilien zum Händewaschen hin: eine Wasserkanne und Seife auf einer Schüssel, in der das Wasser wieder aufgefangen wird. Nun speist er genussvoll in der Scharade und beschimpft die erste Frau, die sichtlich erschüttert ist. Der Gag an diesem Sketch ist, dass alle Figuren von Männern gespielt werden, die sich die weiblichen Rundungen durch Kalebassen unter ihren Kleidern angeschnallt haben und die auch mit den Röcken so gar nicht gut zu recht kommen. Ihre Schulkollegen biegen sich vor Lachen und auch wir Erwachsenen können uns kaum einkriegen. Schließlich gibt es noch ein Quiz, bei dem die Kinder, die die Fragen zu wann, wie und warum man sich die Hände ordentlich waschen soll, richtig beantworten ein Moskitonetz und ein Stück Seife gewinnen können. Der Andrang an AntworterInnen ist riesig, so dass die Veranstalter und die Polizei alle Hände voll zu tun haben, um die johlende Kinderschar im Zaum zu halten. Dann werden Softdrinks und Waschschüsseln an den stv. Präfekten, M. SOW und andere offizielle Gäste verteilt und die Veranstaltung ist beendet. Der Polizeichef erkundigt sich noch mal wer ich genau bin, sie haben die gleichen Probleme uns „Tubabs“ auseinander zu halten, wie wir sie am Anfang auch haben.

Im Büro beginne ich langsam Kontakte zu knüpfen. Die 2. Stv. Bürgermeisterin, Madame GUINDO, lädt mich zu einer Ortsbegehung auf dem Markt ein. Seit Bens Zeiten (2006/07) ist hier eine Verbesserung geplant, nun steht endlich aus einem staatlichen Fonds das Geld zur Verfügung und es soll alles ganz schnell gehen. Das Bauingeneurbüro und der beauftragte Unternehmer sind mit von der Partie sowie mein Kollege CAMARA.

Nun ja, und dann ist das so, wie man es kennt: der untere Markt, eine Ansammlung von (aus touristischer Sicht) pittoresken Holzständen, strohgedeckt und schmutzstarrend, findet sich zwischen müllgefüllten Abwasserkanälen – in der Regenzeit hocken hier die Verkäuferinnen einfach mehr oder weniger im Schlamm. Der obere Markt hingegen hat schon eine Erneuerung erfahren, leider hatte der Bauunternehmer nicht im Blick, dass eine zu hoch angelegte Überdachung keinen ausreichenden Sonnenschutz bietet. Und im Gegensatz zu den Strohdächern, die luftdurchlässig sind, sind die Metalldächer, die auf die neuen Hangars gesetzt wurden, wahre Hitzekatalysatoren. Das Ergebnis ist, dass viele Verkäuferinnen lieber vor den Hangars, halt im Schatten der umliegenden Boutiquen sitzen.

Nun sollen 3 neue Hangars gebaut werden, geplant für den unteren Markt, will man sie eigentlich nutzen, um den oberen weiter zu verbessern. Auf intensives Nachfragen kriege ich auch raus warum: der obere Markt ist täglich belegt, bringt also ständig Einnahmen für die Gemeinde, der untere wird vor allem von den Dörferlinnen am Montag und Freitag frequentiert, ist also nur eine mäßige Einnahmequelle.

Ich halte mich mit weiteren Fragen erstmal zurück, rege lediglich an, dass man die Marktbeschickerinnen informieren sollte, bevor die Baustelle losgeht. Das soll nun nächsten Samstag erfolgen, denn gleich nächste Woche soll es losgehen.

Männer verkaufen ausschließlich Reis, Getreide und technisches Gerät in umliegenden Boutiquen und an mobilen Ständen, als Kunden gibt es sie gar nicht – unvorstellbar für einen malischen Mann, auf den Markt zu gehen. Man sieht Jungs und junge Männer mit Handwagen, die die Einkäufe zu den Haushalten transportieren. Auch mancher Bauer begleitet seine Frauen auf den Markt, um dann andere Dinge in Bandiagara zu erledigen. Niemals würde er sich mit an den Stand setzen, wo die bescheidenen Produkte verkauft werden: Hirse, getrocknete Blätter und kleine Fische, Maggiwürfel, Zwiebeln, Gewürze und zuweilen, in und kurz nach der Regenzeit eine Fülle von Gemüse: Gurken, Tomaten, Salat, Auberginen, Kohl, Kochbananen – genau genommen ist es das dann schon. Ohne die Möglichkeit nach Mopti zu fahren, so wie es derzeit für mich ist, ist der Speiseplan ziemlich reduziert. Dort landen durch den Hafen auch andere Produkte an und es gibt auch Karotten, Kartoffeln, Kräuter etc.

Mir liegt das Thema Markterneuerung aus drei Gründen am Herzen: Zum einen stammen die Pläne für die Sanierung des Marktes in Bandiagara von Ben, meinem Ex-DED-Kollegen, der als Architekt eine Adaption europäischer Einkaufszentren vorgenommen hat.

Zum anderen habe ich selbst während meiner Kolleg- und Studienzeit 5 Jahre in Wuppertal auf dem Wochenmarkt gearbeitet. Irgendwie bin ich im Herzen wohl immer auch Marktfrau geblieben und habe einen Blick dafür behalten, was ein Stand braucht. Schließlich kann ich noch immer locker ein Kilo aus der Hand wiegen – was die Händlerinnen hier zuweilen in Erstaunen versetzt.

Und schließlich gehört zu meinen jetzigen Aufgaben die Beratung der Gemeinde zur Erzielung von Einnahmen, so dass wahrscheinlich im nächsten Jahr die Marktordnung ein Thema werden wird.

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