Bandiagara

Na, das war ja eine Reise – so richtig zum wieder ins afrikanische Leben eintauchen! Eigentlich wollte ich ja mit meinem ganzen Gepäck einen Inlandsflug nehmen, aber die kleinen Maschinen waren bis zum 28.11. ausgebucht, so lange wollte und ich konnte ich nicht warten. Meine Recherchen, was andere Flugmöglichkeiten betrifft, brachten die Möglichkeit eines  Laer-Jets zu Tage, für eine Summe, nach der ich die GIZ wirklich nur im Scherz fragen konnte – aber sie wären nach meinen Wünschen am 17.11. geflogen.

Also blieb der Bus. Den Kauf des Tickets nutze ich, um malischen Bekannten von Freunden aus Deutschland noch Sachen zu übergeben, im Gegenzug helfen sie mir beim Ticketkauf und fahren mich zu Annes Haus zurück.

Also gestern Morgen um 7.00 h sollte es losgehen. Natürlich ist es 8.00 h, bis alles verstaut ist und alle ihre Plätze haben. Aus Sicherheitsgründen wird vor der Abfahrt noch mal kontrolliert, ob die, die da im Bus sind, auch die sind, die angemeldet waren. Dann geht’s los – mit Bittar Transport – welches sich im Laufe des Tages als Bitter oder Bizzar-Transport entpuppen sollte.

Nach 3,5 Stunden sind wir in Segou, der wunderschönen alten Königsstadt am Niger – und werden höflich aber bestimmt gebeten, den Bus zu verlassen, es komme ein neuer Wagen. Also alles Gepäck raus und abwarten. Da kommt er auch schon, der neue Bus. Alle und alles wieder einladen und los geht’s – etwa bis zum Ortsende. Hier hält er wieder und wir werden aufgefordert, den Bus zu verlassen – kommt doch der vorherige Wagen wieder um die Ecke?!?

Alle und alles wieder einladen und los geht’s.

Immerhin, weitere 3 Stunden, ich finde, dass die Geräusche beim Schalten nicht besonders Vertrauens erweckend sind, aber naja, das Gefährt kommt voran. Bei jedem Stopp stürmen HändlerInnen den Bus, es gibt Obst, Gemüse, Backwaren, Wasser, Cola, Tee, Drogerieartikel … eigentlich alles, was man auf Reisen so braucht. Ich versorge mich mit Sesamkeksen und frischem Wasser – Vorsicht, die Flasche muß wirklich verschlossen sein, sonst kriege ich Probleme, es dauert mindestens 6 Monate, bis ich das hiesige Trinkwasser trinken kann.

3 Stunden spaeter; also von San aus, rufe ich frohen Mutes Hamidou an, um ihm zu sagen, dass wir in ca. 3 Stunden in Sevare sein werden, wo er mich dann abholen will.

Tja, am Ortsrand …. Ich brauche es nicht näher beschreiben, aber diesmal dauert es länger. Aufgrund des Nachtfahrverbots kann mir mein Kollege in Sevare kein Auto schicken - bis das in San ist, ist es garantiert dunkel - also endlich geht es weiter und ich rufe Hamidou an, er soll in Bandiagara bleiben, auch fuer ihn ist es gefaehrlich, bei Nacht zu fahren. Dann rufe ich Jutta an, die in Sevare eine Bed & Breakfast Pension hat, und frage, ob sie ein Zimmer und ein Abendessen für mich hat. Zum Glück klappt beides und ich bin heilfroh, als Jutta mich in Empfang nimmt und es Steak mit Fritten gibt.

Heute Morgen bin ich dann mit meinem Kollegen hierher gefahren, wir haben die Gelegenheit gleich zum „dienstlichen Austausch“ genutzt, denn er ist mein Vorgänger auf der Stelle im Rathaus.

Hamidou erwartet mich am Haus, das er hat putzen lassen, alles ist bestens vorbereitet und ich freue mich, dass ich endlich angekommen bin.

 

Düsseldorf

Nun ist es also so weit, die beiden Umzüge sind überstanden, alles ist gepackt und vorbereitet und ich treffe mich mit meiner Schwester am Flughafen in Düsseldorf. Das ist gut, sie kümmert sich ums Gepäck, ich bringe den Leihwagen zurück, schon ist das Ckeck-in erledigt – natürlich nicht, ohne für das Übergepäck zu zahlen. Ich mache mich zügig auf zum Gate, denn ich weiß um die vielen Sicherheitschecks, die mir nun bevorstehen. Aber es geht ganz fix – und bald sitze ich im Flugzeug nach Paris.

Dort angekommen erwartet mich wieder der weite Weg durch den Airport Charles de Gaulle. Sie haben inzwischen viel an der Ausschilderung und an den Transportwegen gearbeitet. Ich kann also einen Shuttle Bus und einen automatischen Zug nutzen, um ans andere Ende des Flughafens zu gelangen. Natürlich haben sie wieder mal das Gate gewechselt, was daran auffällt, dass nur wenige Menschen dort sitzen, wo es ursprünglich losgehen sollte. Also noch mal quer durch die Halle – jetzt ist es aber wirklich so weit. Viel Handgepäck und Gedrängel, aber diesmal heben wir pünktlich ab.

Ich durchsuche das Unterhaltungsprogramm und entscheide  mich für den Film AVATAR, den wollte ich eh immer mal sehen, das verkürzt die 6 Stunden Flug doch gewaltig und bringt mich auch wieder in die französische Sprache.

Tja und dann sind wir Bamako, die warme, staubige, nach Flugbenzin und Müllverbrennung riechende Wüstenluft empfängt mich – auf eine gewisse Art das Gefühl, nach Hause zu kommen …. Meine Freundin Anne hat in Absprache mit der GIZ einen Fahrer zum Flughafen geschickt, der mich und eine weitere Kollegin, die aus dem Heimaturlaub zurück kommt, abholt und zu ihr bringt, denn wir werden bei ihr wohnen.

04.05.2008 Haan

So, das wäre geschafft, der Umzug ist überstanden, aber ich bin schon ganz schön erschüttert, wie viele Sachen ich doch so hatte/habe – da kommen die mit einem großen LKW und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass der mit meinen Sachen voll werden könnte – aber irgendwie sieht es dann doch so aus, obwohl natürlich nicht bis unters Dach. An zwei Stationen holten wir das Umzugsgut ab und – weil ich ja geglaubt hatte, ich würde einfach das meiste wieder in die alte Wohnung räumen, mussten noch 10 Kartons im Keller gepackt werden …. Aber die Jungs von der Firma waren geduldig und freuten sich mit mir über die Begrüßung durch Regina und Gerd, die uns mit von Jonas gebackenen Schokotorte, Kaffee und Kuchen verwöhnen, ein Einstieg, der gleich die Motivation bei allen steigen ließ.
Leider wollte der alte Sektretärschrank keinesfalls in den ersten Stock getragen werden – also bleibt er erst mal im Lädchen, das zur Wohnung gehört. Die meisten Kisten stehen auf der Terrasse und auch mit den Regalen war ich mir noch so gar nicht sicher, wo die nun eigentlich hin sollen … hab das Haus ja vor 4 Tagen erstmals live gesehen.
Zum Glück ist mein Bett schon aufgebaut, so dass ich mich erst mal ausruhen kann.

Bochum

Tja, da habe ich also erst mal 18 Stunden am Stück geschlafen, der Flug war ja insgesamt ok, war auch nett bis Paris mit Ben, aber dann kommt ja immer der Augenblick, wo jeder sehen muss, wo er/sie bleibt.
Martin holte mich in Düsseldorf ab, blitzschnell war ich durch alle Kontrollen, das Gepäck sofort zur Stelle – ja doch, Glas, Stahl, Beton, genau so hatte ich das doch alles in Erinnerung – und aber vor allem Wiedersehensfreude mit dem alten Freund.
In Bochum erst mal ein wenig auspacken, witzigerweise ist Uli, der zum Zeitpunkt meiner Ausreise grade nach Neuseeland auswanderte, gerade zu Besuch und wohnt auch bei Martin und Andrea – allerdings ist er nur auf Urlaub und kehrt nach ein paar Wochen wieder zurück – er war ja damals „richtig“ ausgewandert.
Morgens kommt Margret zum Frühstück und dann geht es auf nach Haan, das neue Haus besichtigen … ich bin schon ein wenig aufgeregt, schließlich habe ich es noch nicht in Natur gesehen. Aber Gerd und Regina sind da – mit Sekt und Selters und nach einer ersten Besichtigung bin ich rundum begeistert: Es ist wunderschön, liebevoll saniert und Rik hat mit seinen aktuellen Streicharbeiten auch ganze Arbeit geleistet. Es werden Schlüssel übergeben, Verabredungen getroffen – nächsten Freitag kann ich einziehen.
Dann geht’s weiter zu meiner Schwester, wo meine Eltern und mein Neffe schon warten – große Wiedersehensfreude! Die Eltern sind wirklich froh, dass ich wieder zurück bin, war ja auch ein Grund zu gehen, mit ihnen auch Zeit verbringen zu können.
Natürlich friere ich ständig, es ist um die 20 Grad, alle sind glücklich ob des schönen warmen Wetters – nur bei mir will sich diese Freude nicht so ganz einstellen, habe ich Bamako doch bei 38 Grad verlassen – kurz vor Mitternacht.
Ich rufe in Mali an, um wissen zu lassen, dass ich gut angekommen bin und bitte alle lieb von mir gegrüßt werden sollen – ist schon irgendwie komisch ….

Düsseldorf/Bochum

Raus aus dem Flieger in Paris – da stehen am Ende des Ganges 5 uniformierte, bewaffnete  Gestalten mit einem derart grimmigen Gesichtsausdruck und einer Haltung, als wollten sie gleich alle Insassen des Flugzeuges verhaften … und das nur um zu sehen, ob jede/r seinen/ihren Pass in der Hand hat !?!

Willkommen in Europa!?!

Mir wird’s gleich noch kühler, als es eh schon ist. Wüsste gerne, ob einem Flugzeug aus den USA auch ein solcher “Empfang” bereitet wird.

Bamako

Auch der letzte Tag fliegt vorbei – ich bringe mein Gepäck zu Air France, da muss ich erst mal umpacken, weil ein Gepäckstück nicht mehr als 32 kg haben darf – Rechte der Bandarbeiter in der Gepäckverwaltung, also umschichten. Dann kommt Ben mit seinem Gepäck, wir haben den gleichen Flug und freuen uns schon auf eine entspannte Reise.

Abends treffe ich mich mit Keita und Tolo, wir trinken noch ein Bier und schwelgen in Erinnerungen und dann ist es schon so weit: Auf zum Flughafen.

Letztlich ist der Abschied unspektakulär – ich habe auch das Gefühl, dass ich wieder komme und so trinken Ben und ich noch ein Castell im Flughafenrestaurant - Tja und dann geht’s auch schon los.

Bamako

Heute also alle Formalitäten beim ded noch abgewickelt, Auto und Laptop zurückgeben, Papiere unterzeichnen, letzte Abrechnungen – es bleibt jetzt noch Geld übrig, aber ich will ja im Oktober hier Urlaub machen, da schadet es nicht ein paar CFA zu haben. Ein ausführliches Gespräch mit der Landesdirektorin – Abschied von der malischen Equipe …

Sehr lustig noch das Aufgeben der Kiste beim Cargo – vor uns war eine Kundin die 5 große Kisten (offen und zerfleddert) mit Trockenfisch nach Kanada schickte … die Crew in der Cargo Halle erzählt, dass sie das alle 2 Wochen macht, ihre Familie verkauft den Fisch dort … Der Zollvertreter durchwühlt die Fischkartons, dann werden sie in Plastik eingeschweißt – und ab geht’s! Meine Kiste wird auch inspiziert, als klar ist, es ist mein Hausrat und ein paar Geschenke, ist alles ok, gleichwohl wird eine Summe als „Zoll“ deklariert – leider kann mir keiner erklären, was das soll, selbst Mme Diarra meint, das sei immer so …

Abends treffe ich mich mit Katrin, wir gönnen uns ein schönes Capitaine Brochette im Pili Pili, lustiger weise das erste afrikanische Restaurant in dem ich 2004 mit Christof war … dann kurz vorm Gästehaus der Anruf von Meinhard: Er und Andrea sind noch in Le Bafing, ein spätes Brochettenessen – tja, es ist nicht weit, denn die beiden möchte ich gern auch persönlich verabschieden.

Bamako

Den letzten Streckenabschnitt fahre ich allein – ist schon komisch, dass die Zeit hier in Mali schon wieder rum ist – eigentlich kaum zu glauben. Aber ich würde es sofort wieder tun!!!

Im Gästehaus bin ich diesmal allein, auch ein komisches Gefühl, aber viele KollegInnen sind vor der extremen Hitze (ca. 46 Grad) in den Urlaub nach Europa „geflüchtet“ – nun ja für mich ist es diesmal keine Urlaubsreise.

Ich gönne mir einen Nachmittag am Pool im Hotel Salam – auch ein (vorläufig) letztes Mal, besuche Christof in seinem schönen neuen Haus oberhalb von Bamako – wunderbar, von dort den abendlichen Blick über die Stadt zu genießen. Es kommt uns beiden komisch vor, dass die 2,5 Jahre schon vorüber sein sollen, aber es ist einfach so.

Segou

Soweit, so gut, zum Abschied kamen noch mal Nouhoum Oulouguem, Yaiben, Laya Ba, Etienne, Luc und natürlich mein lieber Freund Hamidou vorbei, Margret überprüft ein letztes Mal, ob wirklich alles gut verstaut ist – Malado sitzt schon auf dem Beifahrersitz – sie fährt bis Segou mit. Tja, und ich kann nur alle noch mal herzlich verabschieden – und es ist am besten sich ins Auto zu setzen und loszufahren ….

Beim Stichwort Auto: Suleiman und seine Jungs haben den kleinen Jetta tatsächlich wieder hingekriegt – ich lasse ihn in Bandiagara, wenn ich zu Besuch komme, bin ich beweglich und wenn was dran ist, kriegt Suleiman das wieder hin.

Heute also bis Segou, hier kann ich bei Wolfgang übernachten, wir haben uns schon länger nicht mehr gesehen – wir gehen zusammen Pizza essen und treffen noch Wim – auch in Segou sind ja einige nette KollegInnen …. und auch hier ist Abschied angesagt.

Der letzte Abend in Bandiagara im „kleinen Kreis“, Stefan und Fati, Margret, Steffi, Adiya und ich treffen uns bei Papa Njango zum Brochettenessen – es ist heiß wie immer, die LKW donnern vorbei. Die andern sind unterwegs, Meinhard in Kati, Jean Baptiste und Birgit in Europa, aber klar, übers Telefon stehen wir miteinander in Verbindung…. Unter dem Sternenhimmel schlendern wir zurück – noch mal die Hunderunde die Margret und Rudi … morgen früh geht’s los!

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