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Mali-Tagebuch

Bamako

Heute also alle Formalitäten beim ded noch abgewickelt, Auto und Laptop zurückgeben, Papiere unterzeichnen, letzte Abrechnungen – es bleibt jetzt noch Geld übrig, aber ich will ja im Oktober hier Urlaub machen, da schadet es nicht ein paar CFA zu haben. Ein ausführliches Gespräch mit der Landesdirektorin – Abschied von der malischen Equipe …

Sehr lustig noch das Aufgeben der Kiste beim Cargo – vor uns war eine Kundin die 5 große Kisten (offen und zerfleddert) mit Trockenfisch nach Kanada schickte … die Crew in der Cargo Halle erzählt, dass sie das alle 2 Wochen macht, ihre Familie verkauft den Fisch dort … Der Zollvertreter durchwühlt die Fischkartons, dann werden sie in Plastik eingeschweißt – und ab geht’s! Meine Kiste wird auch inspiziert, als klar ist, es ist mein Hausrat und ein paar Geschenke, ist alles ok, gleichwohl wird eine Summe als „Zoll“ deklariert – leider kann mir keiner erklären, was das soll, selbst Mme Diarra meint, das sei immer so …

Abends treffe ich mich mit Katrin, wir gönnen uns ein schönes Capitaine Brochette im Pili Pili, lustiger weise das erste afrikanische Restaurant in dem ich 2004 mit Christof war … dann kurz vorm Gästehaus der Anruf von Meinhard: Er und Andrea sind noch in Le Bafing, ein spätes Brochettenessen – tja, es ist nicht weit, denn die beiden möchte ich gern auch persönlich verabschieden.

Bamako

Den letzten Streckenabschnitt fahre ich allein – ist schon komisch, dass die Zeit hier in Mali schon wieder rum ist – eigentlich kaum zu glauben. Aber ich würde es sofort wieder tun!!!

Im Gästehaus bin ich diesmal allein, auch ein komisches Gefühl, aber viele KollegInnen sind vor der extremen Hitze (ca. 46 Grad) in den Urlaub nach Europa „geflüchtet“ – nun ja für mich ist es diesmal keine Urlaubsreise.

Ich gönne mir einen Nachmittag am Pool im Hotel Salam – auch ein (vorläufig) letztes Mal, besuche Christof in seinem schönen neuen Haus oberhalb von Bamako – wunderbar, von dort den abendlichen Blick über die Stadt zu genießen. Es kommt uns beiden komisch vor, dass die 2,5 Jahre schon vorüber sein sollen, aber es ist einfach so.

Segou

Soweit, so gut, zum Abschied kamen noch mal Nouhoum Oulouguem, Yaiben, Laya Ba, Etienne, Luc und natürlich mein lieber Freund Hamidou vorbei, Margret überprüft ein letztes Mal, ob wirklich alles gut verstaut ist – Malado sitzt schon auf dem Beifahrersitz – sie fährt bis Segou mit. Tja, und ich kann nur alle noch mal herzlich verabschieden – und es ist am besten sich ins Auto zu setzen und loszufahren ….

Beim Stichwort Auto: Suleiman und seine Jungs haben den kleinen Jetta tatsächlich wieder hingekriegt – ich lasse ihn in Bandiagara, wenn ich zu Besuch komme, bin ich beweglich und wenn was dran ist, kriegt Suleiman das wieder hin.

Heute also bis Segou, hier kann ich bei Wolfgang übernachten, wir haben uns schon länger nicht mehr gesehen – wir gehen zusammen Pizza essen und treffen noch Wim – auch in Segou sind ja einige nette KollegInnen …. und auch hier ist Abschied angesagt.

Der letzte Abend in Bandiagara im „kleinen Kreis“, Stefan und Fati, Margret, Steffi, Adiya und ich treffen uns bei Papa Njango zum Brochettenessen – es ist heiß wie immer, die LKW donnern vorbei. Die andern sind unterwegs, Meinhard in Kati, Jean Baptiste und Birgit in Europa, aber klar, übers Telefon stehen wir miteinander in Verbindung…. Unter dem Sternenhimmel schlendern wir zurück – noch mal die Hunderunde die Margret und Rudi … morgen früh geht’s los!

Nun ist auch die Klimaanlage ausgebaut, das Haus fertig gestrichen und ich bin zu Margret gezogen. Nur noch mein Gepäck ist nebenan.

Theoline, die Katze, hat schon seit längerem begriffen, dass da was im Gange ist und hat sich schon auf das Leben bei Margret und Rudi, dem Hund, mit dem sie in Segou aufgewachsen ist, eingestellt.

Bei GAAS Mali wurde eine schöne und freundliche Abschiedszeremonie gemacht, die Frauen aus dem Kurs haben getrommelt und getanzt, von vielen KollegInnen habe ich noch schöne Geschenke bekommen – mir war gar nicht bewusst, dass ich in der kurzen Zeit so viele Leute kennen gelernt hatte.

Gestern haben dann noch Steffi und Adiya eine Fete organisiert – wir haben uns vorher getroffen und ich bekam eine wunderschöne Powerpointpräsentation mit den schönsten Fotos meiner Zeit in Mali geschenkt – ich war ganz gerührt und musste mich schon sehr beherrschen – ist halt nicht leicht, das Abschiednehmen. Daou und Koumba kommen vorbei, mein Freund Hamidou schaut jeden Tag rein, viele Kollegen kommen noch mal grade vorbei. Jaiben hat das Haus ein letztes Mal blitzblank geputzt, Laya Bah sogar auch etwas ins Abschiedsalbum geschrieben. Etienne hofft nun auf einen Platz in der Schule für Englischlehrer und Luc umschreibt mit ausholenden Gesten, wie Fliegen geht und dass das lange dauern wird …

Ogomo bittet mich noch mal vom Büro aus, bei ihm vorbeizukommen, ermöchte mir was zeigen … 5 Männer hocken auf dem Boden und arbeiten an einem wunderschönen Bogolan-Wandbehang – der muss und wird noch fertig werden, versichert er mir.

Ich bin nun gar nicht in Aufbruchsstimmung sondern würde der trotz der täglichen 46 Grad und der Hitzepickel, die sich inzwischen zahlreich auf meinem Körper einfinden, eigentlich am liebsten bleiben – ich merke unbehagliches Ziehen in der Magengegend – könnte das Angst vor der anstehenden Veränderung sein????

Bandiagara

Gar nicht so einfach, das Abschiednehmen. Da fangen jetzt die Seminare für die Frauen zur Vorbereitung auf die Kommunalwahl wieder an – ich würde sie gerne bis zum Wahltermin im nächsten Jahr begleiten. Aber nun ist es anders gekommen und ich kann immer nur bei ihnen vorbeischauen und muss mich ansonsten dem Leeren meines Büros und Hauses sowie dessen Renovierung widmen. Die Einrichtung verkaufe und verschenke ich – aber so recht kann ich mich nicht aufraffen, also greife ich auf einen alten Trick zurück, der mir schon oft geholfen hat, wenn mir etwas zuviel oder unbehaglich war: In kleine Stückchen zerlegen, also jeden Tag 30 Minuten packen – und ruckzuck, nach einer Woche sind die beiden Versandkisten und die Stapel für die FreundInnen und KollegInnen fertig zusammengestellt.

Bamako – Mopti

Na, das war ja mal eine gute Idee, ich bin von Bamako nach Mopti geflogen, zusammen mit Steffi, wir hatten viel Spaß, als die Innenverkleidung des Flugzeuges sich über ihrem Sitz löste – die Stewardess war dankbar, dass wir nur gelacht und keine Szene hingelegt haben. Es war wunderschön, Mali von oben, man fliegt den Fluss entlang und um diese Jahreszeit gibt es eine Fülle von Braun- und Rottönen – einfach beeindruckend. Die Maschine ist klein, wenige Passagiere – und statt völlig fertig nach 10 Stunden Fahrt aus dem Auto zu stolpern, hüpft man nach 1,5 Stunden Flug munter aus dem Flughafen – zu den gleichen Kosten wie das Benzin der Autotour – wenn also nur eine Person reist und nicht viel zu transportieren ist – beides eher selten. Aber gut zu wissen, dass die Möglichkeit gibt.

Jutta holt uns am Flughafen ab und ich hole mein Auto bei ihr und auf geht’s – Endspurt nach Bandiagara.

Bamako

Letzte Reise nach Bamako mit Rückkehroption nach Bandiagara – nächstes Mal muss ich das Auto dalassen und nach Deutschland zurückfahren … ich habe viel zu erledigen, ein volles Besuchsprogramm und bin selbst überrascht, wie viele FreundInnen und Bekannte ich auch hier schon habe …

Mopti

Ach ja, manchmal ist es schon auch mühsam: Wir fahren nach Mopti, um die nächsten Frauenseminare vorzubereiten. Um 9.00 Uhr Verabredung mit der Referentin in Sevare – „Wo müssen wir genau hin?“ – „Ist Keita hier?“ kommt die Gegenfrage von M. Kassogué. „Nein, der arbeitet jetzt in Bamako, warum?“ – „Na der sollte mir sagen, wo das Büro der Animatricen ist, ist irgendwo bei der Kirche“. Also auf zur Kirche. Dort kennt niemand dieses Büro. Ich bitte Ogomo die Dame anzurufen, wir sollten uns dann am zentralen Kreisverkehr in Sevare treffen – es ist nämlich inzwischen schon schön warm. Gesagt getan, wir warten …. Die Souvenierhändler, die jetzt keine Touristenkundschaft mehr haben „belagern“ mich: „bitte, wir haben keine Kunden, Du musst etwas kaufen …“ Ich will aber meinen Termin machen und dann noch zur Schule von Etienne, bevor die Mittagshitze voll ausbricht zurück in Bandiagara sein – irgendwie merkwürdig alles. Letztlich bitte ich noch mal anzurufen, wo denn Mme Dama bleibt. Ach ja, sie sucht eine Transportmöglichkeit, sie ist nämlich in Mopti (ca. 12 km) – zum Glück habe ich ja ein Päckchen für das AIDS Zentrum in Mopti dabei, Kara hat mich gebeten es abzugeben. Also bestellen wir die Referentin dort hin. Angekommen, weiß natürlich niemand, für wen das Päckchen ist, also Kara anrufen und mit der Sekretärin zusammenschalten, das wäre erledigt.

Nun kommt Mme Dama, Ogomo hat aber die gute Idee, dass er sich jetzt grade mal auf AIDS testen lassen könne, wo wir doch schon mal da sind … ok, aber die Wartezeit nutzen wir, um unsere Besprechung zu machen. Ein kleiner Hangar vorm Haus, es stürmt, der Vertrag flattert, aber nach 2 Stunden sind wir uns einig, alles wird unterschrieben, der Test ist auch fertig. Also auf zur Schule von Etienne.

Er ist mein Wächter und wird ja jetzt arbeitslos wenn ich gehe. Daher habe ich überlegt ihm zu helfen, seinen Berufstraum zu verwirklichen: Er möchte Englischlehrer werden. Aber das ist nicht so einfach, schon zweimal hat er die Aufnahmeprüfung versucht und ich glaube, er braucht dabei Unterstützung. So spreche ich einen der Lehrer auf „alte Dame“ Art an und er verspricht schließlich, sich des Jungen anzunehmen, wenn er sich denn im August bei ihm meldet (Prüfung ist im September) und ihm bei der Vorbereitung zu helfen (jeder weiß, dass das kostet, ich lasse Geld bei einem Kollegen und dass diese Hilfe dann auch „ein gutes Wort“ im Auswahlkomitee beinhaltet.) Ich finde das alles nicht toll, sage mir aber, wenn mein Tubab-Status diesem jungen Mann hilft, muss ich die Karte wohl spielen ….

Endlich können wir den Rückweg antreten, es ist doch schon fast 15.00 Uhr – unterwegs werden noch Zement und Holz einkauft – es ist jetzt doch verdammt heiß!

Schwerer Fehler. Heute Morgen ist dann jemand anders da, er führt mich zu einer Kompanie von Batterien, welche denn nun meine sei? Allein drei sehen der meinigen verdammt ähnlich … Zum Glück kommt grade Hasso zum Morgentee vorbei, er erinnert sich gut, welche Batterie es war, eingebaut, angelassen, 300 CFA (45 ct) bezahlt und natürlich ein kleines Trinkgeld …  und ab geht’s ins Büro. Wieder mal Glück gehabt.

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